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Harald Schmidt

Der Narr und seine Freiheit

Moderator Harald Schmidt

(tsch) Es geht zurück in die Heimat. Nach Stuttgart. Das war einer der Gründe, die für Harald Schmidt ausschlaggebend waren, in diesem Jahr die Moderation der Bambi-Verleihung zu übernehmen. Am Donnerstag, 30.11., 20.15 Uhr, führt er nun gemeinsam mit dem Supermodel Eva Padberg durch den glamourösen Showabend, der diesmal vom MDR live aus dem Museum der neuen Mercedes Benz Welt in Stuttgart übertragen wird. Zwischen Nobelkarossen und Oldtimern sprach Harald Schmidt im Interview über Medienpreise, mögliche andere Late-Night-Moderatoren und nicht zuletzt auch über seine persönliche Zukunft in der ARD, die er eng mit der "seines" Programmdirektors verknüpft.

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teleschau: Herr Schmidt, Sie haben den Bambi zweimal erhalten: 1993 und 1997. Seither nicht mehr. Macht Ihnen das Sorge?

Harald Schmidt: Nein. Früher bekam ich ihn, heute muss ich ihn moderieren. Aber ich mache mir da keine Gedanken. Ich bewege mich ja langsam auf den Bereich zu, in dem man ihn für das Lebenswerk bekommt.

teleschau: Die Mitteilung, dass Sie die Moderation übernehmen, kam schon überraschend. Man hätte annehmen können, Sie hätten mit glamourösen Abendshows und den Showtreppen abgeschlossen.

Schmidt: Nun, hier stimmt eben alles: der Preis, die Stadt, die Location. Stuttgart bedeutet auch für mich persönlich eine Reise weit zurück zu meinen Anfängen. Schon die Bahnfahrt: Nürtingen - Stuttgart, aussteigen in Bad Cannstatt ...

teleschau: Ihre Schauspielschule war ganz hier in der Nähe.

Schmidt: Luftlinie einen Kilometer.

teleschau: Wie hat sich Stuttgart aus Ihrer Sicht verändert in den letzten Jahren?

Schmidt: Die Stadt ist sich treu geblieben, aber sie hat auch aufgeholt. Stuttgart ist, das meine ich ernst, schwer im Kommen. Lange hatte man ja hier schon aufgrund des Dialekts eine Art Minderwertigkeitskomplex. Der aber natürlich gar nicht nötig wäre.

teleschau: Unter den Gästen des Abends wird Sylvia, Königin von Schweden, sein. Ist das Ihre erste Begegnung mit einer Königin?

Schmidt: Ja.

teleschau: Und Sie wissen, was zu tun ist?

Schmidt: Nun, es gibt ja Berater in dieser Hinsicht. Aber meiner Erfahrung nach sind Menschen aus dieser Kategorie ohnehin die einfachsten überhaupt. Zickig sind die Halbprominenten aus den Vorabendserien. Glauben Sie mir: Ich treffe lieber 50-mal eine Queen am Abend als einmal eine Susi aus irgendeiner "Verbotenen Uschi".

teleschau: Sie übernehmen immer wieder Aufträge jenseits Ihrer eigenen Show. Ihr Programmdirektor, Dr. Günter Struve, erzählte neulich, wie gewöhnlich ein Engagement Ihrerseits aussieht. Er habe Ihre Nummer immer dabei. Dann ruft er an, Sie melden sich mit "Sie schon wieder?!", er schlägt etwas vor, und Sie machen das dann ...

Schmidt: "Sie schon wieder" würde ich natürlich nie sagen. Ich bin da devot.

teleschau: Sondern?

Schmidt: Ich melde mich mit "Hallo, Herr Dr. S." Aber es stimmt schon, ich mache das meiste, was er mir vorschlägt. Ich glaube, dieses Söldnerbewusstsein schätzt er an mir. Ich lebe da nach der guten, alten Tradition: Wessen Brot ich ess', dessen Lied ich sing'. Nehmen Sie zum Beispiel diese Veranstaltungen mit Werbekunden, das müsste ich nicht tun. Aber es ist für mich eine Selbstverständlichkeit.

teleschau: Dr. Struve erklärt so auch Ihre Gage. Und sie selbst erklären Sie mit dem Hinweis auf die notwendige Entschädigung für Ihre Popularität und deren persönliche Folgen. Gerade war es zu sehen, das Publikum geht doch sehr hemmungslos auf Sie zu. Sind Sie immer so freundlich im Umgang mit den Menschen?

Schmidt: Natürlich nicht. Aber ich wusste doch: Hier werde ich beobachtet. Da bin ich ganz Profi.

teleschau: Es sah glaubwürdig aus ...

Schmidt: Das ist Showbusiness. Aber bedenken Sie: Ich bin heute von Wiesbaden mit dem Zug hierher gefahren. Umsteigen in Mannheim, dann quer durch den Stuttgarter Hauptbahnhof. Da gab es bereits reichlich Kontakt zu Wochenendreisenden.

teleschau: Ohne längere Gespräche ...

Schmidt: Ich geh da möglichst zügig durch.

teleschau: Dr. Günter Struve gibt an, Harald Schmidt gerade deshalb im Ersten zu brauchen, weil er ein Zuschauersegment holt, das der Sender ansonsten mit seinem Programm nicht erreicht. Der Umkehrschluss wäre: Sie passen nicht zum Sender.

