(tsch) Touristen wissen, wohin sie wollen und wann sie wieder zu Hause sind. Reisende dagegen haben kein Ziel - und als solche bezeichnet sich das Ehepaar in Bernardo Bertoluccis Breitwandopus "Himmel über der Wüste" (1990). "Zuhause" ist der Ort, dem sie zu entkommen versuchen. Für Port (John Malkovich) und Kit Moresby (Debra Winger) ist New York mit seiner provokanten Künstlerszene, den öden Partys und nicht zuletzt der Ödnis ihrer Ehe der Fluchtgrund. Sie reisen nach Afrika - in der Hoffnung, wieder zueinander und zu sich selbst zu finden. Aber sie verlieren alles: ihre Liebe, den Verstand - und Port sogar das Leben. 3sat zeigt den Film nun innerhalb einer Bernardo-Bertolucci-Reihe.
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Kaum ein Film der 90-er wurde vor seinem Erscheinen so kritisch erwartet wie "Der Himmel über der Wüste". Würde es Meisterregisseur Bertolucci gelingen, an den immensen künstlerischen und kommerziellen Erfolg von "Der letzte Kaiser" (1988) anzuknüpfen? Würde er es schaffen, einen Schlüsselroman des Existenzialismus - als Drehbuchvorlage diente Paul Bowles "The Sheltering Sky" - glaubhaft umzusetzen, dessen Stoff über weite Strecken nur aus Reflexionen seiner Figuren besteht?
Es gelang ihm - und zwar in gewohnt opulenter Weise. Ausgangspunkt ist New York. 1947 brechen Port und Kit zu ihrer Reise zum "Schwarzen Kontinent" auf. Begleitet werden sie von einem reichen Freund, George Tunner (Campbell Scott), dessen Anwesenheit den eifersüchtigen Port bald stört. Zwischen Begegnungen mit anderen Reisenden, mit Räubern, Schnorrern und Huren, verkomplizieren sich die Beziehungen des Trios - die tiefe Melancholie des Ehepaars lässt sich kaum noch verbergen. Und schließlich erkrankt Port an Typhus.
"Mein Film ist eine Art Selbstbefragung", erklärte Bertolucci sein bildgewaltiges Wüsten-Epos, in dem sich ein filigranes Beziehungsgeflecht vor exotischem Panorama entfaltet. Ursprünglich waren William Hurt und Melanie Griffith für die Hauptrollen vorgesehen, doch ist die Besetzung mit dem sperrigen Malkovich und der spröden Debra Winger einer der Gründe für die Faszination des Films: "Himmel über der Wüste" ist ein überragendes schauspielerisches Psychodrama. Fast zweieinhalb Stunden lang wird der Zuschauer auf eine Reise durch arabische Wüsten und die Täler der menschlichen Seele geführt.
Nächster Film der Bernardo-Bertolucci-Reihe bei 3sat ist am Freitag, 15. Dezember, um 22.20 Uhr, "Der letzte Tango in Paris".
Hans Czerny
Das Ehepaar Port (John Malkovich) und Kit Moresby (Debra Winger) macht auf seiner Afrikareise auch mit neuen Bekannten erotische Erfahrungen. Port lernt eine einheimische Prostituierte kennen. (ZDF / Alessia Bulgari; Kinowelt)
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