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Til Schweiger
Zukunft mit viel HumorSchauspieler Til Schweiger (tsch) Er war unser Mann in Hollywood. Nach seiner Rückkehr überraschte Til Schweiger die Nation dann mit dem romantischen Roadmovie "Barfuss". Neben weiteren Einsätzen im ernsten Fach - ab Ende Januar ist er in "One Way" vom Schweizer Regisseur Reto Salimbeni im Kino zu sehen - nimmt er mit Begeisterung komische Rollen an. In der abgedrehten Komödie "Wo ist Fred?" (Start: 16.11.) setzt er sich in den Rollstuhl, um sich als "Behinderter" eine Trophäe für den nervigen Sohn seiner Geliebten zu erschleichen. Im Interview verrät er unter anderem einen großen Traum: die Fortsetzung von "Manta, Manta". Anzeige
teleschau: "Wo ist Fred?" hat ein gewagtes Comedy-Konzept. Ihre Figur gibt vor, geh- und sprachbehindert zu sein, um sich beim Sohn seiner Angebeteten beliebt zu machen. Hatten Sie Bedenken, das zu spielen? Til Schweiger: Ich war da überhaupt nicht skeptisch. Ich kenne das Drehbuch seit fast sieben Jahren. Ursprünglich wurde es für Jim Carrey entwickelt. Doch der Filmkonzern MGM hat wegen der political correctness kalte Füße bekommen. Ich war aber der Meinung, wir sollten alles tun, um das Projekt nach Deutschland zu holen. Hier sind wir im Umgang mit dem vermeintlichen Tabuthema weiter. Schon beim Lesen des Buches merkt man, dass die Witze nicht auf Kosten der Behinderten gemacht werden. teleschau: Also gibt es keine Befürchtungen, dass der Film wegen des Tabuthemas mies gemacht wird? Schweiger: Ich habe Regisseur Anno Saul vorgewarnt, dass es die eine oder andere Stimme geben wird, die genau das dem Film vorhalten wird. Ein Vorwurf, der meiner Meinung nach absurd ist. Und wer so etwas hinein interpretiert, ist selbst der Verdächtige - jemand, der sich Behinderten gegenüber nicht normal verhalten würde. teleschau: Dennoch ahmen Sie die Laute von Sprachbehinderten nach, was als Nachäffen verstanden werden könnte. Schweiger: Fred ist ein einfacher Geist. Eigentlich war nur geplant, dass er vorgibt, nicht laufen zu können, um so sein Ziel zu erreichen. Doch sein Freund Alex behauptet dann plötzlich, dass er auch nicht sprechen kann. Bevor Fred etwas dagegen tun kann, ist er auf die Rolle festgenagelt. Und die spielt er sehr schlecht. Die anderen Behinderten erkennen das sofort und machen ihn nach. teleschau: Es waren auch Menschen mit Handicap beim Dreh dabei ... Schweiger: Sie hatten einen riesigen Spaß. Ich weiß aus meinen Begegnungen mit Behinderten, dass sie wie alle anderen auch behandelt werden wollen. teleschau: Können Sie sich jetzt vorstellen, wie es ist, im Rollstuhl zu sitzen? Schweiger: Mir ist beim Sport mal die Achillessehne gerissen. Danach musste ich viereinhalb Monate mit Krücken gehen. Da bekommt man eine vage Vorstellung. Ich konnte noch nicht einmal mehr einen Kaffee in die Küche tragen oder in die Badewanne steigen. Das ist natürlich nichts im Vergleich zu einer Querschnittslähmung. Die Konfrontation mit Menschen, die nicht laufen können, erinnert daran, wie gut es einem selbst geht und dass das nicht selbstverständlich ist. Zumal schnell etwas passiert ist: Beim Dreh zu "Barfuss" bin ich vom Pferd gestürzt, war ohnmächtig und bin erst wieder in der Intensivstation aufgewacht. Ich habe Glück gehabt. teleschau: Trauen Sie den Deutschen genug Humor für eine in Deutschland gedrehte Komödie mit amerikanischem Witz zu? Schweiger: Ich traue den Deutschen viel Humor zu. Es gibt bei uns aber nicht so viele Leute, die etwas wie "Wo ist Fred?" schreiben können. Die Amerikaner haben viel mehr Erfahrung mit Humor. Eine gute Folge von "King of Queens" besitzt eine Gagdichte, die würde in Deutschland für einen ganzen Kinofilm reichen. teleschau: Wurde bei "Wo ist Fred?" etwas eingedeutscht? Schweiger: Im Original wird Football statt Basketball gespielt. Und die Ansprache am Ende im Stadion an die Zuschauer, in der Fred sich offenbart, war dreimal so lang und fünfmal so triefend. Er erzählte da, was Behinderte wirklich wollen und was er gelernt hat. Typisch amerikanisch - das haben wir entschärft. teleschau: Apropos Amerika - was macht Hollywood? Schweiger: Ich bin zurückgekommen, würde aber gerne wieder mal in Hollywood arbeiten. Aber nicht mehr für etwas wie "King Arthur". Dafür musste ich mich sechs Monate festnageln lassen und konnte nichts anderes mehr machen. Da ist man wie ein Leibeigener. Ich durfte in den Pausen nur nach Deutschland fliegen, aber nicht nach Los Angeles. Die haben gesagt, wenn sich der Drehplan ändert, können wir dich sofort wieder nach London bringen. teleschau: Gibt es Rollen, die Sie nie spielen würden? Schweiger: Nazis, da habe ich schon viele Angebote abgelehnt, Kinderschänder und Vergewaltiger. teleschau: Vergewaltiger auch nicht auf dem künstlerischen Niveau wie Jürgen Vogel in "Der Freie Wille"? Schweiger: Niemals. Ich habe schon oft zu Jürgen gesagt, dass ich absolut Respekt vor dem habe, was er da tut. Er ist mein Lieblingsschauspieler in Deutschland und ein toller Freund. Aber das würde ich nicht machen. Es ist deshalb nicht schlecht, aber ich will nichts damit zu tun haben. teleschau: Also doch lieber der Mann für die Komödien ... Schweiger: Komödien machen Spaß, sogar mehr als Action. Action ist in der Herstellung eher langweilig, weil viel Zeit für Stunts und Effekte benötigt wird. Komödien sind auch zum Anschauen schöner. Da schleiche ich mich ins Kino, und 600 Zuschauer lachen gemeinsam wie auf Knopfdruck. Da ist so eine Energie, das macht glücklich. Zu sehen, dass ein Gag zündet, ist ein schönes Feedback. teleschau: Als Komödienheld muss man aber auch über sich selbst lachen können. Schweiger: Das kann ich, das habe ich schon bei meinem ersten Film "Manta, Manta" bewiesen. Die blödesten Witze habe ich mir selbst reingeschrieben. Aber ich habe da noch nicht gewusst, wie intellektuell manche Kollegen über ihre Rollen reden und den Beruf verklären. Bei mir haben die Leute wahrscheinlich gedacht, der ist so. teleschau: Könnten Sie sich vorstellen, noch mal Opelfahrer Bertie zu spielen? Schweiger: Ich sage immer zu Bernd Eichinger, lass uns "Manta, Manta 2" machen! Alle würden noch einmal mitspielen, vorneweg ich! Das ist wie eine Lizenz zum Gelddrucken. Die Geschichte hätte ich auch schon: 15 Jahre später, die Mantas stehen unter Spinnweben in der Scheune, und alle Freunde kommen noch einmal zusammen, um eine große Aufgabe zu lösen. Diemuth Schmidt |
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