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Medieval 2: Total War

Mit Topfhelm und Plattenrock

Nach "Rome: Total War" kehrt Creative Assembly mit "Medieval 2" ins finstere Mittelalter zurück - mit filmreif inszenierten Echtzeitschlachten, prunkvollen Adelshochzeiten und den Ränkespielen abgefeimter Diplomaten ...

(tsch) Hunderte von Rittern in blitzenden Rüstungen auf schwerfälligen Kaltblutrössern, diszipliniert in Reih und Glied. Ihre Gesichter verraten Anspannung und Nervosität - kein Wunder, der Sturm auf die Festung steht unmittelbar bevor. Bogenschützen und Belagerungsmaschinerie haben gute Vorarbeit geleistet. Bald entbrennt ein unerbittlicher Kampf Mann gegen Mann ...

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"Medieval 2: Total War" ist nach dem antiken Vorgänger "Rome" der zweite Abstecher ins Mittelalter, den die Entwickler von Creative Assembly (diesmal mit dem Publisher Sega) unternehmen. Es handelt sich bei dem Spiel jedoch keinesfalls nur um einen "Remix" von "Medieval" aus dem Jahr 2002. "Medieval 2" setzt vielmehr konsequent die Richtung fort, die mit "Rome" eingeschlagen wurde. Basierend auf einer stetig weiterentwickelten Engine präsentiert sich die neue Welt der Ritter, Päpste und Prinzessinnen nicht nur technisch auf der Höhe der Zeit, sondern wurde auch spielerisch noch einmal gehörig aufgebohrt.

"Medieval 2" wechselt ständig zwischen einem rundenbasierten Strategie-Modus und gewaltigen Echtzeitschlachten hin und her. Dem Spieler liegt dabei sozusagen die gesamte mittelalterliche Welt (inklusive Amerika) zu Füßen. Nachdem er sich anfangs für eine von fünf verschiedenen Fraktionen entschieden hat (16 weitere lassen sich freischalten), macht er sich daran, seinen Machtbereich kontinuierlich zu erweitern. Die Planung findet dabei auf der "Risiko"-ähnlichen Weltkarte statt und umfasst weit mehr als nur Eroberungszüge. Die komplette Infrastruktur des Königreichs will hier gemanagt werden, von der Städteentwicklung über Wirtschaft und Handel bis hin zur Errichtung von Militär-Forts an strategisch wichtigen Punkten. Armeen verschanzen sich in Wäldern, Spione erkunden inkognito die Lage in den Nachbarregionen, Priester verkünden das Wort Gottes im Land, und Diplomaten verhandeln mit potenziellen Verbündeten oder fädeln politisch kluge Hochzeiten zwischen den Königsfamilien ein. Nette kleine Videosequenzen künden vom Erfolg oder Misserfolg der Spezialeinheiten.

Ein grober Fehler wäre es, die Zufriedenheit der Bevölkerung außer Acht zu lassen oder dem religiösen Glauben zu wenig Bedeutung beizumessen. Und wenn der Pontifex aus dem fernen Rom einmal zum Kreuzug aufruft, sollte man sich ebenfalls kooperativ zeigen, will man nicht erhebliche Nachteile in Kauf nehmen.

Überhaupt, die Einflüsse von außen: Als Landesfürst und militärischer Oberbefehlshaber einer Nation muss man immer auf alles gefasst sein. Trotz aller Macht bleibt man bis zu einem gewissen Grad der Spielball weltpolitischer Kräfteverhältnisse. Unvermittelt kündigen Verbündete die Allianz auf, werden Feldherren von Attentätern dahingemeuchelt, wendet sich ein neu ins Amt gewählter Papst gegen den Spieler und belegt ihn mit einem Kirchenbann. Im besten Fall verzögert sich ein langfristig geplanter Schachzug nur um ein paar Spieljahre. Im schlimmsten Fall befindet man sich urplötzlich in einem verlustreichen Mehrfrontenkrieg - und hat nicht mal Gott auf seiner Seite ...

Kommt es zum Kampf zwischen zwei Armeen, wechselt das Programm nahtlos in den 3-D-Echtzeit-Schlachtenmodus, der nicht nur spielerisch höchst beeindruckend ist, sondern auch einen Augenschmaus sondergleichen bietet: Feinsäuberlich in Formation stehen sich auf nebligen Feldern riesige Heere gegenüber, streng sortiert nach Waffengattungen. Schlecht ausgerüstete Bauernhorden werden dem Feind entgegengeschickt, um den ersten Pfeilhagel abzufangen, Speerkämpfer beziehen Stellung, um die empfindlichen Bogenschützen vor Reiterangriffen zu schützen, während diese mit Feuerpfeilen die vordersten Reihen des Feindes dezimieren und die Festungen in Brand stecken. Letztere werden mit einem umfangreichen Arsenal an Belagerungsmaschinen vom Rammbock bis hin zu mächtigen Katapulten und schweren Kanonen sturmreif geschossen. Auch hier kommt es vor allem auf gute Planung und weniger auf Tempo an - "Medieval 2" bildet die Taktiken mittelalterlicher Kriegsführung inklusive der Einführung des Schwarzpulvers genau nach.

Feinarbeit: Jeder einzelne Kämpfer hat seine individuellen Züge, man kann stufenlos ganz nah heranzoomen oder auch aus der Ferne das ganze Schlachtfeld überblicken. Die Kamera lässt sich leider nur störrisch drehen und verschieben, um die optimale Sicht aufs Geschehen zu gewährleisten. Das übersichtliche Interface garantiert jedoch, dass man auch im wildesten Kampfgetümmel stets die volle Kontrolle behält.

In beiden Versionen der Kampagne (beim langen Feldzug vergehen locker 100 Stunden, der kurze ist in 15 zu schaffen) erweisen sich die vielen Fraktionen mit ihren unterschiedlichen Einheiten als erstaunlich gut ausbalanciert. Um der enormen Langzeitmotivation noch eins draufzusetzen, warten neun Szenarios, sieben historische Schlachten und ein Multiplayer-Modus für das schnelle Spiel zwischendurch. Damit in Letzterem die Kräfteverhältnisse stimmen, darf der Host Einfluss auf Zahl und Art der verfügbaren Verbände nehmen. Als Grenze gibt der Hersteller 10.000 Krieger an - wir haben nicht nachgezählt ...

"Medieval 2: Total War" verbindet userfreundliches Gameplay mit Spannung und ungeheurem Tiefgang. Intrigieren, taktieren, erobern - für jeden Strategen ist dieser Titel ein Musskauf. Echte Fans greifen ohnehin gleich zur etwas teureren Collector's Edition mit allerlei netten Gimmicks als Dreingaben. Uneingeschränkt empfehlenswert!

Herbert Aichinger




Datum: 30.11.2006

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