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Moby - Go: The Very Best Of Moby

Moby Go - The Very Best Of Moby

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Mal im Ernst: Hätte irgendjemand, der 1994 den wilden Moby-Clip "Feeling So Real" im Musikfernsehen sah, gedacht, dass der Typ mal zu einer der Schlüsselfiguren der internationalen Pop-Szene werden würde? Sicher nicht. Moby war damals einer, den man in die Techno-Ecke steckte. Und die war in der Populärmusik noch nicht so wirklich angekommen. Doch der kleine Mann mit der Glatze hat in den letzten zwölf Jahren die Rave Nation, für die er ohnehin immer zu sehr Punk war, verlassen und einen bemerkenswerten Weg zurückgelegt. "The Very Best Of Moby" ist eine Werkschau, die diesen Weg nicht chronologisch, aber doch anschaulich dokumentiert.

"Why Does My Heart Feel So Bad" war der Song, der Moby 1999 in das öffentliche Bewusstsein katapultierte. Sechseinhalb Minuten lang sang sich der New Yorker, der mit bürgerlichem Namen Richard Melville Hall heißt, in die Herzen der Musikfans - nicht zuletzt mit Hilfe einer großäugigen und dem Titel entsprechen traurig wirkenden Comicfigur und ihrem kleinen Hund. Die Musik: Anders als das, was Moby vorher machte. Da hörte man viel mehr Pop heraus, aber auch eine ordentliche Portion Gospel. Moby hatte eine Seele bekommen - und im Übrigen auch so etwas wie ein eine Sprachrohrfunktion: Moby äußerte sich fortan zu relevanten Themen der Gesellschaft und Politik und scheute dabei nicht die Kontroverse. Die daraus verbundene Omipräsenz nervte übrigens vor ein paar Jahren Skandal-Rapper Eminem so sehr, dass er Moby kurzum Prügel androhte.

Keine Angst. Diese schlechten Vibrationen prallten an Moby ab, ohne größere Spuren zu hinterlassen. Das zeigen die übrigen Tracks eindrucksvoll. Moby verschmilzt alle Stile modernern Musik, legt sie über ein Beat-Gerüst und schafft so Songs, die immer nah am Soundtrack liegen und oft auch dafür Verwendung fanden. Schon in "Go" spielte er mit Zitaten aus der TV-Serie "Twin Peaks", und eines der spannendsten Stücke dieser CD ist sicher seine Neu-Interpretation des "James Bond Theme", in der er das so klassische Thema mit dicken Beats Richtung Neuzeit schiebt, ohne dabei allzu viel an der Dramaturgie des Songs zu verändern.

Auch der neue Song "New York, New York" würde gut in einen Film passen. Für die hedonistische Disko-Hymne holte Moby sich niemand Geringeren als Debbie Harry an Bord, Sängerin der New-Wave-Ikonen Blondie. Klar, innovativ ist der Song nicht - aber tanzbar, mitskandierbar und für Moby erstaunlich flott. Wenn das die Richtung ist, in die Moby auf seinem nächsten Studioalbum geht, kann man sich schon mal freuen. Bis dahin muss man sich mit dieser CD zufrieden geben, an der es eigentlich nur eine Sache zu bemängeln gibt: Das 1996 eingespielte Album "Animal Rights" mit seiner großartigen Mission-Of-Burma-Coverversion "That's When I Reach For My Revolver" wurde komplett außen vor gelassen. Über die Gründe kann man nur spekulieren - vielleicht hätten die Songs mit ihren rauen Gitarren die Geschlossenheit gestört, vielleicht mag Moby sie einfach nicht mehr so.

Jochen Overbeck


Datum: 09.11.2006

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