Wie lange währt die Ewigkeit, und wann ist der Punkt erreicht, an dem Erinnern in Vergessen umschlägt - oder zumindest in Verdrängen? Eins ist sicher: Erinnerung kann auch auf falschen Annahmen über die Realität beruhen. Jonathan Glazers "Birth" fügte dem Thema eine weitere - man darf ruhig sagen: religiöse - Komponente hinzu und sorgte für ein gehöriges Rauschen im Blätterwald der Feuilletons. Besonders eine Szene, in der Nicole Kidmann und der zehnjährige Cameron Bright zusammen nackt in der Badewanne in inniger Umarmung zu sehen sind, erhitzte die Gemüter. Nach enttäuschendem Kinoergebnis (25.000 Zuschauer), erscheint das kontroverse und beeindruckende Drama jetzt auf DVD.
"Birth" beginnt mit dem ewigen Kreislauf von Leben und Tod. Ein Mensch stirbt, ein anderer wird in derselben Minute geboren. "Stirb und werde" - dieser Zyklus bestimmt das Dasein. Für Anna (Nicole Kidman) hat der Gedanke nichts Tröstliches. Zehn Jahre sind vergangen, seit das Herz ihres Mannes Sean beim Joggen auf einmal zu schlagen aufhörte. Das Leben geht trotzdem weiter, auch für Anna. Lange hat sie dem Werben des reichen Geschäftsmannes Joseph (Danny Huston) widerstanden, doch nun will sie mit ihm ein neues Kapitel beginnen.
Wenige Tage darauf steht ein etwa zehnjähriger Junge (Cameron Bright) vor der Tür des frisch verlobten Paars und verlangt Anna unter vier Augen zu sprechen. Nachdrücklich behauptet er, die Reinkarnation ihres verstorbenen Mannes Sean zu sein. Als Sean nach einer Auseinandersetzung zusammenbricht und bei weiteren Befragungen intimste Details aus dem Leben des Verstorbenen preisgibt, die kein Außenstehender wissen kann, gerät Anna mehr und mehr in den Bann des Jungen. Ist es tatsächlich möglich, dass ihr Mann wieder geboren wurde und zu ihr zurückgekehrt ist?
"Birth" stellt an die Zuschauer nur eine einzige Anforderung: Sie müssen sich - genau wie Anna - einlassen wollen auf eine Geschichte, in der herkömmliche Denkmuster nicht mehr greifen und in der das Wunderbare Einzug ins Leben hält. Leider wurden überhaupt keine Extras auf die DVD gepackt - dabei bietet der Film eine Menge Diskussionsstoff zu dem sich Jonathan Glazer sicher geäußert hätte. Eine hohe Detailschärfe und der angenehme Kontrast kompensieren die teilweise etwas blassen Farben und sorgen für eine durchaus akzeptable Bildqualität. Der Ton ist sehr zurückhaltend, vor allem die Surround-Momente werden defensiv präsentiert. Allerdings überzeugt der Frontbereich durch glasklare Dialoge und gute Musikeinbindung.
Nicole Kidman versucht in "Birth" jetzt auch auf DVD hinter das Geheimnis des ewigen Kreislaufs von Leben und Tod zu kommen. (Warner)
Anna (Nicole Kidman) muss einen Entschluss fassen. (Warner)
Annas Mutter Eleanor (Lauren Bacall) trifft auf den jungen Sean (Cameron Bright), der behauptet, die Reinkarnation ihres Schwiegersohns zu sein. (Warner)