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23 - Nichts ist so wie es scheint

23 - Nichts ist so wie es scheint

(tsch) Da wird einer wahnsinnig. Ist es das Kokain, sind es die Verschwörungstheorien? Ist er tatsächlich paranoid oder hat er gar Recht? In verwaschenen, bleichen Bildern zeigt Regisseur Hans-Christian Schmid ("Requiem") die wahre Geschichte von Karl Koch (August Diehl, "Ich bin der Andere"), einem jungen Hannoveraner Hacker, dessen verkohlte Leiche am 23. Mai 1989 in einem Waldstück gefunden wurde. "Alle großen Anarchisten sind an einem 23. gestorben" - sein Credo? Bis zum heutigen Tag bleibt Kochs Tod ein Rätsel. "23 - Nichts ist so wie es scheint" (1998), den ARTE nun im Rahmen des Themenabends "Die Magie der Zahlen" wiederholt, zieht den Zuschauer erschreckend tief in die Welt des jungen Mannes: ein langsames Abgleiten in einen Albtraum.

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Durch einen Zeitungsartikel wurde Hans-Christian Schmid auf Karl Koch aufmerksam. Nach mehrjährigen Recherchen entschloss sich der Regisseur, die Lebensgeschichte des genialen Hackers in einem Spielfilm zu rekonstruieren. Herausgekommen ist ein packendes Drama, das mit August Diehl und Fabian Busch hervorragend besetzt ist. Originalaufnahmen von politischen Ereignissen dieser Zeit sowie ein brillanter Soundtrack - das todtraurige Ton-Steine-Scherben-Cover "Halt Dich an Deiner Liebe fest" von Freundeskreis ist nur ein Highlight - machen aus "23" einen der bewegendsten deutschen Filme des vergangenen Jahrzehnts.

Unmerklich zieht sich der sensible Karl immer weiter in eine irreale Parallelwelt zurück, geprägt von den Romanen des Verschwörungstheoretikers Robert A. Wilson. Er besucht zwar die Demonstrationen in Brokdorf - Anti-Atom-Bewegungen haben Hochkonjunktur, Wasserwerfer ebenso - Karls Leben ist aber größtenteils von seinen Gedanken an den Geheimbund der Illuminaten geprägt. "23" steht dabei für die Ausgeburt des Kapitalismus. Und tatsächlich: Karl sieht die geheimnisvolle Zahl überall, sei es auf Zigarettenpackungen, auf Dollar-Noten oder in den Nachrichten.

Voller Idealismus und anfangs recht unbeschwert hackt sich der Computerfreak mit seinem besten Freund David (Fabian Busch) durch die Datenbanken diverser Industrieunternehmen. Gegen Bezahlung schnüffeln Karl und David später im Auftrag des KGB in westlichen Großrechnern herum. Den psychischen Durck kann Karl irgendwann nur noch durch den Konsum immer größerer Mengen Kokain ertragen. Als sich der Verfassungsschutz an seine Fersen heftet, gerät die Situation schließlich außer Kontrolle. Die Grenze zwischen Realität und Wahn wird immer durchlässiger.

Gerd Hilber



Hannover, 1986: In einer Zeit zunehmender Verunsicherung - Terrorismus, Wackersdorf, Demonstrationen - sucht der engagierte 19-jährige Karl Koch (August Diehl) nach einer Ordnung in der Welt, die sich im Chaos befindet.
Hannover, 1986: In einer Zeit zunehmender Verunsicherung - Terrorismus, Wackersdorf, Demonstrationen - sucht der engagierte 19-jährige Karl Koch (August Diehl) nach einer Ordnung in der Welt, die sich im Chaos befindet. (ARTE)

Seine Obsession einer Verschwörungstheorie und der Existenz weltweit vernetzter Mächte wird immer stärker und für Karl (August Diehl) zu einer zweiten Realität.
Seine Obsession einer Verschwörungstheorie und der Existenz weltweit vernetzter Mächte wird immer stärker und für Karl (August Diehl) zu einer zweiten Realität. (ARTE)

Lupo (Jan Gregor Kemp, Mitte) und Pepe (Dieter Landuris, links) setzen Karl (August Diehl) zunehmend unter Druck.
Lupo (Jan Gregor Kemp, Mitte) und Pepe (Dieter Landuris, links) setzen Karl (August Diehl) zunehmend unter Druck. (ARTE)

Datum: 15.12.2006

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Artikel ID 177572

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