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Russell Crowe

Keine Regeln

Schauspieler Russell Crowe

(tsch) Russell Crowe ist kein typischer Star. Er ist nicht so schön wie Brad Pitt oder George Clooney - und längst nicht so handzahm. Zwar sorgte er mit seinen Filmen "Gladiator", "A Beautiful Mind" und "Master & Commander" für einige der größten Erfolge Hollywoods der vergangenen Jahre. Doch abseits der großen Bühne gilt der 42-Jährige als nicht so umgänglicher Geselle. Er fiel durch gewalttätige Ausbrüche auf und musste sogar vor Gericht erscheinen, weil er einem Hotelangestellten ein Telefon an den Kopf geworfen haben soll. Dabei, sagt sein Freund und Regisseur Ridley Scott, sei Crowe ein fröhlicher, netter und vor allem humorvoller Mensch, was nun erstmals auch auf der großen Leinwand zu erleben ist. In "Ein gutes Jahr" (Start: 09.11.) ist der raue Kerl von Down Under in seiner ersten waschechten Komödie zu sehen und spielt einen skrupellosen Aktienhai, der in Frankreich zu sich selbst und seiner Vergangenheit findet. Während des Filmfestivals im kanadischen Toronto sprach Crowe über sein neues komisches Betätigungsfeld, seine neue Liebe zur Provence und spekulierte über einen zweiten "Gladiator".

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teleschau: Gibt es einen speziellen Grund dafür, dass Ihnen bisher nie wirklich komische Rollen angeboten wurden?

Russelll Crowe: Also, ich denke, dass ich schon in "Gladiator" einige Lacher hatte. Aber der Film wurde natürlich nicht so vermarktet.

teleschau: Komische Momente in "Gladiator" ...?

Crowe: Wenn man seinem Gegner auf die richtige Weise die Rübe abhaut: komisch. Im Ernst: Ich wollte unbedingt wieder mit Ridley Scott, dem Regisseur von "Gladiator", zusammenarbeiten. Ich versuchte also, unsere Terminpläne in Einklang zu bringen. Dann setzten wir uns gemeinsam hin und sprachen 17 verschiedene Projekte durch. "Ein gutes Jahr" war das Erste, das mich von Anfang an fasziniert hat und meine Gedanken anregte. Alleine schon in Südfrankreich, in der Provence zu drehen. Dazu kam, dass ich endlich die Gelegenheit hatte, die anglo-französischen Beziehungen näher unter die Lupe zu nehmen. Ich habe viele britische und französische Freunde, also kannte ich das bereits etwas. Als Australier, Neuseeländer sitze ich immer zwischen den Stühlen, bin also in gewisser Hinsicht ein Außenseiter, wenn es um dieses Thema geht.

teleschau: Das klingt nicht wirklich nach Arbeit.

Crowe: Es war einfach eine angenehme Gelegenheit, wieder mit derselben Dynamik mit Ridley zusammenzuarbeiten, ohne zu viel Verantwortung oder Druck zu spüren. Wir konnten es uns richtig gut gehen lassen. Ich musste mich an keine Regeln halten - was ich auch sonst eh nicht mache - und wir hatten viel Spaß zusammen. In meinem Hinterkopf hatte ich ein wenig Jacques Tati und ein bisschen Harold Lloyd, aber unterm Strich ist es eine Geschichte über Menschlichkeit und die Veränderung eines Protagonisten unter dem Einfluss eines anderen Umfeldes.

teleschau: Waren Sie an der Bearbeitung des Drehbuchs beteiligt?

Crowe: Ja, ständig. Mein Regisseur bat mich höchstpersönlich darum. Manchmal war es zehn, manchmal fünf Minuten vor dem Dreh, manchmal aber sogar während des Drehs. Ridley erzählte mir, wie er sich die Szene vorstellt, was dahinter steckt und was er von mir möchte, und ich wurde langsam zu einem Teil des Inhalts. Der verwebt sich dann quasi mit meiner Persönlichkeit: Eigentlich ein ganz einfach Prozess. Ich mag, wie schnell Ridley arbeitet. Wir huschen von einer Szene zur nächsten. Es langweilt mich, wenn ein Regisseur von mir verlangt, mich aufzuwärmen oder noch lange während des Drehtages vorzubereiten. Das ist eine Verschwendung von Ressourcen.

teleschau: Woraus entwickeln Sie all die Energie?

Crowe: Ich mache nach dem Aufstehen ein bisschen Yoga und atme einmal tief ein. Dann kann es losgehen. Die französische Crew aber hat sich schon nach einer Woche beschwert und beklagte, Ridleys schnelles Vorgehen würde sie am Ende umbringen.

teleschau: Sie arbeiteten erstmals in Frankreich: Was war Ihr Eindruck von den Landsleuten?

Crowe: Erst einmal musste ich sehr darauf aufpassen, keinen Engländern zu begegnen. Das ist ja ein Nationalsport von uns Australiern. Wenn wir einen sehen, dann gehen wir in die andere Richtung. Ich habe die Zeit in Frankreich sehr genossen, wohnte in einem herrlichen Haus. Die Dreharbeiten fanden in einer intimen Atmosphäre statt, weil wir fast die gesamte Zeit an einem Ort gedreht haben. Freitagabend spielten wir immer Boule: wundervoll.

teleschau: Was an Ihrem Heimatland erinnert Sie an die Provence?

