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Spun(tsch) Wenn ein Film es schafft, dass man sich 100 Minuten lang auf Drogen fühlt, ist das vermutlich ein Kompliment. Im Normalfall. Schließlich will man damit ja nur einen außergewöhnlich intensiven Zustand beschreiben, nur sagen, dass es ein berührendes Werk war, man nicht kalt gelassen wurde. Mit "Spun" (2002), nun im Ersten zu sehen, verhält sich das ein wenig anders. Auch ohne Methamphetamine ausprobiert zu haben, bekommt man eine Ahnung davon: nicht von der Wirkung, aber von den Nebenwirkungen. Anzeige Dieser Film hyperventiliert - und das nonstop. Durchgeatmet wird nicht. Wer "Trainspotting" mochte, wird vermutlich "Spun" preisen. Ersterer war inhaltsreicher, hatte eine stringente Handlung. Ums Aufhören geht es bei Jonas Akerlunds Regiedebüt gewiss nicht. Ross (Jason Schwartzman) läuft wie in Trance seiner Freundin nach, kettet Blondinen an sein Bett, foltert diesen mit seinem defekten CD-Spieler und ist trotzdem der Good Guy dieses Treibens. Der Betrachter begleitet ihn, wie er bei Spider Mike (John Leguizamo) Stoff kauft, für den Cook (Mickey Rourke) Besorgungsfahrten erledigt und schließlich seiner Ex in die Augen sieht. End of story. Dazwischen geht es ums High sein, um all die seltsamen Dinge, die passieren in einer Welt, wo keiner Herr seiner selbst ist. Der Drehbuchautor und Ko-Produzent Will De Los Santos überzeugte den Videoclip-Regisseur Akerlund, dieses Projekt zu realisieren. Der Schwede, sonst zuständig für die visuelle Untermalung von Madonna-, Prodigy- oder U2-Songs, war angetan und sagte zu, allerdings nicht ohne sich die Herrschaft über den Schnitt gesichert zu haben. Was das letztlich bedeutete, konnte zu diesem Zeitpunkt noch keiner wissen. Denn erst im stillen Kämmerlein, wenn alles abgedreht ist, findet der verrückte Bildmontierer seine wahre Befriedigung. Man sieht es. 4.500 Schnitte kann in "Spun" zählen, wer sonst nichts zu tun hat. Schneller Vorlauf findet immer statt, wenn die Damen und Herren konsumieren, die Kamera rast auf sie zu, dann entfernen sie sich im Fischaugen-Effekt, extreme Close-ups, schaurige Kombinationen aus Handkamera und fiesen Lauten. So starben Fliegen sicherlich noch nie so laut wie in diesem Film. "Spun" ist mutig und natürlich für ein aufgeschlossenes Publikum gedreht. Für die Schauspieler scheint die Drogenhölle der Unterschicht eine echte Herausforderung gewesen zu sein. Sie durften alles, nur nicht schön sein. Das gelang Brittany Murphy ("Sin City") und Mena Suvari ("American Beauty") vorbildlich. Die T-Shirts waren durchlöchert, die Pickel scheinbar echt und die Fingernägel einfach dreckig. Alles scheint authentisch zu sein, so perfekt ist dieser Look. Dazu passt, dass Akerlund eigentlich nie Szenen zweimal drehte, er musste immer etwas verändern, improvisieren. Musikalisch wird ebenfalls nicht gekleckert, Billy Corgan übernahm die Komposition respektive die Zusammenstellung des Soundtracks und schafft ein angenehmes Gegengewicht zum hektischen Treiben auf der Leinwand. Dafür hat er sich auch in eine Minirolle geschmuggelt, ebenso wie Rob Halford, der ehemalige Frontmann von Judas Priest, den die Metal-Fans nach seinem Coming Out leider nicht mehr als vollwertig akzeptieren konnten. "Spun" mag in erster Linie die Spielwiese eines vielseitigen und innovativen Vertreters der New Generation von Bildbearbeitern sein. Doch diese Wiese ist bunt und aufregend, voller handwerklicher Highlights, Insider-Gags und irrsinniger Comic-Szenen, die jeder über 18 besser selbst ansieht. Das reicht für ein außergewöhnliches Filmerlebnis. Kleiner Tipp: Wer den Vorspann übersteht, schafft auch den ganzen Film. Gerd Hilber |
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