logo
Anzeige
Cineastentreff Kino Film Filmstarts - Neu im Kino Kino Film Es begab sich aber zu der Zeit ...

Es begab sich aber zu der Zeit ...

Es begab sich aber zu der Zeit ...

(tsch) Es ist eine Geschichte voller Dramatik, menschlicher Glaubenskraft, Vertrauen und Mitmenschlichkeit. Nun berichtet ein monumental angelegter Film, wie es zur der Geburt Jesu kam. Der zeitlosen Erzählung wurde in der deutschen Fassung endlich einmal ein besserer Titel verliehen als im Original: "Es begab sich aber zu der Zeit", eine Phrase so eingängig wie "Es war einmal", dafür ohne stereotypen Konnotationen und stattdessen mit jeder Menge weihnachtlicher Magie. Plötzlich duftet es nach frisch gebackenen Keksen, Kerzenwachs und Tannennadeln. Dem Kino bietet sich mit einem solchen Film die seltene Möglichkeit, einem sonst so privaten, von Intimität gekennzeichneten Fest einen kollektiven Erfahrungshorizont zu verleihen, der im Gegensatz zu all den Weihnachtsmärkten und betrieblichen Weihnachtsfeiern etwas wirklich Gemeinsamkeitsstiftendes an sich hat.

Anzeige

 

Es ist die Geschichte von Maria, die als 16-Jährige mit Joseph, einen Mann, den sie im Grunde gar nicht kennt, geschweige denn liebt, verheiratet wird. Doch ihr wird durch einen Engel ihr Schicksal gewiesen: die Empfängnis von Gottes Sohn. Natürlich ist die Schwangerschaft des jungen Mädchens ein Skandal, schließlich gilt sie ob des in ihr heranwachsenden Kindes als befleckt. Sie verzichtet aber darauf, den Beweis ihrer Jungfräulichkeit zu erbringen und duldet unter seelischen Qualen, aber mit der Gewissheit von Gottes Unterstützung die Demütigungen ihrer Umwelt. Josephs Zweifel können erst ausgeräumt werden, als er selbst im Traum eine Erscheinung hat. Gemeinsam brechen sie auf nach Bethlehem, um die Prophezeiung zu erfüllen.

Die Kulisse des Films ist so malerisch wie atmosphärisch stilvoll eingefangen, obwohl nicht in Israel, sondern in Italien gedreht wurde. Trotz der typischen Weihnachtsromantik sollte aber keine harmonische Geschichte erwartet werden. Im Kern geht es darum, wie Gottes Botschaft durch Menschen auf Erden zur Geltung gebracht wird in einer Zeit, in der dies Machtstrukturen gefährdete. So wird die römische Besatzung als brutales Regime gezeigt, und obwohl kein Blut fließt, werden Soldaten gezeigt, wie sie ein Haus stürmen, sich Kinder greifen und offensichtlich ist, dass ihnen Böses widerfährt.

Der leidvolle Weg von Maria und Joseph, zunächst überhaupt erst zueinander zu finden, sich gegen den wütenden Mob zu erwehren, der einer unbefleckten Empfängnis keinen Glauben schenken kann, und schließlich und allen voran die ständige Gefahr durch die Besatzer, macht den Film zu einem menschlichen Drama, dessen Brisanz nicht nur in den gesellschaftlichen Umständen der damaligen Zeit liegt, sondern durch die angesprochenen Probleme: Vorurteile, Intoleranz, Machtmissbrauch, zeitlose Qualitäten hat.

Ohne Frage gibt es keinen besseren Zeitpunkt als die Adventszeit für einen solchen Film, denn angesichts der schon seit Wochen vorangetriebenen kollektiven Einstimmung auf das Fest des Jahres sieht das von bunten Lichtern und schmackhaften Süßigkeiten verzauberte Kinopublikum auch gnädig hinweg über die ein oder andere Ungenauigkeit. So finden sich leider einige schauspielerische Schwächen vorrangig bei Hauptdarstellerin Keisha Castle-Hughes (Oscar-Nominierung für "Whale Rider"), deren Darstellung der Maria allzu hölzern wirkt. Ihr teils verschämtes, teils ängstliches Lächeln ist nicht glaubhaft genug, um den pathetisch aufgesagten Dialog natürlich erscheinen zu lassen. Darüber hinaus zeigt ihr Blick eher die Konzentration einer Mimin als eine naive Furcht einer ungewollt Schwangeren vor dem Unbekannten.

