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Rainhard Fendrich - So ein Theater

Rainhard Fendrich So ein Theater

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Es zeugt schon von einer beachtlichen Fähigkeit zur Selbstironie, wenn Rainhard Fendrich sein aktuelles Album "So ein Theater" nennt. Wahrlich, Theater hat es genug gegeben rund um den Österreicher, der ein ums andere mal in diesem Jahr in die Schlagzeilen geriet, sich mitunter aber auch selbst hineinmanövrierte. Dass er ausgerechnet jetzt eine Best-of-CD mit seinen schönsten Balladen und Liebesliedern veröffentlicht, mag auf den ersten Blick verständlich sein. Zeit für Fendrich, den Sensiblen. Und Weihnachten steht ja auch vor der Tür. Dennoch: Es ist mit Fendrich wie mit all den anderen, die jemals in ihrer Karriere Liebeslieder schrieben ...

Es ist ein Vergleich, der auf den ersten Blick nicht wirklich passt, der aber hier mal angestellt werden kann. Rio Reiser - kein deutschsprachiger Sänger hat im Verlauf seiner Karriere schönere Liebeslieder gesungen. Dass Rio Reiser homosexuell war, dass vieles unter Drogen geschah, das wurde während seiner Laufbahn nur selten öffentlich thematisiert, sodass all seine Songs ohne jeden Beigeschmack auf den Markt kamen. Ob "Junimond" oder "Für immer und dich" - jeder durfte in der Liedern nur sich selbst wieder finden. Texte nur fürs Publikum.

Diese Fähigkeit hatte Rainhard Fendrich ohne Zweifel auch. Balladen wie "Tränen trocknen schnell", "Wart bis heimlich wird und stü" oder "Manchmal denk i no an di" sind wunderbare Liebes- oder besser Liebes-Ende-Verarbeitungssongs, die sich jeder zu Gemüte führen konnte, wenn es an der Zeit schien. Doch nach all den privaten Wirren, nach dem immensen Maß an Öffentlichkeit, hört man diesen Texte eben anders zu. Sieht nurmehr den Mann, der private Zwistigkeiten ebenso zum Thema werden ließ wie Drogenprobleme, alles ausgetragen in Deutschlands größer Boulevardzeitung. Aus Fendrich ist ein anderer geworden, er ist kein anonymer Künstler mehr.

Klar macht das aus guten Songs nicht plötzlich schlechte. Zumal die CD ja nicht nur Liebeslieder enthält, sondern eine Reihe anderer emotionaler Stücke wie die gesellschaftskritischen "Tote Dichter" und "Kinder des Krieges", wie die sicher grandiose Österreich-Hymne "I Am From Austria" oder auch die gelungene neue Single "Nimm mir einfach nur die Angst", die Fendrich gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Ina Nadine Wagner einspielte - neben dem bissigen "Kinder des Krieges" der einzige neue Song auf dieser CD. Dennoch: Fendrich ist eben nicht mehr Fendrich, oder er ist der echte Fendrich geworden - wer weiß das schon. Nur dem Vorschlag der Plattenfirma "Augen schließen, zurücklehnen, Licht dimmen, Kerzen anzünden und lauschen", dem folgt man eben nicht mehr so vorbehaltlos wie früher. Vielleicht hätte er noch eine Weile warten sollen bis zur nächsten CD ... bis es wieder hamlich geworden ist. Und stü.

Tourdaten:

12.11. Weilheim, Stadthalle

13.11. Gersthofen, Stadthalle

14.11. Regensburg, Audimax

15.11. Weiden, Max-Reger-Halle

17.11. Kufstein, Stadthalle

18.11. Feldkirchen, Stadtsaal

19.11. Linz, Landestheater

25.11. Reutte, Ehrenberg

26.11. Offenbach, Stadthalle

27.11. Aschaffenburg, Stadthalle

28.11. Rosenheim, Stadthalle

01.12. Ergolding/Landshut, Bürgersaal

02.12. Bischofshofen, Wielandernhalle

03.12. Deggendorf, Stadthalle

05.12. Marktoberdorf, Modeon

06.12. Mosbach, Alte Mälzerei

07.12. Ingolstadt, Festsaal

08.12. Karlsruhe, Konzerthaus

10.12. Berlin, Wühlmäuse

11.12. Würzburg, CCW VSB

12.12. Leipzig, Haus Auensee

13.12. Wunsiedel, Fichtelgebirgshalle

14.12. München, Circus Krone

Tom Ruder


Datum: 14.11.2006

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