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Jeremy Irons

Kein einfacher Charakter

Schauspieler Jeremy Irons

(tsch) Zweidimensionale Charaktere sind ihm zuwider. Deswegen war Jeremy Irons, der in über 50 Filmen mitgespielt hat, so selten in Hollywood-Blockbustern zu sehen. An der Filmindustrie generell lässt er kein gutes Haar: "Sie wird von den Einnahmen Hollywoods getragen - so einfach ist das. Jeder wird bei ihnen als Nummer geführt, sie geben einfach 'Jeremy Irons' ein und sehen nach, was meine letzten fünf Filme eingespielt haben." Das klingt ein bisschen frustriert - dabei verdankt er seinen Ruf als hervorragender Charakterdarsteller gerade der Tatsache, dass das Gros seiner Filme eben nicht zu Großproduktionen zählt. So ist es erstaunlich, dass er mit seinem aktuellen Kinofilm "Eragon - Das Vermächtnis der Drachenreiter" (Start: 14.12.), der ein größeres Budget hat als "Der Herr der Ringe", doch wieder den Mainstream bedient.

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Das Projekt erklärt sich einerseits aus einem Satz, den Jeremy Irons einmal über das Verhältnis zu seinem Beruf geäußert hat: "Ich war nie besonders leidenschaftlich in Bezug auf die Schauspielerei, und ich stelle immer mehr fest, dass ich arbeite, um das Leben zu leben, das ich leben will." So werden auch Auftritte in "Stirb langsam - Jetzt erst recht" (1995), "Der Mann mit der eisernen Maske" (1998) und "Königreich der Himmel" (2005) verständlich, die nicht zu den sonst sehr vielschichtigen Rollen gehörten, die er so schätzt.

Andererseits, so räumt er ein, lasse sich "mit 'Eragon - Das Vermächtnis der Drachenreiter' auch ein anderes Publikum als mit den meisten meiner anderen Filme erreichen". Zudem reizten ihn die Schwertkampf-Szenen in Stefen Fangmeiers Produktion: "Es ist wie fernöstliche Kampfkunst, esoterischer als etwa der Kampfstil im mittelalterlichen England. Ich habe beinahe jeden Tag trainiert, um die nötige Kraft im Handgelenk aufzubauen, damit ich die Kampfszenen realistisch spielen konnte." Die vielen Szenen auf dem Rücken eines Pferdes forderten den erfahrenen Reiter Irons weniger heraus. Kein Zweifel, dass er die Rolle voll ausfüllt, denn seine Wandelbarkeit gehört zu den Stärken des 58-Jährigen, der auf der Isle of Wight im Süden Englands geboren wurde und aufwuchs.

Jeremy Irons galt lange Zeit als absoluter Pedant und Perfektionist in Bezug auf seine Rollen - und obendrein als recht unangenehmer Kollege. Mittlerweile sei er da etwas entspannter und es sei ihm "wichtiger, während des Jobs eine gute Zeit zu haben". Die hatte er unter Garantie bei den Dreharbeiten zu "Eragon - Das Vermächtnis der Drachenreiter". Und Jung-Darsteller Ed Sepeers ("Eragon") widerspricht den Darstellungen über den früheren Jeremy Irons, indem er sich begeistert darüber äußert, dass der Oscar-Preisträger (1990 für seine Rolle in "Die Affäre der Sunny von B.") nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera eine Art Mentor für ihn war. In Stefen Fangmeiers Fantasy-Streifen verkörpert Irons mit Brom einen der letzten Drachenreiter (eine Sippe, die durch ihre Drachen mit enormer Zauberkraft ausgestattet ist), der nach dem Tod seines Gefährten in Elegie verfiel und aus dieser erst herausgerissen wird, als der junge Eragon mit seinem Tier, Saphira, dem bösen König Galbatorix (John Malkovich) den Kampf ansagt.

Auch bei diesem Film handelt es sich um die Verfilmung einer Romanvorlage. Sie gehören zu den großen Stärken des Briten - denn es gibt wohl kaum einen Darsteller, der in mehr Literaturadaptionen mitwirkte: "Die Geliebte des französischen Leutnants" (1980), "Eine Liebe von Swann" (1984), "Kafka" (1991), "Das Geisterhaus" (1993), zuletzt die etwas misslungene filmische Umsetzung von "Der Kaufmann von Venedig" (2005). Gut in Erinnerung dürfte auch seine Performance in "Lolita" (1997) sein, dessen Vorführung aufgrund der Thematik auch heute noch von vereinzelten empörten Aufschreien begleitet wird. Seine ersten Erfolge vor seiner Film-Karriere feierte er am Theater und am Broadway. 1984 erhielt er für seine Performance in "The Real Thing" an der Seite von Glenn Close gar einen Tony Award. Eine Gesangsprobe gab er 1994 auch in Disneys "Der König der Löwen" ab. Auch wenn er von sich selbst sagt: "Ich singe wie ein Schauspieler und tanze wie eine Ente."

Jemand, der sich in eine Schublade stecken lässt, wollte der Darsteller, der einmal als "Pin-Up für die intellektuelle Frau" bezeichnet wurde, nie sein. Vielleicht erklärt sich überdies so manches aufgrund der folgenden Geschichte aus seiner Kindheit: "Das Bedeutendste, als ich noch sehr jung war, war der Abend, bevor ich ins Internat kam. Ich erinnere mich sehr gut daran, an die Einsamkeit. Ich fühlte, dass in dieser Nacht sich etwas in mir verändert hatte und ich habe mein Leben darauf verwendet, dieses Gefühl von zu Hause wiederzufinden." Auf dieser Suche befindet sich der seit 30 Jahren mit der Schauspielerin Sinead Cusack verheiratete, zweifache Familienvater wahrscheinlich noch immer. Und damit ist er sicher gar nicht alleine.

Jennifer Fraczek


Jeremy Irons spielt den Drachenreiter Brom in der Fantasy-Produktion "Eragon - Das Vermächtnis der Drachenreiter".
Jeremy Irons spielt den Drachenreiter Brom in der Fantasy-Produktion "Eragon - Das Vermächtnis der Drachenreiter". (2006 Twentieth Century Fox)

Jeremy Irons in dem Film, der ihm in der Filmbranche den Durchbruch bescherte: "Die Geliebte des französischen Leutnants", der am Mittwoch, 13.12., 20.15 Uhr, bei Das Vierte ausgestrahlt wird.
Jeremy Irons in dem Film, der ihm in der Filmbranche den Durchbruch bescherte: "Die Geliebte des französischen Leutnants", der am Mittwoch, 13.12., 20.15 Uhr, bei Das Vierte ausgestrahlt wird. (NBC Universal)

Jeremy Irons an der Seite von Meryl Streep in "Die Geliebte des französischen Leutnants" (Mittwoch, 13.12., 20.15 Uhr, Das Vierte). Mit ihr wird Irons später auch in "Das Geisterhaus" zu sehen sein.
Jeremy Irons an der Seite von Meryl Streep in "Die Geliebte des französischen Leutnants" (Mittwoch, 13.12., 20.15 Uhr, Das Vierte). Mit ihr wird Irons später auch in "Das Geisterhaus" zu sehen sein. (NBC Universal)

Datum: 09.12.2006

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