(tsch) Das war im Sommer 2000 schon eine Schau: Da lümmelten sich drei junge Damen durch ein eigentlich gar nicht so spektakuläres Video und sangen mit "Overload" einen der schönsten Popsongs des Jahres. In England folgte eine ganze Reihe Hit-Singles - und ein bisschen Verwunderung. Denn das Prinzip Sugababes schien auch auf einer gewissen Austauschbarkeit zu beruhen. Siobhan Donaghy verließ die Band schon 2001, 2005 folgte Mutya Buena. Blieb mit Keisha Buchanan ein Gründungsmitglied, das in Ex-Atomic-Kitten Heidi India Range und Amelle Berrabah rasch neue Mitstreiterinnen fand. Nun erscheint mit "Overloaded" eine Singles-Collection der Girlband.
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Für Heidi, die ja später zur Band stieß, eine gute Gelegenheit, so etwas wie ein Fazit über die letzten Jahre zu ziehen: "Jetzt wo Mutya nicht mehr in der Band ist, ist die Gelegenheit für so eine CD recht günstig. Damit schließen wir gewissermaßen ein Kapitel der Bandlaufbahn ab - außerdem ist Weihnachten, und das ist ja immer eine gute Zeit für solche Zusammenstellungen", lacht sie. Aber auch von solchen kommerziellen Zwängen abgesehen, machte es den Sugababes viel Spaß, ins Eigenmaterial abzutauchen. "Einige Songs haben wir wirklich ewig nicht mehr gespielt, die jetzt noch einmal zu hören, sich mit denen noch einmal zu beschäftigen, war sehr schön. Schade ist nur, dass die ganzen Album-Tracks aussen vor bleiben mussten!"
Der Opener "Freak Like Me" war auch für Heidi der Startschuss in die Sugababes-Karriere - und ist deshalb mit besonderen Erinnerungen verbunden. "Es ist einfach ein wahnsinnig starker Song - ebenso wie 'Stronger', der sehr gut die Gefühle wiederspiegelt, die ich durchmachte, als wir den Track aufnahmen." Probleme, sich in eine bereits bestehende Band einzugliedern, hatte sie keine. "Es gab die Sugababes ja noch nicht so lange, sie hatten erst ein Album veröffentlicht. Da konnte ich schnell reinrutschen."
Und das Reinrutschen lohnte sich nicht nur für die Fans des sehr cleanen Sugababes-Pops, sondern auch für Freunde härterer Töne: So coverten die Sugababes zum Beispiel die Arctic Monkeys - deren Hit "I Bet That You Look Good On The Dancefloor" übersetzten sie in ihre eigene musikalische Sprache, ersetzten die Ruppigkeit des Originals durch feine Vokalharmonien. Gerüchte, das hätten sie getan, weil die Jungs aus Sheffield sie mit diesem Song frech vom Charts-Thron stießen, dementiert Heidi. "Es ist einfach eine total gute Nummer, und jeder kennt sie. Da wollten wir mal probieren, wie das bei uns klingen würde." Die Jungherren aus Sheffield fanden übrigens durchaus warme Worte für die Neuinterpretation - wollten sich aber nicht revanchieren. "Ich glaube nicht, dass sie 'Push The Button' spielen würden", sagt das Sugababe und lacht.
In der Tat, zwischen Indiepop und den Sugababes liegen Welten - auch wenn die beiden neuen Songs auf "Overloaded" den Eindruck erwecken, dass das Prinzip Gitarre für die Sugarbabes nicht reizlos ist. Immerhin holte man sich fürs Songwriting zwei Herrschaften von Orson an Bord - den in Großbritannien mega-erfolgreichen US-Rockern, die hier auf der vergangenen Tour die Bühnen für Robbie Williams warm spielen durften. Die Sugababes indes können das mit den Gitarren durchaus erklären: "Jeder Sugababes-Song soll anders klingen", sagt Heidi. "Wir sind da ganz offen und wollen uns nicht wiederholen. Die beiden neuen Nummern kamen da genau richtig" "Easy" liegt Heidi dabei ganz besonders am Herzen: "Es ist keines dieser Lieder, die eine tiefe Thematik behandeln - einfach ein frecher, schöner Popsong." Die Kernkompetenzen eines Sugababes-Qualitäten besitzt er: "Die Vocals müssen stark sein. So einfach ist das." Heidi selbst hat dabei gute Lehrmeister, zumindest im Geiste. Sie wuchs mit Mariah Carey, Whitney Houston und vor allem Madonna auf.
Alles easy also. Und die Schattenseiten? Heidi winkt ab. "Natürlich ist es mit der Öffentlichkeit nicht immer einfach, und es stehen in der Yellow Press manchmal Dinge, die einfach nicht stimmen. Aber mein Gott - das ist ein Schreiberling, der da Unsinn verzapft - zum Glück haben wir gar nicht so viel Zeit, uns damit auseinander zu setzen." Bleibt die Sache mit der Zeit. Denn da würde Heidi tatsächlich gerne ein bisschen was ändern. Shoppen, ab und an eine DVD gucken, einfach nur mit Freunden abhängen - das klappt selten. So verwundert es nicht, dass sie sich auf Weihnachten freut: "Da habe ich endlich mal zwei Wochen frei - und kann mit meinen Lieben daheim in Liverpool Weihnachten feiern."
Jochen Overbeck
So funktioniert das Prinzip Girlband: Sugababes. (Universal)
Mit "Overloaded" legen die Sugababes eine beeindruckende Singles-Collection vor. (Universal)