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Der Fluch - The Grudge 2

Der Fluch - The Grudge 2

(tsch) Sarah Michele Gellar ist mit Abstand die erfolgreichste Gruselikone des amerikanischen Film- und Fernsehmarktes. Seit sie kreischend in "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast" und "Scream 2" dafür abgestellt war, gemeuchelt zu werden, aber vor allem seit sie in ihrer wegweisenden Darbietung der Vampirjägerin in der TV-Serie "Buffy - Im Bann der Dämonen" Bekanntschaft mit den Ausgeburten der Hölle machte, lässt sie das Genre offensichtlich nicht mehr los. Bevor ihr nächstes Jahr in "The Return" das Fürchten gelehrt wird, ist sie nun erst einmal wieder als traumatisierte Krankenpflegerin Karen in Japan zu sehen: "Der Fluch 2" verschafft ihr zwar nur einen Kurzauftritt, eine typische Cameo-Rolle, und dennoch stiehlt sie im faden Horrorspaß ihrer Nachfolgerin in der Hauptrolle, Amber Tamblyn, die Show.

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Tamblyn ist wenig ambitioniert als Karens besorgte Schwester zu sehen. Schließlich hatte Letztere die buchstäblich haarige Situation am Ende des ersten Films damit zu klären versucht, das Haus allen Übels, in dem sich der Spuk abspielte, anzuzünden. Nun liegt sie im Krankenhaus und wird - fest ans Bett geschnallt - von schaurigen Visionen heimgesucht. Aubrey Davis (Amber Tamblyn) versucht also hinter das rätselhafte Treiben zu kommen, verbündet sich mit einem außerordentlich langweiligen Journalisten, der auch nach drei Jahren nur eine wage Vorstellung davon hat, was da eigentlich vor sich geht mit den fiesen Geistern von Tokio.

Der Ablauf ist wie gehabt: Unschuldige Neugier treibt die Naivchen ins Gemäuer, der Fluch nimmt seinen Lauf, und bald stirbt einer nach dem anderen eines schockierenden Todes. Haare, überall Haare: Wer demnächst wieder einmal - gerade zur Weihnachtszeit - in den Touristenhochburgen die ein oder andere Japanerin erblickt, deren Gesicht, vielleicht weil sie sich die Schuhe zubindet, von ihren langen, schwarzen Haaren verborgen ist, der wird plötzlich schnelleren Schrittes gehen.

Und doch: Viel Schminke und Haar machen noch keinen guten Horror. Regisseur Takashi Shimizu greift wieder viel zu gern und reichlich auf die üblichen schnellen Schnitte und Nahaufnahmen aufgerissener Augen blasser Geister zurück. Die Effekte wirken mittlerweile nur noch eintönig und haben viel von ihrer intensiven Wirkung eingebüßt. Schreck lass' nach, wenn es denn welchen gäbe!

Takashi Shimizu scheint schwer gelangweilt gewesen zu sein, nun da er sich bereits zum vierten Mal mit dem Horror-Haar-Haus beschäftigt. Das Hollywood-Prinzip, lieber einen Film neu zu drehen als das fremdländische Original synchronisieren zu lassen, ist freilich schon häufiger aufgegangen, vor allem mit asiatischen Gruselfilmen wie "Ring". Seit Ole Bornedal angeheuert wurde, um seinen dänischen Schocker "Nachtwache" für den amerikanischen Markt neu (und um Klassen schlechter) zu inszenieren, ist auch dieses Vorgehen in Mode gekommen. Shimizu aber hat seinen Originalwerken mit den US-Remakes keinen Gefallen getan. Die "Fluch"-Geschichte hat sich abgenutzt.

Da hilft auch keine nackte Haut: Shimizu, die pubertierende Zuschauerschar fest im Visier, beginnt seinen 95-Minüter mit hübschen Studentinnen, die ihr Fachwissen über die Wirkung von kurzen Röcken austauschen, um dann den Kick des Verbotenen zu suchen, indem sie das verwunschene Haus besuchen. Sterben müssen sie dann jeweils nackt oder halbnackt (die scheue Kameraführung zeugt von angepeilter Freigabe ab zwölf Jahren), entweder beim avisierten Liebesspiel mit dem jugendlichen Freund oder unter der Dusche.

"Der Fluch 2" ist nicht nur die Fortsetzung einer Neuverfilmung, sondern auch selbst ein Remake. Die Erwartungen des Betrachters sollten auf bescheidenem Level gehalten werden. Die Handlung hält keine großen Überraschungen bereit, sondern lässt den Zuschauer allein mit dem fleischlosen Knochen des steten Ratespiels sitzen, wann, wo und wie der Schrecken in Form des kleinen, blau angelaufenen Jungen oder der herumkrebsenden, verblichenen Sirene das nächste Mal zuschlägt. Ein Film, so leicht, sinnlos und gut verträglich wie perfekt für Halloween - nur war das nicht bereits letzte Woche?

Leif Kramp

Credits:
V:Constantin, USA 2006, R: Takashi Shimizu, D: Amber Tamblyn, Jennifer Beals, Sarah Michelle Gellar u.a.

Laufzeit: 95 Min.

Kinostart:
09.11.06


Aubrey (Amber Tamblyn) kann nicht verstehen, warum ihre Schwester das Haus in Tokio angezündet hat.
Aubrey (Amber Tamblyn) kann nicht verstehen, warum ihre Schwester das Haus in Tokio angezündet hat. (2006 Constantin Film, München)

Vanessa (Teresa Palmer) erstarrt, als der Fluch sie in einer Telefonzelle aufsucht.
Vanessa (Teresa Palmer) erstarrt, als der Fluch sie in einer Telefonzelle aufsucht. (2006 Constantin Film, München)

Sogar im Krankenhaus wird Karen (Sarah Michelle Gellar) von der unheimlichen Frauengestalt verfolgt.
Sogar im Krankenhaus wird Karen (Sarah Michelle Gellar) von der unheimlichen Frauengestalt verfolgt. (2006 Constantin Film, München)

Datum: 09.11.2006

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