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Little Miss Sunshine

Little Miss Sunshine

(tsch) Wenn eine Familie eine Reise macht, dann kann sie was erleben: Wenn es zudem noch eine höchst dysfunktionale Familie ist, dann kann es auch Spaß machen, dabei zuzuschauen. Die kleine Komödie "Little Miss Sunshine" wurde zum Überraschungserfolg in den US-amerikanischen Kinos. Der Dauerbrenner wird dort auch noch nach Monaten gezeigt. Dabei ist es nicht mehr als eine spritzige Version des ewig gleichen Liedes von dem gemeinsamen Erkenntnisprozess, der längst verloren geglaubte Beziehungsbande wieder zu kitten vermag.

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Erzählt wird die Geschichte der Familie Hoover: Während die Mutter (Toni Collette) am alltäglichen Stress die Nerven zu verlieren glaubt, hat sich der Vater (Greg Kinnear) unlängst verloren und zwar in seinem Traumgebilde von der Karriere eines Motivationstrainers. Der Sohn (Paul Dano) geht mit Nietzsche und spricht kein Wort mehr, mit niemandem. Dem Opa (Alan Arkin) scheint ohnehin alles egal zu sein und er übt sich als Schönheitsberater seiner Enkelin Olive (Abigail Breslin), die bei einem Wettbewerb zur "Little Miss Sunshine" gekürt werden möchte. Da kommt es nicht gerade recht, dass die Mutter einen selbstmordgefährdeten Bruder hat (Steve Carrell), den sie schließlich zu sich nach Haus holen muss, um auf ihn aufzupassen.

Ohne Geld, mit zerschossenen Träumen und Mittagessen vom Fast Food-Grill: Es ist jämmerlicher Haufen, der sich da dem Zuschauer zeigt. Dennoch ist jeder einzelne der schrulligen Charaktere sympathisch. Gemeinsam entschließen sie sich, zumindest einen Traum in Erfüllung gehen zu lassen und Olive zum Schönheitswettbewerb zu bringen, von dem sie sich so viel verspricht. Mit ihrem klapprigen VW-Bus wird der weite Weg angetreten: Eine Fahrt, die sich schon bald zu einem unvergesslichen und chaotischen Road Trip entwickelt, nach dem - glücklicherweise - nichts mehr so sein wird, wie es war.

Wovon der Charme des Films ausgeht, ist schnell entlarvt: Die Geschichte an sich ist nicht der Rede wert, ist vorhersehbar und nicht sonderlich erfindungsreich. Es sind die Schauspieler, jeder einzelne ein Charakterkopf für sich, die den im Grunde viel zu stereotypen Grundkonzeptionen ihrer Rollen Leben nicht nur einhauchen, sondern bei all dem Spaß, den sie dabei hatten, auch noch eine gehörige Portion Leidenschaft und dadurch auch die sonst so schwer herzustellende Glaubwürdigkeit entwickelten.

Allen voran Steve Carrell, der in den USA zurzeit mit der Büro-Comedy "The Office" (vergleichbar mit dem deutschen Format "Stromberg", ProSieben) Erfolge feiert und deutschen Kinogängern aus "Jungfrau (40), männlich, sucht…" bekannt sein dürfte: Als suizidanfälliger, weil liebeskranker homosexueller Akademiker ist Carrell eine Offenbarung und bringt die Familie, die stets die falsche Abbiegung im Leben zu nehmen scheint, trotz aller Resignation immer wieder auf den richtigen Weg. Toni Collette gefällt sich als der einzig wirksame Klebstoff, der die auseinander driftende Verwandtschaft noch zusammenhalten kann. Und Greg Kinnear ist als Ekelpaket und verbohrter Pseudo-Entrepreneur der offensichtlichste Kandidat für den finalen Sinnungswandel hin zu Harmonie und Eintracht.

Überraschend blass bleibt dagegen die junge Hauptdarstellerin Abigail Breslin, die mit ihren zehn Jahren schon eine beachtliche Karriere vorzuweisen hat ("Signs", "Liebe auf Umwegen", zahlreiche Fernsehproduktionen). Als Mittelpunkt des Geschehens wirkt ihre Darstellung allzu hölzern und in vielen Szenen unnatürlich. Ihre augenscheinliche Übermotivation schadet der Erzählung aber nicht. Schließlich soll sie nicht mehr sein als ein kleiner Sonnenschein und fungiert als Ruhepol im Trubel der kollidierenden Egos. Nur stimmt es nachdenklich, dass nicht nur ihre Familienmitglieder, sondern auch der Zuschauer sie nicht zu vermissen scheinen, als sie an einer Tankstelle zurückbleibt und das Fehlen des einzigen Grundes der Reise erst nach einigen Minuten auffällt.

Leif Kramp

Credits:
V:Fox, USA 2005, R: Jonathan Dayton, Valerie Faris, D: Toni Collette, Greg Kinnear, Steve Carell u.a.

Laufzeit: 101 Min.

Kinostart:
30.11.06


Olive (Abigail Breslin) ist vollkommen aus dem Häuschen, als sie erfährt, dass sie zum Landeswettbewerb der Little Miss Sunshine-Wahl eingeladen ist.
Olive (Abigail Breslin) ist vollkommen aus dem Häuschen, als sie erfährt, dass sie zum Landeswettbewerb der Little Miss Sunshine-Wahl eingeladen ist. (2006 Twentieth Century Fox)

Im VW-Bus machen sich Richard Hoover (Greg Kinnear) und seine Frau Sheryl (Toni Collette) mit der ganzen Familie auf nach Kalifornien.
Im VW-Bus machen sich Richard Hoover (Greg Kinnear) und seine Frau Sheryl (Toni Collette) mit der ganzen Familie auf nach Kalifornien. (2006 Twentieth Century Fox)

Weil Dwayne (Paul Franklin Dano) beschlossen hat, nicht mehr zu reden, kommuniziert er nur noch über handgeschriebene Zettel.
Weil Dwayne (Paul Franklin Dano) beschlossen hat, nicht mehr zu reden, kommuniziert er nur noch über handgeschriebene Zettel. (2006 Twentieth Century Fox)

Datum: 30.11.2006

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