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Das Mädchen mit dem Perlenohrring

Das Mädchen mit dem Perlenohrring

(tsch) Künstlerbiografien waren zuletzt im Kino en vogue. Frida Kahlo, Modigliani und Gustav Klimt kamen und kommen zu Leinwand-Ehren wie einst Van Gogh oder Toulouse-Lautrec. Vermeer seinerseits gehört zu den höchst angesehenen und höchst dotierten Malern der Kunstgeschichte überhaupt. Doch "Das Mädchen mit dem Perlenohrring" (2003) ist eben kein bloß biografischer Film, sondern vielmehr das Konzentrat eines Augenblicks, der Blick in die Tiefe der Seele einer jungen Frau. Rätsel und Geheimnisse bleiben bis zuletzt. Anstelle einer platten Erklärung tritt die Feier von Kunst, von Farbe und Licht.

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Jan Vermeers Bild von - etwa - 1665 zeigt in warmen, zugleich leuchtenden Farben das Antlitz eines Mädchens mit wachen, weit geöffneten Augen, lasziv offenem Mund und - eben dem Perlenohrring des Titels, den man getrost als die Vorstufe einer Art Brautschmuck nehmen kann. Unschuld und vorausahnende Sinnlichkeit mischen sich auf Vermeers Bild.

Im Film kommt die junge Dame aus dem Gemälde (Scarlett Johansson, "Lost in Translation", eben im Kino mit "Scoop") als arme Magd ins Delfter Haus des berühmten Vermeer (Colin Firth), um ihren Dienst anzutreten. Gehorsam, schweigend und schön, kaum einmal den Blick erhebend. Vermeers gestrenge Ehefrau, die dem Maler alljährlich ein Kind gebiert (sie brachte es auf deren 15, von denen freilich nicht alle überlebten), sorgt für schlimmste Verkrustung, die auch der über dem Malerhaushalt thronende bürgerliche Mäzen und Anreger nur wenig mildert. So sind sie beide abhängig, könnte man sagen, der arme, voll und ganz der hohen Kunst dienende Maler - und die niedere Magd von ihrem hohen Herrn.

Am Ende werden sie und ihre zwangssublimierte Liebe von der gestrengen, an ihrer Eifersucht verzweifelnden Herrin des Hauses entdeckt. Vermeer dekoriert eben seine Magd und Muse für das finale Bild, das die junge Frau mit dem Perlen-Ohrschmuck zeigen soll. Da ist sie längst viel mehr als nur die junge Bedienstete für ihn.

"Mir ging es um eine sehr erotische Atmosphäre, um die Möglichkeit von Liebe in bestimmten Situationen", sagt der ehemalige TV-Mann Peter Webber über seinen Film, "nicht um dieses 'Ruckzuck-ins-Bett-Hüpfen' wie heute." Was sich denn auch - fast schon bis zur Unerträglichkeit - in jedem Augenblick vermittelt, bis hin zu der von Vermeer mit zärtlicher Gewalt betriebenen Ohrläppchen-Perforation. Alles in allem ist der Film aber nichts anderes als eine einzige optische Feier der Malerei - der Farben und des Lichts, der Perspektive und des Raumes. Vorgänger, wie Peter Greenaway ("Der Kontrakt des Zeichners"), haben derlei frecher und mit mehr Ironie versehen betrieben. Doch in seiner historisierenden, ruhigen Bildästhetik ist Webbers "Mädchen" fraglos ein Genuss, der sich nicht zuletzt der opulenten Kamera des Spaniers Odoardo Serra verdankt.

Wilfried Geldner


Eine Liebe, die unerfüllt bleiben wird: der große Maler Jan Vermeer (Colin Firth) und Griet, seine Magd (Scarlett Johansson).
Eine Liebe, die unerfüllt bleiben wird: der große Maler Jan Vermeer (Colin Firth) und Griet, seine Magd (Scarlett Johansson). (ZDF / Jaap Buitendijk)

Griet (Scarlett Johansson) vor einem der Bilder Vermeers.
Griet (Scarlett Johansson) vor einem der Bilder Vermeers. (ZDF / Jaap Buitendijk)

Griet (Scarlett Johansson) und der Maler Jan Vermeer (Colin Firth), der ihr das Ohr für den Perlenohrring durchstößt.
Griet (Scarlett Johansson) und der Maler Jan Vermeer (Colin Firth), der ihr das Ohr für den Perlenohrring durchstößt. (ZDF / Jaap Buitendijk)

Datum: 02.12.2006

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