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Liebe braucht keine Ferien
Liebe braucht keine Ferien(tsch) Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? In "Liebe braucht keine Ferien" von Komödienspezialistin Nancy Meyers erfahren zwei Frauen das genaue Gegenteil: Dass gerade die Fremde neues Glück in Gefühlsdingen bereithalten kann. Mithilfe des ungewöhnlichen, aber durchaus praktikablen Konzepts des Häusertausches tauchen eine waschechte Britin und eine nicht untypischere Kalifornierin in die jeweils andere Lebenswelt ein und lernen nach der Überwindung erster Vorurteile auf die romantische Art, wie ihre liebeskranken Herzen gesunden können. Anzeige
Eine Welt, in der gutherzige Frauen von egozentrischen Männern ausgenutzt, hintergangen und betrogen werden, muss nicht unbedingt eine todtraurige sein, wie Nancy Meyers mit ihrem humorvollen, aber nie die einzelnen Charaktere vorführenden Drehbuch zeigt. Freilich entbehrt es nicht einer gewissen Komik, wenn sich ein Mauerblümchen leidenschaftlich laut schluchzend in den Schlaf weint, sodass das Wehklagen noch lange nachhallt im verschneiten englischen Hinterland. Mit einem ähnlichen Charme, der bereits Renée Zellweger als Bridget Jones auszeichnete, kämpft die etwas blasse Hochzeitsreporterin Iris (Kate Winslet) gegen ihren inneren Schweinehund, der sie immer noch einen anderen Schweinehund lieben lässt, obwohl der bereits Hochzeitspläne mit einer anderen Kollegin in der Redaktion schmiedet (zudem mit einer viel schlankeren, aber dieses überstrapazierte Motiv kommt angenehmerweise nie zur Sprache). Zur selben Zeit, es ist kurz vor Weihnachten, trennt sich Amanda (Cameron Diaz), attraktive, blonde Chefin einer Produktionsfirma für Kinotrailer, von ihrem lumpigen Dauerfreund, der aufgrund eines karrierebedingten Sexentzugs sich anderweitig vergnügt hat. Um sich zu beruhigen, sucht sie nach einer Urlaubsmöglichkeit und stößt im Internet auf das hübsche Landhaus von Iris, die ihr beim gemeinsamen Chat auch flugs einen Tausch anbietet - schließlich klingen zwei Wochen Los Angeles wirklich nach der ersehnten Veränderung. Wie auch schon in ihren Vorgängerfilmen "Was das Herz begehrt" und "Was Frauen wollen" setzt Nancy Meyers ganz auf die Ausstrahlung ihrer Hauptdarsteller, was freilich mit der Wahl von Jack Nicholson und Diane Keaton in ersterem sowie Mel Gibson im letztgenannten kein großes Risiko war. Nach zwei Stunden "Liebe braucht keine Ferien" ist sicher: Auch für Iris und Amanda gibt es keine bessere Besetzung: Kate Winslet und Cameron Diaz bedanken sich für ihre Wahl mit ausgelassener Natürlichkeit. Während die anfangs so talgige Winslet im kalifornischen Paradies aufblüht und sich zwar langsam, dann aber couragiert und mit ansteckendem Enthusiasmus ihrer unglücklichen Liebesgefühle entledigt, zeigt Cameron Diaz, dass sie ihren Part nicht nur mit dem immer gleichen Scheunentorlächeln aufwerten kann, sondern auch die Ausstrahlung entwickeln kann, die für ihre Rolle essenziell ist: Glaubhafte Verletzlichkeit hinter der kühlen Fassade sorgt dafür, dass die realistischen und doch pointierten Dialoge von ihr mit Leben gefüllt werden. Dass beide Hauptfiguren schlussendlich doch noch die große, wahre Liebe finden, ist von vornherein klar. Schließlich handelt es sich um einen Weihnachtsfilm, der nur auf eines abzielt: Harmonie. Doch dass diese so unbeschwert und glaubhaft erzielt wird, ohne dass sich auch nur ein Beteiligter wegen einer - zum Glück nicht vorhandenen - zuckersüßen Kitschglasur dafür schämen müsste, macht das spritzige Abenteuer um Liebesflucht und Liebesfund zur besten Herzenskomödie aus den USA seit "Vater der Braut", der nicht von ungefähr auch aus der Feder von Nancy Meyers stammt. Die männlichen Protagonisten funktionieren nicht bloß als dekorative Stichwortgeber der Erzählung, sondern entwickeln ein Eigenleben, das teils ganz neue Seiten bekannter wie stigmatisierter Schauspieler offenbart. Zwar spielt Jack Black sein gewohntes Spektrum vom unsicheren Dickie zum rockenden Sympathikus, doch Brit-Beau Jude Law ist erstmals in seiner Karriere wirklich sympathisch, was ihm bereits während der Dreharbeiten selbst aufgefallen zu sein scheint. Mit einer solchen Hingabe war der Dandy Hollywoods noch nicht zu sehen. Das mag an den zahlreichen Einfällen liegen, welche den sonst teilweise etwas schwerfälligen Liebeswandlungen die nötige Frische verleihen. Ob es sich überraschend ändernde Familiensituationen sind, die tiefer ins Seelenheil der Charaktere blicken lassen als geahnt, oder so genannte In-Jokes im Hinblick auf den Filmzirkus Hollywoods wie in Form der Stimme des bekannten Trailersprechers Hal Douglas, der mit seinem sonoren Organ immer wieder aus dem Off Amandas Erlebnisse kommentiert, oder wenn Dustin Hoffmann einen zweisekündigen Auftritt absolviert: Bei so viel liebenswürdigem Humor mag man es der Regisseurin gar nicht übel nehmen, dass der Film vor Schleichwerbung nur so strotzt: Von Fedex über Hugo Boss bis Sony Laptops - sehen wir es einfach als Authentizitätsmerkmal; denn das die augenscheinlichste Stärke dieser herzerfrischenden, heimeligen Weihnachtskomödie. Leif Kramp |
Credits: Laufzeit: 138 Min. Kinostart:14.12.06 |
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