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Lächeln ist tabu(tsch) Für eine Hollywood-Karriere müssten sich Maria Järvenhelmi und Janne Hyytiäinen sicher neue Nachnamen suchen. Doch wer in einem Film wie "Lichter der Vorstadt" (Kinostart: 21. Dezember) die Hauptrolle spielt, hat wahrscheinlich anderes als den Mainstream im Kopf. Die beiden finnischen Schauspieler zeigen sich dann auch begeistert von der Arbeit mit Regisseur Aki Kaurismäki. Auch wenn der Chef-Melancholiker des Kinos mit unkonventionellen Methoden arbeitet und in einer eigenen Welt lebt, die nicht immer viel mit der Realität Finnlands zu tun hat. Ihre Worte wählen die Schauspieler übrigens sehr bedächtig. Sie kommen jedoch - mit schleppendem Tempo zwar - ohne Umschweife auf den Punkt. Ein wenig ist das so, als wäre auch das Interview ein langer Dialog aus einem Aki-Kaurismäki-Film.Anzeige teleschau: Wie sind Sie Teil von Aki Kaurismäkis Universum geworden? Maria Järvenhelmi: Ich habe mit neun Jahren meinen ersten Kaurismäki-Film gesehen und mich in seine Werke und seine Welt verliebt. Seitdem habe ich keinen verpasst. Als ich jünger war, fand ich sie etwas skurril und seltsam. Aber dann lernte ich, ihre Besonderheit zu akzeptieren, sodass ich bei der Arbeit an "Lichter der Vorstadt" etwas sehr Vertrautes fand. teleschau: Wie ist eigentlich die Stimmung am Set eines so traurigen Films? Maria Järvenhelmi: Sehr herzlich und gemütlich, dabei fokussiert und still. Alle zogen an einem Strang. Ich habe es als sehr unterschiedlich im Vergleich zu anderen Sets erlebt. Aki hat seinen eigenen Stil zu arbeiten und ist sehr entspannt und lustig. Überhaupt ist er ein sehr lustiger Mensch. Janne Hyytiäinen: Ja, sehr lustig. Und überhaupt nicht depressiv. teleschau: Mussten sie sich in besonderer Weise auf Aki Kaurismäki einlassen? Maria Järvenhelmi: Wir mussten vergessen, dass wir Schauspieler sind. Er mag keine Dramatisierung oder große Gesten. Acting ist verboten. Natürlich gilt es beim Dreh, die technischen Dinge zu beachten, wo die Kamera steht und das Licht herkommt. Aber bei Aki gibt es keine Proben. Oft haben wir nur einen Shot gemacht und das war's. Janne Hyytiäinen: Wenn man mit ihm arbeitet, ist das der kürzeste Weg zur Hölle für einen Schauspieler. Man kann ihn nicht fragen: 'Aki, wenn ich durch diese Tür komme, was für einen Ausdruck soll ich dabei haben?' Er sagt dann: 'Geh einfach durch die Tür.' Man soll einfach nur präsent sein. teleschau: Es gibt also keine Regieanweisungen? Maria Järvenhelmi: Als Regisseur und Autor macht Aki natürlich bestimmte Vorgaben für die Rolle und die Dialoge. Wenn er aber glaubt, dass ein Schauspieler zu seiner Figur gefunden hat, muss man zusehen, wie man überlebt. Hauptsache, man bleibt in seiner Welt. Dort ist man sehr frei. Janne Hyytiäinen: Es gibt jedoch Dinge, die man unbedingt vermeiden muss. Nichts darf aufgesetzt wirken und an Hollywood erinnern. Lächeln ist tabu. Maria Järvenhelmi: Das Lachen muss man sich für die Zeit zwischen den Szenen aufheben. In den Pausen war immer Zeit für einen guten Gag. teleschau: In "Lichter der Vorstadt" wirkt Helsinki wie ein extrem lebensfeindlicher und menschenverachtender Ort. Wie empfinden sie die Stadt? Maria Järvenhelmi: Ich bin in Helsinki geboren, und ich empfinde die Stadt als sehr behaglich und warm. Natürlich gibt es irgendwo auch die extrem kalte Seite, diese Stadt als eine unfertige Baustelle, die der Film zeigt. Aber ich mag Helsinki und möchte nirgendwo anders hinziehen. Janne Hyytiäinen: Akis Helsiniki hat nichts mit der Realität zu tun, sondern ist ein Teil von seinem 'Akilandia', der Welt, wie er sie sieht. Es geschehen brutale Dinge, aber nie ein Blutbad. Maria Järvenhelmi: Es gibt beides, das Schöne und das Erschreckende. Die Welt der Vorstädte zum Beispiel, wo es auch große Probleme mit Alkoholismus gibt. Aki will eben die kalte, brutale Seite der Stadt zeigen, wie man sie sonst so nicht sieht. Er selbst lebt auf dem Land und liebt das Landleben. teleschau: Warum sind Aki Kaurismäkis Filme voll von Verlierern, Ausgestoßenen und Gestrandeten? Maria Järvenhelmi: Es gibt kaum Filme über die wahren Probleme des Lebens. Ich glaube, Aki will deshalb ganz gezielt Filme machen über Themen, an die sich keiner rantraut, wie Obdachlosigkeit, Einsamkeit und Arbeitslosigkeit. Er ist ein politischer Regisseur. Janne Hyytiäinen: Einsamkeit ist aber auch ein Thema, das mehr und mehr im Kino zu sehen ist - nicht nur in Finnland auch international. Ich denke da zum Beispiel an "Brokeback Mountain". teleschau: Wie kommen die Filme von Aki Kaurismäki in Finnland an? Maria Järvenhelmi: Sie sprechen nicht die große Masse an. Aber wem seine Filme gefallen, der sieht sich alle an und liebt sie. Er ist der einzige Autorenfilmer, den wir haben, und er wurde lange Zeit nicht geschätzt und verstanden. Erst als er 2002 für "Der Mann ohne Vergangenheit" den Grand Prix der Jury in Cannes gewann, stieg auch sein Ansehen in Finnland. Janne Hyytiäinen: Aki will nicht gefallen. Er macht das, was er für richtig hält. teleschau: Und was will die Masse sehen? Maria Järvenhelmi: Kommerzielle Filme mit Action, Streifen ohne Seele, ohne Herz. Das Publikum will hauptsächlich unterhalten sein und vergisst dabei, was wichtig ist: eine Botschaft. Der finnische Film ist in keinem guten Zustand - abgesehen von Akis Werken. teleschau: Spiegeln Aki Kaurismäkis Filme, sein "Akilandia", die finnische Seele wider? Maria Järvenhelmi: Akis Filme sind von Optimismus geprägt. Er sagt, er hat es geschafft, sich all die Jahre etwas Kindliches zu bewahren, eine unschuldige und optimistische Weltsicht. Seinen Optimismus teile ich auch, ob das typisch finnisch ist, kann ich allerdings nicht sagen. Auf jeden Fall sind Finnen sehr geduldig. Und sie können keinen Smalltalk machen. Wenn sie etwas sagen, dann meinen sie das auch ernst und nehmen deshalb jedes Wort des anderen für bare Münze. Man ist sehr direkt und knapp. Janne Hyytiäinen: Das typisches Gespräch läuft ungefähr so: "Hello" - "Hello", "Bye" - "Bye". Diemuth Schmidt |
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