Crowe: Das Leben ist sehr ähnlich: Es geht alles etwas langsamer und entspannter vonstatten als anderswo. Das hat mich wirklich an die gute alte Heimat erinnert. Es ist viel Energie in der Luft, immer schwebt etwas mit ihr. Ich werde deshalb mit Sicherheit schon bald wieder nach Südfrankreich zurückkehren.

teleschau: Sie spielen einen sehr viel leichteren Charakter als in "Das Comeback" oder "Gladiator". Hatten Sie so viel Spaß daran, dass sie bald wieder etwas Ähnliches drehen werden?

Crowe: Eine Komödie vielleicht, aber nichts Ähnliches. Meine Rollen unterscheiden sich immer. Aber wenn viele Leute sich den Film anschauen, vielleicht raufen Ridley und ich uns zusammen und haben ein zweites "Gutes Jahr" in der Provence.

teleschau: Ridley Scott hat erklärt, dass man auf der Leinwand ihn selbst sieht. Wussten Sie, dass Sie ihn in gewisser Weise porträtieren?

Crowe: In der Rolle des Max steckt nicht nur viel von Ridley, sondern auch von Peter Mayle, der die Buchvorlage geschrieben hat. Ich spürte viel von seinen Überzeugungen, die er hatte, bevor er von England nach Frankreich auswanderte. Die Provence wurde für ihn, der wie wir alle viel reist und im Laufe eines Jahres mal hier, mal da wohnt, zu einem Ort, an dem er sich regenerieren kann und Erholung findet. Er hat Südfrankreich aus all den Orten, die sich ihm anboten, ausgesucht. Dieser Hintergrund hat die Geschichte für mich natürlich interessant gemacht.

teleschau: Wie gingen Sie mit Ihrem jungen Schauspielkollegen Freddie Highmore um, der Ihren Charakter in Kinderjahren spielt?

Crowe: Freddie ist ein sensationeller Schauspieler. Ridley und ich sprachen viel über ihn, schon bevor er für die Rolle ausgesucht wurde. Als er dann am Set erschien, wollte ich ihn näher kennen lernen und bot ihm alles Mögliche an.

teleschau: Zum Beispiel?

Crowe: Eine Fahrradtour, einen Spaziergang oder Kinobesuch. Er antwortete aber in akkuratem Englisch: Nein danke, er habe leider keine Zeit dafür. Mehr haben wir eigentlich nicht miteinander gesprochen. Daher ist es besonders verblüffend, wie viele Ähnlichkeiten unsere beiden Charaktere am Ende im Film haben, obwohl wir uns überhaupt nicht abgesprochen oder etwas zusammen geplant haben.

teleschau: Sie springen nicht nur von einer Rolle zur nächsten, sondern auch von einem Akzent zum anderen. Wie begegnen Sie diesen sprachlichen Herausforderungen?

Crowe: Was das Französische angeht, hatte ich einen guten Indikator bei den Dreharbeiten: meine Kollegin Marion Cotillard. Wenn ihre Augen nicht zu leuchten begannen, wusste ich, dass ich es noch nicht richtig gemacht hatte. Es war also ein echtes Erfolgserlebnis, als es dann während des Drehs auf einmal klappte. Für mich sind Sprachen wie Musik, die ich mir gerne anhöre und von der ich lerne. Das kommt von meinem übermäßigen Filmkonsum in jungen Jahren. Aber so schwierig war die Stimme von Max nicht zu trainieren, schließlich ist sie genau dieselbe wie von Maximus in "Gladiator".

teleschau: Gibt es Pläne für einen zweiten "Gladiator"?

Crowe: Ridley und ich sprachen schon viel darüber. Aber um ehrlich zu sein, haben wir es uns damit nicht gerade leicht gemacht, weil mein Charakter ja am Ende des Films gestorben ist. So etwas darf uns aber natürlich nicht aufhalten. Da passieren noch viel merkwürdigere Sachen in Hollywood. Außerdem gibt es so viele andere Projekte, die ich mit Ridley zusammen machen kann und möchte. Gerade habe ich mit ihm "American Gangster" an der Seite von Denzel Washington in New York gedreht. Von daher gehört die "Gladiator 2"-Frage wohl eher in die Nachwelt.

Leif Kramp


Vom Broker zum Weinbauer - In der Tragikomödie "Ein gutes Jahr" erbt Russell Crowe ein Weingut in Südfrankreich.
Vom Broker zum Weinbauer - In der Tragikomödie "Ein gutes Jahr" erbt Russell Crowe ein Weingut in Südfrankreich. (20th Century Fox)

In Ridley Scotts neuestem Film "Ein gutes Jahr" ist der "Gladiator", Russell Crowe, einmal von seiner komischen Seite zu sehen.
In Ridley Scotts neuestem Film "Ein gutes Jahr" ist der "Gladiator", Russell Crowe, einmal von seiner komischen Seite zu sehen. (20th Century Fox)

Smart statt Sportflitzer: In der französischen Provinz muss der arrogante Londoner Geldhai Skinner (Russell Crowe) so manche Abstriche machen.
Smart statt Sportflitzer: In der französischen Provinz muss der arrogante Londoner Geldhai Skinner (Russell Crowe) so manche Abstriche machen. (20th Century Fox)

Datum: 05.11.2006

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