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Goyas Geister

Goyas Geister

(tsch) Milos Forman lässt sich Zeit, wenn er sich einem neuen Film zuwendet. Manchmal dauerte es zwei, manchmal drei, hin und wieder aber auch sieben Jahre, bis der inzwischen 74-jährige Meisterregisseur aus Tschechien ein neues Werk abgedreht hat. So auch dieses Mal: In dieser Woche werden die Leinwände gefüllt mit einem beeindruckenden Historienepos über Gewalt, Unrecht, aber auch die unerschütterliche Kraft der Aufklärung. "Goyas Geister" nannte Forman sein Sittengemälde, in dem Natalie Portman einmal mehr zeigen darf, dass sie jedem die Show stehlen kann, auch der Titelfigur eines Films.

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Das Portrait über den spanischen Maler Francisco de Goya und seine Zeit ist mehr als bloß ein weiteres Werk im in letzter Zeit so beliebt gewordenen Genre der so genannten Biopics. Es ist vielmehr eine opulente Abrechnung mit all jenen gesellschaftlichen Entwicklungen, die in der Historie Leid, Unheil und massenhaftes Sterben heraufbeschworen haben. Konkret geht es um das ausgehende 18. Jahrhundert im Spanien der katholischen Inquisition. Getrieben von der Angst, sie könnte ihre Macht und damit auch ihren Reichtum einbüßen, verfolgt die Kirche jeden, der vom traditionellen Lebensstil abweicht und sich vielleicht sogar den Ideen der sich ausbreitenden Aufklärungsbewegung gegenüber aufgeschlossen zeigt. Schnell war das Schlagwort vom "dämonischen Dreck" ausgesprochen, gerade wenn es sich um einen solch provokanten und einflussreichen Maler wie Goya handelte.

Doch Goya selbst blieb trotz seiner Eigenwilligkeit weitgehend unpolitisch. Was ihn schützte, waren seine mächtigen Freunde. Seine Muse und heimliche Geliebte Inès aber muss für all das zahlen, wofür Goya aufgrund seines Schutzpanzers nicht belangt werden kann: Obwohl ihre Familie und Goya selbst versuchen, sie mithilfe des korrupten Klerikers Lorenzo freizukaufen, verschwindet sie schlussendlich im Kerker. Erst nach eineinhalb Jahrzehnten wird sie im Zuge des Einzugs Napoleonischer Truppen befreit.

Goya, der nun mitschwimmt auf der Welle der hereinschwappenden Aufklärung, setzt sich vehement für seine Angebetete ein und sucht mit ihr nach Inès' Tochter, die sie im Verließ zur Welt brachte, nachdem sie Lorenzo vergewaltigt hatte. Der Untäter selbst hat sich inzwischen von einer manipulativen Speerspitze der Inquisition zum Vorkämpfer der französischen Ideale von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit gewandelt, muss aber mit den Konsequenzen seiner dunklen Vergangenheit leben.

"Goyas Geister" ist spannendes Geschichtskino, reich an gewaltiger Emotionalität, mit deutlichen Verweisen auf universale wie zeitlose Missstände: Machtmissbrauch, Selbstbereicherung, aber vor allem religiöser Fanatismus sind hochaktuelle Problematiken, die Forman mit seinen Hauptdarstellern Stellan Skarsgård als Goya, Javier Bardem als Lorenzo und allen voran Natalie Portman als Inès wirkungsvoll thematisiert. Der Spannungsbogen rankt sich zwar zunächst um die Machtherrlichkeit der Kirche und wie sie missbraucht wurde, doch schwenkt schließlich zu der Frage, ob die Suche nach Gerechtigkeit nach geschehenen Gräueltaten Früchte tragen kann.

Der 75-jährige Autor Jean-Claude Carriere, der schon für Regisseur Volker Schlöndorff die Drehbücher zu "Die Blechtrommel" (1979) und "Der Unhold" (1996) verfasste, schrieb mit "Goyas Geister" in Zusammenarbeit mit Milos Forman sein mittlerweile 129. Skript und zeigt auf ergreifende Weise, wie wichtig es grundsätzlich ist, zu schauen, was sich hinter den Gemälden unserer Welt abspielt.

Leif Kramp

Credits:
V:Tobis, E / USA / F 2006, R: Milos Forman, D: Natalie Portman, Javier Bardem, Stellan Skarsgård u.a.

Laufzeit: 114 Min.

Kinostart:
23.11.06


Goyas Muse Inés Bilbatua (Natalie Portman) wird Opfer der spanischen Inquisition.
Goyas Muse Inés Bilbatua (Natalie Portman) wird Opfer der spanischen Inquisition. (Tobis Film)

Francisco Goya (Stellan Skarsgård) betrachtet das Portrait, das er von Pater Lorenzo angefertigt hat.
Francisco Goya (Stellan Skarsgård) betrachtet das Portrait, das er von Pater Lorenzo angefertigt hat. (Tobis Film)

Goya (Stellan Skarsgård, links) und Lorenzo (Javier Bardem) geraten heftig aneinander.
Goya (Stellan Skarsgård, links) und Lorenzo (Javier Bardem) geraten heftig aneinander. (Tobis Film)

Datum: 22.11.2006

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Diskussion: "Goyas Geister"

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