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Gwen Stefani - The Sweet Escape

Gwen Stefani The Sweet Escape

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Der erste zarte Hinweis auf das, was kommen sollte war wohl "Don't Speak", der erste richtig große Hit von No Doubt. Vorher war die Band um Gwen Stefani eine eher durchschnittliche Ska-Punk-Combo, die in der Schwemme ähnlicher Bands nicht weiter auffiel. Dass Gwen Stefani nach dem großartigen letzten No-Doubt-Album "Rock Steady" alleine weitermachte, überraschte kaum: Eine Künstlerin, die so ideenreich arbeitet, die selbst so sehr Marke ist, funktioniert als Solo-Act einfach besser. "The Sweet Escape" macht genau da weiter, wo der Vorgänger "Love Angel Music Baby" mit der hervorragenden Single "Hollaback Girl" aufhörte.

Genre-Grenzen werden geschickt aufgebrochen - was natürlich vor allem an Pharell Williams liegt, der die meisten Songs des Albums mitschrieb und produzierte. Der Neptunes- und N.E.R.D-Mann baut Beats, die zwar nicht mehr wirklich überraschen, aber immer noch einen geschickten Crossover aus klassischem Radiopop, R'n'B und Old-School-Elektro schaffen. Und in "Wind It Up", der ersten Single, darf sogar gejodelt werden. Dass Gwen Stefani sich auch, was die Selbstdarstellung angeht, einiges beim HipHop abgeschaut hat, passt da gut. "Just an Orange County girl, livin' in an extraordinary world", singt sie irgendwann - und macht auch sonst sich selbst ganz gerne zum Thema der Songs. Da heißt es in "Don't Get It Twisted" wenig bescheiden: "This is the most craziest shit ever", da droppt auch Pharell in seinem einzigen Vocal-Beitrag mit dem souveränen Stolz des neureichen seine Lines über diverse Luxusgüter.

Nun ist übertriebene Bodenständigkeit oder gar Bescheidenheit eine Sache, die sich traditionell schlecht mit guter Popmusik verträgt. Deshalb passen die Inhalte gut zu den Songs auf "The Sweet Escape". Pharell generiert einen Unterbau, der es in sich hat und die Vergangenheit Gwen Stefanis geschickt zitiert. Da findet sich schon noch ein ganzer Bläsersatz - allerdings fein aufgeteilt auf die verschiedenen Songs, die jetzt eben mit einem einzelnen Saxofon oder einer einzelnen Klarinette auskommen müssen. Verblüffend, wie viel das einem Song wie "Yummy" geben kann.

Doch es geht nicht nur um den Beat, nicht nur um das Gerüst: Zweimal zeigt Gwen Stefani, dass sie auch in der schmachtenden Pop-Ballade immer noch zu Hause ist. "Early Winter", das sie gemeinsam mit Keane-Mann Tim Rice-Oaklee schrieb, erinnert in seiner Dramatik ein bisschen an die Cardigans, für "Wonderful Life" heuerte Gwen Stefani Linda Perry (früher 4 Non Blondes) an - die in der Vergangenheit für Acts wie Christina Aguilera schrieb. So ist "The Sweet Escape" eine vielseitige Angelegenheit - Homogenität fehlt, klar. Aber die unlängst Mutter gewordene Gwen Stefani tanzt traditionell auf vielen Hochzeiten. So entwarf sie mittlerweile zwei eigene Modelinien und spielte in Martin Scorceses "Aviator" an der Seite von Leonardo DiCaprio. Notiz am Rande: Gwen Stefani ist über ein paar Ecken mit Madonna verwandt. Passt gut, denn so etwas wie die designierte Nachfolgerin ist sie ohnehin.

Jochen Overbeck


Datum: 27.12.2006

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Diskussion: "Gwen Stefani - The Sweet Escape"

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