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Das Leben der Anderen

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Es hat einige Zeit und viele ostalgisch verklärte Rückblicke lang gedauert, bis sich deutsche Filmemacher ernsthaft und differenziert mit der real existierenden Vergangenheit der DDR beschäftigten. Nach Dominik Graf ("Der Rote Kakadu", 2005) beendete im Frühjahr auch Florian Henckel von Donnersmarck mit seinem großartigen Spielfilmdebüt "Das Leben der Anderen" (2005) die Schwarz-Weiß-Malerei und wurde dafür mit sieben deutschen Filmpreisen ausgezeichnet. Viel wichtiger allerdings war, dass sich mehr als 1,6 Millionen Zuschauer den -jetzt auch auf DVD erhältlichen - Film im Kino ansahen.

Der in Köln geborene Regisseur lässt die Menschen Menschen sein. Und davon gibt es nun einmal gute und schlechte. Es gibt Künstler, Spitzel, Arbeiter, Nichtsnutze, Bonzen, Karrieristen und Menschen, die sich Fragen stellen. Manchmal sehr spät, aber sie stellen sie und erkennen, dass Veränderungen nicht immer Bedrohungen sind. Sie sind das größte Pfund, mit dem Henckel von Donnersmarck wuchern kann. Er entlarvt das System, ohne die Menschen darin für seine Botschaft zu instrumentalisieren.

Der Film ist vor allem das Drama eines kleinen Mannes, der in einem System groß geworden ist und nicht anders kann, als daran zu glauben. Die Überwachung des Einzelnen kann hier total sein und heißt dann Operativer Vorgang, im verstümmelten Stasisprech OV. Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler (Ulrich Mühe) ist eigentlich kaum noch im operativen Geschäft tätig. Der Ausbilder und Verhörspezialist ist trotzdem immer im Dienst, ein Stasi-Mann, der seinen Beruf liebt, der daran glaubt, den eine innere Überzeugung treibt. Und er ist eine perfekte Maschine - kalt, berechnend, emotionslos. Für ihn zählt das Ergebnis.

Wiesler ist dabei als Mensch integer, auch wenn genau das bei einem Stasi-Mitarbeiter schwer zu glauben ist. Seine Intelligenz und Überzeugung machen ihn zu einem guten Mitarbeiter, während sein Studienfreund und Vorgesetzter Anton Grubitz (Ulrich Tukur) ein karrieregeiler Dummkopf ist. Diese Art Menschen sind wirklich gefährlich, vor allem wenn sie nach oben buckeln: Weil ein Minister auf die Schauspielerin Christa-Maria Sieland (Martina Gedeck) scharf ist, ordnet Grubitz die totale Überwachung ihres Freundes an. Dabei war der Dramatiker Georg Dreyman (Sebastian Koch) bei der SED-Führung bislang beliebt: unkritisch, unpolitisch, mittelmäßig begabt.

Der beste Mann muss ran: verwanzen, Nachbarn einschüchtern, abhören. Das geht alles schnell und professionell und Wiesler sitzt fortan sehr oft unterm Dach des Künstlerhauses, umringt von seinen Apparaturen: einsam auf seinem Abhörposten, interessiert, akribisch. Oben die Dunkelheit, die Technik, die Leere - unten das Leben, die Liebe, die Kunst. Doch Dreyman und Sieland haben nichts zu verbergen. Sie sind unschuldig, und Wiesler erkennt die Fehler des Systems, in dem Menschen nicht als Individuen zählen, sondern als generelle Bedrohung der Macht gelten oder persönlichen Interessen im Weg stehen. Seine Akribie weicht nach und nach einem Interesse am Leben der Anderen. Wiesler nimmt daran Teil und entdeckt seine Emotionen wieder. Er will das Paar beschützen, greift in die fremden Leben ein, fälscht Protokolle und wagt den geheimen Widerstand. Aber nicht nur Gerd Wiesler verändert sich. Auch Dreymann gibt seine unpolitische Haltung auf und bezieht Stellung.

Diese Veränderungen spitzt Florian Henckel von Donnersmarck mit Originalität und dem Mut zu großen Emotionen zu. Der Stasimann als Beschützer des Systemkritikers - das ist nicht nur rührend, sondern sogar glaubhaft. "Das Leben der Anderen" ist keine generelle Abrechnung oder hat den Anspruch, allgemeingültig zu sein. Er beschreibt das System, so wie es war: Menschen verachtend und zerstörerisch. Aber der Film zeigt auch die Menschen, die in diesem System leben. Und das sind gute Menschen und schlechte Menschen. Aber es sind Menschen mit Persönlichkeit, Menschen mit Gewissenskonflikten und der Fähigkeit, sich zu ändern - wie Georg Wiesler. Und das macht den Film zur bisher besten Auseinandersetzung mit der DDR-Geschichte.

Da stört es nicht, dass der nicht gerade mit einem übermäßigen Budget gesegnete Film auch auf der DVD einige technische Schwächen hat. Die oft dunklen Bilder haben leichte Probleme bei den Schwarztönen. Der Sound ist defensiv abgemischt, punktet aber bei der Musik. Der Bonusteil ist mit Making Of und entfallenen Szenen überschaubar. Allerdings gibt es zwei sehr informative Audiokommentare.

Andreas Fischer

bewertungsbox

bildformat 2,35:1 (anamorph)
sprachen Deutsch
untertitel Deutsch
extras Audiokommentare Florian Henckel von Donnersmarck (Regie & Drehbuch), Ulrich Mühe Hauptdarsteller; Entfallene Szenen; Making Of
laufzeit 132 Min.
tonsystem Dolby Digital
regionalcode Regionalcode 2
preis ca. 20 Euro
bewertung bild gut
bewertung ton gut
bewertung extras ausreichend

Credits:
(D 2005, R: Florian Henckel von Donnersmarck, D: Ulrich Mühe, Sebastian Koch, Martina Gedeck u.a.)


In den 80-er Jahren beobachtet ein Stasi-Spitzel "Das Leben der Anderen" und erkennt dabei die Krankheiten des Systems. Eine großartige und differenzierte Auseinandersetzung mit der DDR.
In den 80-er Jahren beobachtet ein Stasi-Spitzel "Das Leben der Anderen" und erkennt dabei die Krankheiten des Systems. Eine großartige und differenzierte Auseinandersetzung mit der DDR. (Buena Vista)

Codename HGW XX/7: Ulrich Mühe glänzt in der Rolle des Stasi-Hauptmannes Gerd Wiesler.
Codename HGW XX/7: Ulrich Mühe glänzt in der Rolle des Stasi-Hauptmannes Gerd Wiesler. (Buena Vista)

Der Autor Georg Dreyman (Sebastian Koch) und die Schauspielerin Christa-Maria Sieland (Martina Gedeck) ahnen nicht, dass sie abgehört werden.
Der Autor Georg Dreyman (Sebastian Koch) und die Schauspielerin Christa-Maria Sieland (Martina Gedeck) ahnen nicht, dass sie abgehört werden. (Buena Vista)

Datum: 11.11.2006

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