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Steven Spielberg

Die Droge im Bauch des Wunderkinds

Regisseur Steven Spielberg

(tsch) Ein Monster machte ihn berühmt. Mit dem Actionthriller "Der weiße Hai" feierte Regisseur Steven Spielberg 1975 im Alter von 27 Jahren seinen ersten Welterfolg. 1981 schrieb er mit "Indiana Jones - Jäger des verlorenen Schatzes" das erste von drei großen Kapiteln Kinogeschichte. Es folgten weitere Publikumsmagneten wie "E.T. - Der Außerirdische" (1982), "Schindlers Liste" (1993) und "Jurassic Park" (1993). Auch als Produzent beweist Spielberg immer wieder Sinn für den Massengeschmack. Zuverlässig liefert der unermüdliche Hollywood-Allrounder Kassenhits. Inzwischen gilt er - mit einem Vermögen von 2,5 Milliarden Dollar - als der reichste und erfolgreichste Regisseur aller Zeiten. Am 18. Dezember wird er 60 Jahre alt.

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Von Spielberg stammt der Satz: "Meine Traumata arbeite ich durch meine Filme ab." Der nächste Produzenten-Erfolg Spielbergs steht bereits vor der Türe. Am 28. Dezember kommt das Kriegsdrama "Flags of Our Fathers" mit Ryan Phillippe in der Hauptrolle ins Kino. Clint Eastwood führte Regie.

Mit elf Jahren drehte Spielberg, der vom Vater, einem Ingenieur, schon früh eine Kamera geschenkt bekam, bereits 8-mm-Amateurfilme. Der Vater, ein Kriegsveteran, ermöglichte es ihm, unter anderem mit ausrangierten Militärflugzeugen zu drehen. Mit 13 gewann Spielberg mit dem 40-minütigen Kriegsfilm "Escape to nowhere" einen Filmwettbewerb, 1963 folgte sein Amateurfilm "Firelight", immerhin 140 Minuten lang. Spielberg bewarb sich zweimal an der University of Southern California für ein Filmstudium, ehe er schließlich an der California State University angenommen wurde. 1969 wurde sein 35-mm-Kurzfilm "Amblin'", auf dem Atlanta-Filmfestival vorgeführt, zur Eintrittskarte für Hollywood. Der erst 22-Jährige erhielt einen Siebenjahresvertrag in der Fernsehabteilung von Universal Pictures. Zunächst drehte er dort eine Episode für "Night Gallery" mit Altstar Joan Crawford, später Serienfolgen für "Dr. med Marcus Welby" oder "Columbo". Im Alter von 27 Jahren begeisterte er dann mit seinem ersten Kinofilm die internationale Kritik, die in ihm sofort ein "Wunderkind" sah.

Der eigentliche Durchbruch gelang ihm 1975 mit dem Thriller "Der weiße Hai" (am Samstag, 2.12., 23.10 Uhr, ARD). Der Schocker über einen Menschen fressenden Haifisch vor der ostamerikanischen Küste, der nach arglosen Badegästen schnappt, sorgte nicht nur an den Stränden für reichlich Hysterie. In Massen strömten die Besucher damals in die Kinos. An den Kassen spielte der Streifen, der mit drei Oscars, einem Golden Globe und einem Grammy ausgezeichnet wurde, mehr als 130 Millionen Dollar ein.

Weniger blutig, jedoch ebenso spannend ging es sechs Jahre später in Spielbergs nächstem Kinohit zu. Damals kämpfte sich ein gestählter Harrison Ford als Lasso schwingender Archäologe Dr. Jones durch eine Serie von Abenteuern. "Jäger des verlorenen Schatzes" (vier Oscars) war der Auftakt zur berühmten "Indiana Jones"-Trilogie. In Deutschland verfolgten dreieinhalb Millionen Besucher Indys Erlebnisse auf der Leinwand. Teil vier ist - mit einem in die Jahre gekommenen Titelhelden - seit Jahren schon in Arbeit. Den Reigen seiner Erfolgsfilme setzte Spielberg dann 1982 mit dem Science-Fiction-Rührklassiker "E.T. - Der Außerirdische" fort. Der Extraterrestrische mit den treuen Kulleraugen brach in den deutschen Kinos die Herzen von acht Millionen Besuchern und bekam vier Oscars.

Zu Spielbergs bewegendstem wie auch persönlichstem Film wurde jedoch "Schindlers Liste" (1993). Das KZ-Drama wurde mit sieben Oscars geehrt. Spielberg, selbst Jude, erzählt darin die Geschichte des Oskar Schindler, der bei ihm angestellte jüdische Zwangsarbeiter vor dem Tod im Vernichtungslager rettete.

Nach den Dreharbeiten rief Spielberg die Shoah Foundation, eine Stiftung gegen das Vergessen des Holocaust, ins Leben. Die Stiftung, die zunächst in einer Barackensiedlung am Rande eines Parkplatzes in Hollywood untergebracht war, hat in den ersten Jahren ihres Bestehens nahezu 50 000 Holocaust-Überlebende in 56 Ländern nach strengen Regeln vor der Kamera interviewt. Die Aufzeichnungen geben unter anderem das Leben der Befragten vor und während des Krieges wieder und enden jeweils mit einem heute aufgenommenen Familienbild, das - anders als beim Dauer-Wunderkind Spielberg - nicht immer zu einem Happy-End gerät.

Spielberg ist ein jung gebliebener glücklicher Milliardär mit sieben Kindern, der noch immer das Filmemachen liebt. "Das ist so, seit ich zwölf bin", sagte er einmal im Interview, "und das Gefühl im Bauch, als ich bei den Pfadfindern war und mit der Kamera meines Vaters meinen ersten Film drehte, er hieß 'Gunsmoke' und war drei Minuten lang, dieser Thrill, als ich den Film das erste Mal vorführte und alle lachten und klatschten, dieses Gefühl ist dasselbe, das ich noch heute habe, wenn ein Film fertig ist. Das ist die Droge, es gibt keine Therapie, und wenn es eine gäbe, würde ich mich ihr nicht unterziehen."

Hans Czerny


Regisseur Steven Spielberg vollendet am 18. Dezember sein 60. Lebensjahr.
Regisseur Steven Spielberg vollendet am 18. Dezember sein 60. Lebensjahr. (Dreamworks)

Gilt - mit einem Vermögen von 2,5 Milliarden Dollar - als der reichste und erfolgreichste Regisseur aller Zeiten: Steven Spielberg.
Gilt - mit einem Vermögen von 2,5 Milliarden Dollar - als der reichste und erfolgreichste Regisseur aller Zeiten: Steven Spielberg. (Universal)

Itzhak Stern (Ben Kingsley, rechts) und Oskar Schindler (Liam Neeson) gehen in "Schindlers Liste" die Liste der KZ-Häftlinge durch, um gefährdete Juden zu retten. Der Film von 1993 bekam sieben Oscars.
Itzhak Stern (Ben Kingsley, rechts) und Oskar Schindler (Liam Neeson) gehen in "Schindlers Liste" die Liste der KZ-Häftlinge durch, um gefährdete Juden zu retten. Der Film von 1993 bekam sieben Oscars. (Universal)

Datum: 19.11.2006

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