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The Killers

Mr. Flowers und sein Bodyguard

Band The Killers

(tsch) Was machen The Killers eigentlich an einem freien Tour-Tag in München? "Wir waren im Kino und sahen 'Borat'!" Die Band fand ihn "just unreal". Aber natürlich hat sie auch das berühmte Glockenspiel betrachtet - "Wir haben alles gesehen." Nun steuern Frontman Brandon Flowers und Drummer Ronnie Vannucci etwas orientierungslos durch den Backstage-Bereich der Münchner Tonhalle. Es ist nur eine weitere der unzähligen Stationen ihrer Tournee über die Kontinente, bei der sie ihr Album "Sam's Town" präsentieren. Später werden die Killers hier zeigen, wie gut die neuen Songs live funktionieren, und Flowers wird über die Bühne fegen, als hätte er sich bei Freddy Mercury und Captain Jack Sparrow so einiges abgeschaut. Es ist ganz klar seine Show. Ganz anders im Interview. Da überlässt er das Wort lieber seinem Schlagzeuger - was auch für sich spricht.

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"Als ich Brandon zum ersten Mal singen sah, war es sehr offensichtlich, wie verletzlich er ist. Und es kümmerte ihn nicht, dass man das sehen konnte. Viele Frontmänner legen eine so dichte Show hin, durch die man nicht hindurchschauen kann - nicht so bei Brandon." Dieser Satz rückt auch Ronnie in anderes Licht: Er übersetzt, vollendet gleichsam Brandons teils kryptischen Sätze und wirkt mit seinem stattlichen Schnauzer fast ein bisschen wie der Bodyguard seines sensiblen Sängers und Keyboarders.

Die beiden sind diejenigen in der Band aus Las Vegas, die dort tatsächlich aufwuchsen. Nun sind die Heimatverbundenen für eine ziemlich lange Zeit weg von zu Hause: Bis März touren die Killers durch Europa, Australien, machen einen Abstecher nach Mexiko und Japan. Ronnie springt auf, um zu demonstrieren, wie er seine Frau über die Webcam darüber auf dem Laufenden hält, wie es um ihn herum gerade aussieht. "Und wir nehmen eine Auszeit über Weihnachten. Wir machen jedes Jahr eine Christmas-Party, bei der der beste Weihnachtspullover - mit Rentieren oder ähnlichem drauf - prämiert wird!"

In den Texten zum neuen Album ist viel von Heimat und traditionellen Werten die Rede. Der Name "Sam's Town" ist einem Casino am Eingang von Las Vegas entliehen. "Sam's Town bedeutet für jeden etwas anderes", so Brandon. Ronnie erzählt weiter: "Nachdem die Platte fertig war, hatten wir jedesmal wenn wir sie hörten das Gefühl, dass es uns an einen gewissen Ort bringt. Den wollten wir benennen. Also wählten wir etwas, das wirklich offensichtlich ist für uns - und vielleicht nicht so sehr für andere. Aber: Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters." Es ist ein Album über das, was die Killers kennen, erklärt Brandon: "Ich wollte nicht fantasieren - ich wollte darüber schreiben, wo ich herkomme. Denn ich bin sehr stolz darauf - und besonders, wenn jemand sich mir gegenüber mies verhält, wegen meines Akzents." Denn die Heimat der Killers ist auch Amerika. Dass die USA derzeit überall in der Welt vor allem Buhrufe ernten, will sich Brandon nicht gefallen lassen und beschwerte sich jüngst über Green Days "American Idiot": "Wir leben dort! Und wir sind genauso normal wie alle anderen. Wir haben Mütter, Väter, Jobs, Hobbies ...". "Wir wollten auch mal wieder Songs darüber machen, was gut ist", sagt Ronnie. "Es ist gerade Mode, peinlich genau auf die politischen Belange und den Krieg aufmerksam zu machen. Aber es gibt so viele andere Dinge, über die man Songs schreiben kann."

Mit dem Ergebnis dieser Arbeit am Album sind nicht nur die Namen der Killers - neben Brandon und Ronnie Mitbegründer und Gitarrist Dave Keuning und Mark Stoermer am Bass - verbunden, sondern auch die eines legendären Produzenten-Duos. Für "Sam's Town" vereinten die vier erstmals seit dem Smashing-Pumpkins-Album "Mellon Collie And The Infinite Sadness" 1995 wieder Flood und Alan Moulder (der auch das Killers-Debüt produzierte). "Wir fragten sie einfach", sagt Brandon. "Wir hatten das Gefühl, sie mussten wieder zusammenkommen. Es war an der Zeit. Die Welt hat das gebraucht." Was bedeutete das für die Killers als Band? "Diese beiden haben so große Leute produziert, seit über 20 Jahren. Sie müssten das nicht mehr machen. Aber sie wollten es gerne. Das Beste an diesen Typen ist: Sie können den Prozess für großartige Musik filtern. Für uns war der wichtigste Test: Bewegt es sie oder nicht?" Songs, die Ronnie im Moment selbst am meisten bewegen, sind "Sam's Town" - "weil es Biss hat" - und "Why Do I Keep Counting?" Es zeige viel von Brandos so geschätzter Verletzlichkeit: "Es lässt sehr viel Innenschau zu - und es ist ein sehr erwachsenes Stück. Vielleicht eine Vision von dem, was noch kommt."

Die nächste Single nach "When You Were Young", die die Killers auch als Preisträger in der Kategorie "Best Rock" vor Kurzem bei den MTV Europe Music Awards in Kopenhagen spielten, wird "Bones" sein. "'Es ist cool," findet Ronnie. "Ungewöhnlich, lustig, dunkel - es hat all diese Elemente, die scheinbar überhaupt nicht zusammen passen, dann aber doch wunderbar gemeinsam funktionieren." Wer wäre da also besser geeignet gewesen als Tim Burton, das Video zu diesem Song zu drehen - seinen ersten Musik-Clip? Welchen weiteren Helden ihrer Jugend die Band wieder anheuerte, wird deutlich, sobald man das Booklet aufschlägt: Anton Corbijn hat die Fotos geschossen. "Das war überhaupt der meiste Spaß", sind sich die beiden einig. "Immer, wenn wir mit Anton herumhingen, oder mit Tim, und Ideen umsetzten." Ronnie war schon als 13-Jähriger Corbijn-Fan: "Das sind Leute, die einen formen." Und Brandon resümiert: "Es war toll, in einer Position zu sein, in der solche Künstler auch uns kennen - und wiederum Fans von uns sind. Mit diesen Menschen nun auf dieser Ebene zusammenarbeiten zu können, das ist eines der Highlights."

Petra Fürst


The Killers touren noch bis März mit ihrem neuen Album "Sam's Town" durch die Welt.
The Killers touren noch bis März mit ihrem neuen Album "Sam's Town" durch die Welt. (Universal)

Was machen The Killers an einem freien Tag in München? Sightseeing und ins Kino gehen.
Was machen The Killers an einem freien Tag in München? Sightseeing und ins Kino gehen. (Universal)

"Ich bin sehr stolz darauf, wo ich herkomme. Besonders, wenn sich jemand mir gegenüber mies verhält wegen meines Akzents." (Brandon Flowers)
"Ich bin sehr stolz darauf, wo ich herkomme. Besonders, wenn sich jemand mir gegenüber mies verhält wegen meines Akzents." (Brandon Flowers) (Universal)

Datum: 11.11.2006

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