(tsch) Obwohl die Geschichte von "Strange Days" (1995) längst von der Gegenwart eingeholt wurde, bietet der Film dennoch eine der spannendsten und intelligentesten Zukunftsvisionen, die das Kino in den letzten Jahren entwickelt hat. kabel eins wiederholt den Sci-Fi-Streifen nun, der so unglaublich nah an der Realität ist.
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Am Ende des Jahrtausends wird mit Träumen gedealt. So zumindest wurde es in Kathryn Bigelows Film prognostiziert. Die Handlung spielt in den beiden letzten Tagen vor dem Jahr 2000. Erlebnisse werden auf Disketten verkauft. Ein spinnenähnliches Gebilde wird auf den Kopf gesetzt und zeichnet all das auf, was der Träger gesehen und empfunden hat. Lenny Nero verkauft Disks an jeden, der sich nach Nervenkitzel oder Sex sehnt. Der spielt sie ab und hat den Kick - garantiert.
Das Gerät wurde freilich noch immer nicht erfunden, und in "Strange Days" dient es lediglich als Katalysator für eine spannende Story. Denn der Rest der gezeigten Welt ist unglaublich nah.
Auf den Straßen von L.A. herrscht Bürgerkrieg. Mitten darin: Lenny Nero, gespielt von Ralph Fiennes, der bis vor kurzem als Lord Voldemort für den fünften "Harry Potter"-Streifen " ... und der Orden des Phoenix" vor der Kamera stand (geplanter Start: Sommer 2007). Desillusioniert geht er seinen Weg als High-Tech-Dealer eben jener Disketten. Eines Tages wird ihm eine zugespielt, mit der er Zeuge eines Mordes an einer Prostituierten wird, die ihn kurz zuvor noch um Hilfe angefleht hatte. Und noch eine zweite "heiße" Diskette kursiert: Sie zeigt die Mörder eines farbigen Rap-Aktivisten: zwei Cops des L.A. Police Departments. Lenny gerät mitten in eine gefährliche Jagd, bei der ihm nur seine gute Freundin Lornette (Angela Bassett) zur Seite steht.
James Cameron ("Titanic") und Jay Cocks schrieben das intelligente Drehbuch zu diesem faszinierenden Zukunftsthriller, den die Regisseurin Kathryn Bigelow ("K-19") in Szene setzte. Mit großer Detailgenauigkeit wurde das Leben der Gegenwart modifiziert, die Uhr nur ein wenig nach vorne gedreht.
"Strange Days" ist eine düstere Parabel über Rassismus, Computer, Gesellschaft und Liebe. Mittendrin: der klassische Underdog Lenny, der seiner Beziehung zur Nachtclub-Sängerin Faith (Juliette Lewis, derzeit vor allem mit ihrer Band Juliette & The Licks erfolgreich) vergeblich nachläuft.
Es ist eine Story zwischen Macht und Grunge, zwischen feistem Glitzer und Disko mit Scheinexekutionen. Die Handlung spielt fast nur bei Nacht, und auch am Ende, an dem die Feier zur Jahrtausendwende steht, kann die Dunkelheit naturgemäß nicht gewichen sein. Doch es regnet Millionen glitzernder Papiere. Hoffnung und Liebe scheinen zu siegen. "Strange Days" - ein Film, der so gut ist, wie das neue Jahrtausend hätte werden sollen.
Nick Petersen
Lenny (Ralph Fiennes) dealt mit Träumen. (kabel eins / 20th Century Fox)
In der virtuellen Realität kann Lenny noch einmal die kurzen Momente des Glücks mit seiner großen Liebe Faith (Juliette Lewis) wieder erleben. (kabel eins / 20th Century Fox)
Von seinen "Freunden" verraten, vertraut Lenny nur noch Mace (Angela Bassett). (kabel eins / 20th Century Fox)
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