Jackass Nummer 2
(tsch) Gute eineinhalb Stunden dauert dieses Martyrium. Viel Zeit also, um sich Gedanken über den Sinn und Unsinn von selbst zugefügten Schmerzen im Dienste der Unterhaltung zu machen, das Ganze als hirnrissigen Bullshit zu verteufeln und um die moralisch ohnehin schon hoffnungslos degenerierte Jugend zu bangen, die wochenlang von nichts anderem mehr reden wird. Andererseits: Man könnte über "Jackass Nummer 2" - die Kino-Fortsetzung, von der Eltern und Sittenwächter hofften, sie würde nie kommen - einfach ein bisschen lachen ...
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Machen wir uns nichts vor: Natürlich ist dieses masochistische, politisch völlig unkorrekte und absolut stumpfsinnige Machwerk fast schon in Vergessenheit geratener MTV-Rebellen so überflüssig wie ein Blutegel im Auge. Und natürlich dient die Selbstpein der Herren Steve-O, Chris Pontius, Bam Margera und Johnny Knoxville, der das eigentlich nicht mehr nötig hätte, der puren Bereicherung. Aber die Stunt-Jungs müssen sich ihr Schmerzensgeld hart verdienen ...Sie lassen sich in bester "Hau den Lukas"-Manier einen goldenen Dildo in den Hintern rammen, sich von Anacondas in den Unterarm beißen oder von diversen Raketenfahrzeugen in einen See katapultieren - um ein paar harmlose Beispiele zu nennen. Aber es gibt auch ausgesprochen Widerwärtiges zu sehen. Einer der Chaoten steckt sich einen Pferdeapfel in den Mund, andere lassen sich von einer 300-Kilofrau bespringen, von Gummi-Schrotkugeln niederschießen oder trinken das frisch gezapfte Sperma eines Hengstes. Letzteres markiert wohl den absoluten Nullpunkt auf der Skala des guten Geschmacks, denn Darsteller Chris Pontius gleitet ein Satz über die verschmierten Lippen, den er wohl so noch nie gesagt hat: "Ehrlich, ich schäme mich." Nicht das einzige Erstaunliche in diesem Film, der in den USA bereits über 72 Millionen Dollar eingespielt hat: Einen der wahrlich witzigsten und gefährlichsten Stunts wagt Johnny Knoxville selbst. Er verbindet sich - wie vor einer Exekution - die Augen, steckt sich nervös eine letzte Zigarette an und wird kurz darauf von einem wutschnaubenden Stier auf die Hörner genommen. Apropos: Bereits eingangs inszeniert die "Jackass"-Crew ein zweites Pamplona in einer idylischen US-Vorstadt und treibt seine krudesten Späßchen beim Rodeo. Im Grunde ist der Film wie sein Vorgänger eine auf 95 Minuten aufgeblähte Version der der einstigen MTV-Anarcho-Show - nur eben um ein Vielfaches krasser. Die "Jackass"-Crew tut unter der Regie von Jeff Tremaine einfach das, was sie einst drei Mal die Woche beim Musikkanal tat und was sie offensichtlich am besten kann: sich auf unsinnige, abgefahrene, idiotische, komische, halsbrecherische und selbstzerstörerische Weise möglichst viele Schmerzen zuzufügen. Und das im Dokumentarstil, ohne besondere Dramaturgie oder Sinn, dafür aber mit Botschaft: "Don't try this at home!" Wer "Tiefgang" gleichsetzt mit "weit unter der Gürtellinie", kommt hier jedenfalls auf seine Kosten - und darf sich, trotz des weinerlichen Jammerns von Bam Margera am Ende womöglich gar auf einen dritten Teil freuen. Fragt sich nur, ob und wie dieser seinen Vorgänger noch toppen könnte. Denn die Grenze der Menschenquälerei scheint erreicht: Johnny Knoxville wurde während der Dreharbeiten dreimal ohnmächtig, die von Berufswegen coole Sau Bam Margera fing aus Angst zu heulen an, als man ihm eine Königskobra vor die Füße setzt, und ein anderer gerät in Panik, als ein Terroristen-Gag plötzlich nach hinten losgeht ...
Gerd Hilber
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Credits: V:UIP, USA 2006, R: Jeff Tremaine, D: Johnny Knoxville, Bam Margera, Steve-O u.a.
Laufzeit: 95 Min. Kinostart: 30.11.06
Masochistisches Oberhaupt: Johnny Knoxville lässt sich von Stieren auf die Hörne nehmen, von Anacondas in den Unterarm beißen und von Gummischrotkugeln niederschießen. Letztere geben übrigens unschöne Flecken ... (Paramount Pictures)
Hirnverbrannt: Bam Magera (Mitte) lässt sich seinen Hintern branden ... (Paramount Pictures)
Zwerg Wee-Man lässt sich gleich ins Wasser katapultieren. (Paramount Pictures) |
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