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Sieben Jahre in Tibet

Sieben Jahre in Tibet

(tsch) Brad Pitt in der Hauptrolle, da kann eigentlich nichts schiefgehen? Irrtum. Diese Erfahrung musste der französische Regisseur Jean-Jacques Annaud ("Der Name der Rose") 1997 machen: Pitt spielte in "Sieben Jahre in Tibet" die Bergsteiger-Legende Heinrich Harrer. Kurz vor dem US-Start wurde bekannt, dass der Österreicher Mitglied der NSDAP und der SS war. Das gab in Amerika Anlass zu heftigen Diskussionen, die aufwändige 70-Millionen-Dollar-Produktion geriet zum Flop. Ganz anders die Reaktion in Deutschland, wo sich die Zuschauer nicht von dem Skandal stören ließen.

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Abgesehen davon, dass sich Annaud allein auf die Erlebnisse im Himalaja beschränkt und Heinrich Harrer zunächst als unsympathischen Egomanen darstellt, verschweigt der Regisseur keineswegs, dass der gefeierte Bezwinger der Eiger-Nordwand vom Hitler-Regime hofiert wurde und es durchaus verstand, seine Popularität für eigene Ziele auszunutzen. Eines davon war, den gefährlichen Nanga Parbat zu erklimmen. Dafür lässt Harrer im Herbst 1939 seine schwangere Frau zurück.

Nach vier Monaten sollte er zurückkommen, doch er blieb zwölf Jahre weg. Dazwischen liegen eine gescheiterte Himalaja-Besteigung, einige Jahre in britischer Gefangenschaft, bis ihm schließlich mit seinem Freund und Expeditionsleiter Peter Aufschnaiter (herausragend: David Thewlis) die Flucht gelingt. Nach zweijähriger Odyssee durch das karge tibetische Hochland erreichen sie als erste Westler die verbotene Stadt Lhasa, wo Harrer mit dem jungen Dalai Lama Freundschaft schließt und zu einem besseren Menschen wird.

Glücklicherweise erlag Jean-Jacques Annaud nicht der Verführung, diese Entwicklung Harrers schmalzig und dramatisch darzustellen. Vielmehr wird die innere Wandlung behutsam und diskret erzählt. Zudem scheute der Regisseur keine Kosten und Mühen, sein bildgewaltiges Epos zu realisieren. Da China, das in dem Film sehr kritisch dargestellt wird, versuchte, das Projekt zu verhindern, wurde Tibet für die Dreharbeiten kurzerhand nach Argentinien verlegt. Inmitten der grandiosen Naturkulisse der Anden wurde die Stadt Lhasa mit sämtlichen buddhistischen Interieurs nachgebaut, an die 100 tibetischen Mönche wurden von einem Kloster in Indien eingeflogen.

Brad Pitt bleibt der ganz große Star, vor wenigen Tagen startete Alejandro González Iñárritus Ensemblefilm "Babel" in den Kinos. Nach den anstrengenden Dreharbeiten zur Verfilmung des Romans "The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford" (Start im Herbst 2007) und einem angeblichen Schwächeanfall bei "Ocean' s Thirteen" lässt es der Familienpapa etwas ruhiger angehen: Bei "A Mighty Heart: The Brave Life and Death of My Husband Danny Pearl" wirkt er lediglich als Co-Produzent mit und kann sich so um die Kinder von ihm und seiner Lebensgefährtin Angelina Jolie kümmern, die die Hauptrolle in der Memoirenverfilmung übernommen hat.

Frank Rauscher


Heinrich Harrer (Brad Pitt) hat sich vorgenommen, den gefährlichen Nanga Parbat im Himalaja zu besteigen.
Heinrich Harrer (Brad Pitt) hat sich vorgenommen, den gefährlichen Nanga Parbat im Himalaja zu besteigen. (kabel eins / TriStar Pictures)

Die raue Schönheit der Landschaft im Himalaja verzaubert Heinrich nach und nach. Auf der Flucht vor den Engländern, die ihn als Österreicher nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs als Feind ansehen, gelangt er schließlich nach Tibet.
Die raue Schönheit der Landschaft im Himalaja verzaubert Heinrich nach und nach. Auf der Flucht vor den Engländern, die ihn als Österreicher nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs als Feind ansehen, gelangt er schließlich nach Tibet. (kabel eins / TriStar Pictures)

Die Begegnung mit dem erst 14-jährigen Dalai Lama (Jamyang J. Wangchuk, rechts) wird für Heinrich Harrer (Brad Pitt) zu einer tiefen menschlichen und religiösen Erfahrung.
Die Begegnung mit dem erst 14-jährigen Dalai Lama (Jamyang J. Wangchuk, rechts) wird für Heinrich Harrer (Brad Pitt) zu einer tiefen menschlichen und religiösen Erfahrung. (kabel eins / TriStar Pictures)

Datum: 29.12.2006

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Artikel ID 178600

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