Schmidt: Das finde ich nicht. Ich sehe mich als hundertprozentig öffentlich-rechtlichen Typ. Das war übrigens schon bei SAT.1 nicht anders. Ich bin jemand, der sich problemlos in ein System einfügt. Die Frage nach der Zuschauerstruktur stellt sich für mich ohnehin nicht. Mir ist jeder recht. Aber Sie sehen: Mit Dr. Struve komme ich sehr gut aus. Daher habe ich ihm auch gesagt, dass mein Vertrag nur so lange von mir verlängert wird, wie er ARD-Programmdirektor ist.

teleschau: Das erinnert an Ihre letzte Zeit bei SAT.1, als ebenfalls auf dem Chefposten ein Wechsel anstand, der Ihre Zukunft beeinflusste. Ist die Situation vergleichbar?

Schmidt: Nun, nicht unbedingt. Aber ich schaue dann eben neu.

teleschau: Sie führen derzeit durch etwa 60 Ihrer Sendungen im Jahr. Ist das eigentlich noch eine klassische Late-Night?

Schmidt: Was fehlt ihnen denn?

teleschau: Eine Viertelstunde Sendezeit pro Tag und drei Sendetage pro Woche mehr.

Schmidt: Über die Viertelstunde ließe sich reden. Aber mehr Tage als bisher will ich nicht mehr. Das wäre mir zu viel. Vergessen Sie nicht, ich habe das Format etabliert. Es gab zunächst ja wirklich über zwei, drei Jahre Gegenwind für mich. Und nach meiner Zeit bei SAT.1 wollte ich wirklich endgültig aufhören. Dann merkte ich, dass das mir doch zu öde gewesen wäre. Aber fünfmal pro Woche? Nein, das tue ich mir nicht mehr an. Das hat sich irgendwann auch Johnny Carson nicht mehr angetan.

teleschau: Keine Chance also mehr für eine tägliche Late-Night?

Schmidt: Ich hätte nichts dagegen, wenn es noch einen Moderator gäbe, der sich das mit mir teilt.

teleschau: Sehen Sie jemanden, der als Late-Night-Moderator geeignet wäre?

Schmidt: Nun, vielleicht ist er derzeit noch ein bisschen zu jung. Aber Oliver Pocher könnte das wohl schon.

teleschau: Worauf kommt es dabei an?

Schmidt: Darauf, ob jemand den notwendigen bösen Blick hat. Und er muss in der Lage sein, Dinge verknappt auf den Punkt zu bringen. Natürlich wird auch für mich Material geschrieben, aber jeder Text muss eben durch mich durch.

teleschau: Sie haben sich entschieden, noch einmal die Moderation der Rateshow "Pssst", die es bereits von 1990 bis 1995 gab, zu übernehmen.

Schmidt: Wir werden zwölf Folgen senden, die im Februar starten, jeweils eine halbe Stunde am Vorabend.

teleschau: Warum dieses Revival?

Schmidt: Wir spielten "Pssst" in meiner Show einmal so zum Spaß. Es war wie Fahrradfahren, das verlernt man nicht. Und die ARD zeigte sich interessiert. Vielleicht ist die Zeit ja reif für ein Quiz, bei dem es nichts zu gewinnen gibt ...

teleschau: Im August des kommenden Jahres werden Sie 50 Jahre alt. Welche Narrenfreiheit wollen Sie sich noch nehmen, wenn Sie einmal alt sind.

Schmidt: Keine, das brauche ich nicht mehr. Ich hatte sie alle und habe sie noch.

teleschau: Haben Sie nicht einmal mehr irgendwelche Wünsche, die Ihnen das Fernsehen erfüllen soll?

Schmidt: Eigentlich nicht. Ich bin zufrieden. Vielleicht mag man mich deshalb auch bei der ARD. Sehen Sie, ich bin wahrscheinlich der stressfreieste Moderator des deutschen Fernsehens. Ich rufe nie jemanden an. Ich will nie etwas. Ich will nicht noch eine Show. Ich will nicht journalistisch arbeiten. Und ich will kein Endspiel moderieren. Andere wollen große Abendshows oder lange Verträge. Ich nicht ...

teleschau: Aber ein Leben ohne das Fernsehen können Sie sich nicht vorstellen.

Schmidt: Wohl nicht, ich habe es ja versucht.

Kai-Oliver Derks


Harald Schmidt erhielt den Bambi selbst zweimal, nun moderiert er am Donnerstag, 30. November, die Verleihung des begehrten Preises in Stuttgart.
Harald Schmidt erhielt den Bambi selbst zweimal, nun moderiert er am Donnerstag, 30. November, die Verleihung des begehrten Preises in Stuttgart. (ARD / Klaus Görgen)

Freut sich auf seine Heimat Stuttgart und den Bambi: Harald Schmidt.
Freut sich auf seine Heimat Stuttgart und den Bambi: Harald Schmidt. (Hubert Burda Media / MDR)

Harald Schmidt moderiert in Stuttgart die Bambi-Verleihung.
Harald Schmidt moderiert in Stuttgart die Bambi-Verleihung. (Hubert Burda Media)

Datum: 11.11.2006

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