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Take That

Familienväter als Boygroup

Musiker Take That

(tsch) Auch wenn sie mit 25 Millionen verkauften Alben der erfolgreichste britische Pop Act seit den Beatles sind - niemand war sich sicher, wie sehr die Menschheit ein Comeback der Boyband Take That herbeisehnen würde. Dass es zu diesem Wiedergang überhaupt kommt, dafür ist eine britische TV-Dokumentation verantwortlich. Sie holte das Post-Robbie-Williams-Line-Up Ende 2005 vor die Kamera, um zehn Jahre nach der Trennung über die alten Zeiten zu schwadronieren. Damals fassten Mark Owen, Gary Barlow, Jason Orange und Howard Donald den Beschluss, es 2006 mit einer Revival Tour durch England zu versuchen. Aus elf Konzerten, die in Rekordtempo ausverkauft waren, wurden schnell 30 Auftritte, 700.000 Tickets konnten an den Fan gebracht werden. Das Comeback der alleine mit eher bescheidenem Erfolg agierenden Briten war fortan beschlossene Sache. In diesen Tagen legen Take That mit der Single "Patience" und dem Album "Beautiful World" neue Musik vor. Auch wenn Robbie Williams dem Buhlen um Teilnahme an dem Jugend-Wiederaufbereitungsprojekt noch widersteht, die aufgeputschte mediale Stimmung rund um das Treiben zeigt, dass die eben noch nüchtern betrachteten Neunziger ihr erstes nostalgisches Comeback feiern.

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Schon die Pressekonferenz der Fab Four aus den "Swinging Nineties" ähnelte stark einer Fanveranstaltung. Jeder Einzelne der hunderte Menschen zählenden Reporterschar wurde mehrmals sicherheitsüberprüft, bevor er nach langem Warten durch eine enge Schleuse in den Konferenzsaal eines Hamburger Luxushotels gepresst wurde. Dort blieb der Blick weitere 45 Minuten auf die Bühne mit vier nackten Mikrofonen gebannt. Nur wirklich große Stars lassen die Welt so lange warten, lautete wohl der Subtext des bizarren Vorspiels. Gänzlich unarrogant und entspannt präsentierte sich hingegen die austrainiert wirkende Mittdreißiger-Boyband, nachdem sie unter Blitzlichtgewitter die Bühnen betreten hatte. Moderator Kai Pflaume stellte die ersten Frage, wie viele Mädchen denn am Flughafen gewartet hätten? "Zwei", glaubt Gary Barlow sich zu erinnern. Nun es dürften einige mehr gewesen sein.

"Die Revival-Tour durch England im letzten Jahr, das war Nostalgie. Jetzt mit dem neuen Album schauen wir nach vorne", sagt ein aufgeräumter Mark Owen. Tief in den Dreißigern sind die Briten jetzt, zur Hälfte Familienväter, und der Blick nach vorne dürfte auch ihrem Geldbeutel gut tun. Der ewig wie ein smarter BWL-Student wirkende Gary Barlow hatte sich nach zwei wenig erfolgreichen Alben bereits vor einigen Jahren in die zweite kreative Reihe der Songschreiber und Produzenten zurückgezogen, ohne dabei sonderlich aufzufallen. Mark Owen, der kleine Knuffige, produzierte zwar von der Kritik gelobte Songwriter-Alben, über eine wirklich bemerkenswerte Solokarriere konnte aber auch er nicht jubeln. Howard Donald, viriler HipHopper, wurde lieber gleich DJ und der bis zum heutigen Tag immer etwas verpeilt wirkende Jason Orange studierte Psychologie, lernte Schauspiel und agierte in einigen kleinere Rollen an britischen Bühnen. Dann doch lieber ein Comeback wagen.

"Dies ist das erste Album, das wir gemeinsam geschrieben haben", freut sich Gary Barlow über die Freiheiten des Erwachsenseins. "Zudem arbeiten wir beim neuen Album mit nur einem Produzenten, alles klingt daher viel homogener." Die bereits erschienene Single "Patience" geht als Midtempo-Ballade eher auf Nummer Sicher, bemüht sich, den Sound der frühen Neunziger mit sanft sauberem Soul-Pop nachzuprogrammieren. Ein Spiel, das zumindest im ästhetisch etwa zu jener Zeit stehen gebliebenen deutschen Mainstream-Radio aufzugehen scheint - die Single wird wohl auf Position eins der Charts einsteigen. Natürlich gab es auch Fragen zu Robbie Williams, der einst im Streit geschieden war. "Mittlerweile haben wir wieder ein entspanntes, gutes Verhältnis" betont Jason Orange. "Die Tür steht immer offen für ihn, falls er bei einem Konzert spontan vorbeischauen und mitsingen will. Man hat gespürt, dass es ihn interessiert, aber er hat momentan einfach zu viele andere Verpflichtungen."

Im Vergleich zum manisch depressiv und ausgebrannt wirkenden Williams erscheinen die restlichen Männer, die einst Take That waren und es nun wieder sind, wie ein entspannter Club zufriedener Familienväter, die zusammen ein bisschen Sport treiben. Nüchtern realistische Weltsicht inklusive. Ob denn schon eine große Deutschlandtournee geplant sei? "Das wäre vermessen", sagt Gary Barlow. "Wir haben momentan noch keine einzige Platte verkauft und wollen erst einmal sehen, ob das die Fans überhaupt interessiert. Natürlich haben wir große Lust wieder in Deutschland Konzerte zu spielen." Vor zehn Jahren hatten Take That übrigens ihren letzten Auftritt in Deutschland. Bei einer "Wetten, dass ..?"-Sendung in Düsseldorf. Ob man sich noch an diesen Auftritt erinnern könne, will Kai Pflaume wissen. "Oh yes, the show with the curly man ...", klingelt es bei Mark Owen. Für echte Giganten der Showbranche sind zehn Jahre eben ein lächerlich kurzer Zeitraum.

Eric Leimann


Die Boygroup ist erwachsen geworden: Take That.
Die Boygroup ist erwachsen geworden: Take That. (Universal)

Viel Lärm um nichts? In der Tat: Betrachtet man das Resultat, nämlich das allenfalls mittelmäßige "Beautiful World", scheint die Aufregung um Take That etwas übertrieben.
Viel Lärm um nichts? In der Tat: Betrachtet man das Resultat, nämlich das allenfalls mittelmäßige "Beautiful World", scheint die Aufregung um Take That etwas übertrieben. (Universal)

Ohne Robbie, aber dafür mit eigenen Songs: Take That probieren's ein zweites Mal.
Ohne Robbie, aber dafür mit eigenen Songs: Take That probieren's ein zweites Mal. (Universal)

Datum: 02.12.2006

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Diskussion: "Take That"

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