Poseidon
Poseidon
Anzeige Und wieder einmal geht ein Schiff unter. Diesmal jedoch muss niemand über 90 Minuten darauf warten, wie es noch bei "Titanic" der Fall war. Hier werden keine Charaktere eingeführt, keine Standesunterschiede aufgezeigt, keine Beziehungen entwickelt. Nein, hier geht nur ein Schiff unter. Nach wenigen Minuten ist die Monsterwelle da, das Fest an Bord ist zu Ende. Wolfgang Petersen, der deutsche Regisseur, der sich bislang gut darauf verstand, Actionelemente auf der Basis echter Geschichten zu erzählen ("Air Force One", "Troja"), reduzierte seinen Film "Poseidon" auf das Wesentliche. Im Kino war das nicht gerade ein Garant für hohe Einspielergebnisse. 340.000 Zuchauer in Deutschland, gerade einmal 60 Millionen Dollar an den US-Kassen - keine Zahlen, die zufrieden stellten. Dennoch kommt der Film nun als interessant ausgestattete Doppel-DVD auf den Markt. Keine Frage, es sieht glänzend aus, wie dieses riesige Schiff von der Welle erfasst und umgestürzt wird. Schließlich treibt es kieloben. Was auch bedeutet, dass dem Betrachter fortan jeder Raum, allesamt in Trümmern, auf dem Kopf serviert wird. Perfekt inszenierte Actionsequenzen samt erstaunlicher Tricktechnik sind eine zusätzliche Freude. Während der Kapitän an Bord die Überlebenden noch zu beruhigen versucht, schließt sich eine kleine Gruppe Menschen zusammen und fasst einen Plan, der in den folgenden 70 Minuten filmisch erzählt wird. Es geht um nichts anderes als um das Durchstreifen eines weithin zerstörten Schiffes - hinauf bis zum Rumpf, um dort schließlich durch die Schiffsschrauben, die oberhalb der Wasseroberfläche liegen, den Weg in die Freiheit zu finden. Wie viel Zeit dazu bleiben wird, ehe die Poseidon sinkt, weiß niemand so genau. Angeführt wird das Team zunächst vom Profi-Spieler Dylan (Josh Lucas). Ihm folgen: Maggie (Jacinda Barrett) mit ihrem kleinen Sohn Conor (Jimmy Bennett), ein suizidgefährdeter Kerl namens Nelson (Richard Dreyfuss) sowie der Ex-Feuerwehrmann Robert Ramsey (Kurt Russell), der vorrangig davon getrieben ist, seine Tochter (Emmy Rossum) in all dem Chaos zu finden, was ihm selbstverständlich gelingt. Dazu kommen deren heimlicher Verlobter, ein merkwürdiger Irrer und eine außergewöhnlich attraktive blinde Passagierin. Genug Menschen, um fortan das bekannte Spiel zu spielen und die unwichtigeren Personen zuerst sterben zu lassen. "Poseidon" ist gerade einmal 97 Minuten lang, und diese sind prall gefüllt mit Explosionen, Bränden, Todeskämpfen, herabstürzenden Trümmern, Wassereinbrüchen und Platzangst. Interessante oder spannende charakterliche Entwicklungen gibt es nicht, der Film will ein Spektakel sein und ist es über weite Strecken auch. Ein Event-Movie also, das jedoch über weite Strecken kraftlos bleibt. Da das Drehbuch von Mark Protosevich nicht die geringsten Anstrengungen unternimmt, eine Nähe zwischen dem Betrachter und den Menschen auf der Leinwand herzustellen, ist das Interesse an deren Schicksal gering. Wer sterben muss, ist eigentlich egal. Die Dokumentationen "Poseidon: Ein Schiff im Tonstudio" (22 Minuten) und "Poseidon: Auf den Kopf gestellt" (elf Minuten) geben mit zahlreichen O-Tönen einen ausführlichen Einblick in die Entstehung dieses aufwändigen Films. "Tagebuch eines Schiffskameraden" berichtet in zwölf Minuten vom Dreh aus der Sicht einer jungen Produktionsassistentin. Hinzu kommt eine knapp halbstündige Dokumentation des History Channel, die sich mit dem Entstehen der so genannten "Monsterwelle" beschäftigt. Leider fehlt auf der DVD ein Audiokommentar. Gerade die Erinnerungen der Darsteller an die strapaziösen Dreharbeiten wären allemal interessant gewesen. Vor allem beim Ton leistet die DVD viel. Es kracht und scheppert an allen Ecken und Enden, der 5.1-Ton schöpft seine Möglichkeiten voll aus. Das Bild bleibt farblich sehr zurückhaltend und verfügt auch über keinen allzu hohen Kontrast. Tom Ruder bewertungsbox
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Credits: |
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