Ein Problem vor allem für die römisch-katholische Glaubensauffassung ist die Anlage der Maria, an deren Menschlichkeit und Verwundbarkeit im Film kein Zweifel gelassen wird. Sie erscheint nicht als Heilige, sondern als junges 16-jähriges Mädchen, das im Grunde nicht weiß, was mit ihr geschieht. Die Botschaft ist deutlich, und darauf kommt es an: Gott wählt zwei ganz normale Menschen aus, um Gutes zu tun. Dennoch gibt es weitere Unfeinheiten, die zeigen, dass Hollywood nicht ohne populäre Auffassungen will und kann. So gibt es keinerlei Belege dafür, dass es drei Weise waren, die das Christuskind besucht haben. Dies geschah auch erst einige Jahre nach seiner Geburt und nicht kurz danach. Hier wurde lieber die Weihnachtsgeschichte herangezogen als die historisch verbriefte Überlieferung. Schließlich soll sich auch ja bewahrheiten, was eh ganz oben auf dem Wunschzettel der Produzenten steht: Süßer die Kassen nie klingeln.

Leif Kramp

Credits:
V:Warner, USA 2006, R: Catherine Hardwicke, D: Oscar Isaac, Keisha Castle-Hughes, Shohreh Aghdashloo u.a.

Laufzeit: 90 Min.

Kinostart:
07.12.06


Joseph (Oscar Isaac) kann nicht glauben, dass seine Maria den Sohn Gottes zur Welt bringen soll.
Joseph (Oscar Isaac) kann nicht glauben, dass seine Maria den Sohn Gottes zur Welt bringen soll. (2006 Warner Bros. Ent.)

In einem Olivenhain erscheint Maria (Keisha Castle-Hughes) der Engel Gabriel.
In einem Olivenhain erscheint Maria (Keisha Castle-Hughes) der Engel Gabriel. (2006 Warner Bros. Ent.)

Maria (Keisha Castle-Hughes) folgt ihrem Mann Joseph (Oscar Isaac) nach Betlehem.
Maria (Keisha Castle-Hughes) folgt ihrem Mann Joseph (Oscar Isaac) nach Betlehem. (2006 Warner Bros. Ent.)

Datum: 03.12.2006

Diskussion: "Es begab sich aber zu der Zeit ..."

Um eine Diskussion zu "Es begab sich aber zu der Zeit ..." zu beginnen melden Sie sich bitte im Forum an. Wenn Sie noch nicht registriert sind, können sie sich jetzt registrieren um an den Diskussionen teilzunehmen.
Artikel ID 178301

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten:

    Braveheart
    Nein, so hat man noch niemanden im Kino um Freiheit kämpfen sehen. So euphorisch, so erbittert, so ehrlich. Mehr als 500 Jahre ist es her, da wandte sich der schottische Freiheitskämpfer William Wallace, ...

    Der Fluch der goldenen Blume
    Mit "Hero" (2002) hob Zhang Yimou das Martial-Arts-Spektakel auf eine neue Stufe. Mit "House Of Flying Daggers" (2004) verband der chinesische Regisseur zum zweiten Mal geschickt fliegende Klingen mit ...

    SO: Alexander
    Oliver Stone ließ sein Epos mit dem Tod Alexanders beginnen, was im amerikanischen Kino nichts Ungewöhnliches ist, sich aber mittlerweile als dramaturgisches Element verbraucht hat. Ein Ring fällt in Zeitlupe ...

    Geliebte Jane
    Jane Austen ist ein Muss für die Frau von heute, die sich gerne an die Werte von früher erinnert. So rangiert der Roman "Der Jane Austen Club" in den Bestsellerlisten und wartet auf seinen Kinostart im ...

    SO: Gladiator
    In Hollywood grassiert das Historien-Fieber. Regisseur Wolfgang Petersen inszenierte mit 140 Millionen Warner-Dollar im Rücken und Brad Pitt in der Hauptrolle den Trojanischen Krieg. Anschließend trieb ...

    SO: Last Samurai
    Es ist ein erbärmliches Bild, das dieser Mann zunächst abgibt. Wie eine Zirkusattraktion wird Captain Nathan Algren (Tom Cruise) vorgeführt. Früh ist klar, dass Algrens Charakter gebrochen wurde. Die amerikanischen ...


 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
.
Partner von Fantastic Zero


itemid = 31 - id = 2377 - task = view - option = com_content - limitstart= 0