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Déjà Vu

Déjà Vu - Wettlauf gegen die Zeit

(tsch) Das Gefühl, eine Situation schon einmal erlebt zu haben, ist ein populäres Stilmittel der Filmkultur. Ob nun Jack Nicholson in Stanley Kubricks Horrorklassiker "The Shining" glaubt, schon einmal in dem Hotel gewesen zu sein, das er den Winter über hüten soll, oder Bill Murray in "Täglich grüßt das Murmeltier" den immer selben Tag durchleben muss. Nun trägt ein Actionthriller das "Déjà Vu"-Phänomen nicht nur im Namen, sondern treibt es auch auf die Spitze: Ein Ermittler bekommt nach einem Terroranschlag die Möglichkeit, die Vergangenheit zu ändern, und es stellt sich die Frage, ob ein Mordopfer nun tot oder doch vielleicht noch lebendig ist oder sein könnte.

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Dabei ist an einem Déjà Vu nichts Konkretes. Neurologie und Psychologie haben in weit über 100 Jahren der Forschung keine Hinweise auf all die Deutungen gefunden, welche von der paranormalen Glaubensphilosophie so vehement vertreten werden: So liegt die scheinbar irrationale Ahnung der Wiederholung nicht an prophetischen oder visionären Fähigkeiten, auch nicht an möglichen Erinnerungen an ein früheres Leben. Vielmehr registriert in der Überzahl der Fälle die unbewusste Wahrnehmung beispielsweise eine Situation oder einen Ort früher als die bewusste. Was also bereits Bruchteile von Sekunden vorher im Kurzzeitgedächtnis gespeichert wird, kann als Information des Langzeitgedächtnisses fehlinterpretiert werden, was zum bekannten Effekt des eingebildeten Wiedererkennens führt.

Im Film dagegen geht es wirklich abenteuerlich zu: Nach einem verheerenden Bombenanschlag auf eine voll besetzte Mississippi-Fähre in New Orleans kommen die Ermittler dem Terroristen nur langsam auf die Spur. Die besten Einfälle hat ein Agent der Bundes-Behörde für Alkohol, Tabak und Feuerwaffen (ATF): Durch ihn wird das FBI auf eine kurz vor der Explosion ermordete Frau aufmerksam, die von ihrem Mörder so verbrannt wurde, damit es den Anschein hat, sie sei auch auf der Fähre umgekommen. Die aparte Leiche übt eine solche Faszination auf den von Denzel Washington verkörperten Kriminalisten aus, dass er auf eine verrückte, aber menschlich verständliche Idee kommt, als er erfährt, dass das FBI über eine Art Zeitmaschine verfügt.

Mit der lässt es sich nicht nur exakt viereinhalb Tage in die Vergangenheit blicken, was nützliche Perspektiven bei der Rekonstruktion des Verbrechens liefert, sondern auch in dieselbe reisen, wenn man nur risikofreudig genug ist. So möchte sich der leidenschaftliche Ermittler den Traum wohl eines jeden Strafverfolgungsbeamten erfüllen: Ausnahmsweise mal ein Verbrechen verhindern statt es nur aufzuklären.

Leider beschleicht einen auch bei der Geschichte die Ahnung, vieles schon einmal gesehen zu haben. Das liegt in erster Linie an der hektischen Bildkomposition und dem nicht minder rabiaten Schnittstil von Tony Scott, wodurch bereits sein vorangegangener Thriller "Domino" für reißenden Absatz von Kopfschmerztabletten gesorgt haben muss. Durch die zentrale Rolle der Zeitmaschine mit ihrem ausladenden Blickfenster in die mit Computerdaten berechnete Vergangenheit kann sich Scott visuell austoben. Da wird gedreht, gezoomt, gesprungen. Die Bilddaten werden hoch und niedrig aufgelöst, als wäre es ein Spielplatz für Videostudenten. Dass sich die Handlung auf die Frage zuspitzt, ob Zeitreisen möglich sind, macht den Film noch lange nicht zu Science-Fiction, nimmt ihm aber letztlich all das, was beim Publikum derzeit populär ist: die Tätigkeit tatsächlicher Ermittler in Ausnahmesituationen. Doch mit der Nutzung von Fantasietechnik büßt "Déjà Vu" seine "CSI"-Attitüde ein, obgleich auch dieses weltweit zurzeit erfolgreichste Serienformat oft nicht unbedingt wirklichkeitsgetreu arbeitet.

Der Rest ist schnöder Actionthriller: Starker Mann kämpft für ahnungslose, schwache Frau und liefert sich einen Showdown mit dem bösen und in seinen verschrobenen Glaubensvorstellungen vollkommen verrückten Terroristen. Das gab es schon und allzu häufig. Eine neue Qualität in Beziehung zu den Terroranschlägen der Vergangenheit, allen voran dem 11. September, kann man dem Film zwar zuschreiben. Dies wird aber von den Beteiligten selbst verneint oder zumindest eingeschränkt. Denzel Washington sagt dazu zum Beispiel: "Es ist ein Popcorn-Film, bloß ein Film!" Dennoch wurde beim Dreh eng mit einem Ermittler zusammengearbeitet, der in die Aufklärung des Bombenanschlags von Oklahoma City Mitte der 90er-Jahre involviert war.

Interessant sind die Bilder des vom Hurrikane zerstörten New Orleans, wo die Dreharbeiten trotz der Naturkatastrophe stattfanden. Doch sie stehen am Rande. Überraschend ist allein, dass auf eine Liebesgeschichte zwischen Ermittler und Opfer verzichtet wird. Obwohl alles auf eine Annäherung hindeutet, beschränkt sich diese nur auf einen flüchtigen Kuss, der wohl mehr Dankbarkeit als echte Zuneigung ausdrücken soll. So stellt sich beim Zuschauer schließlich noch ein anderes Gefühl aus dem Themenfeld des "Déjà Vu" ein, eine Art "L'esprit de l'escalier" (zu Deutsch: "Treppenwitz"): Nach dem Film sprießen die Ideen, wodurch er besser hätte werden können. Doch ist es dafür längst zu spät.

Leif Kramp

Credits:
V:Buena Vista, USA 2006, R: Tony Scott, D: Val Kilmer, Denzel Washington, Paula Patton u.a.

Laufzeit: 126 Min.

Kinostart:
28.12.06


Agent Pryzwarra (Val Kilmer, rechts) versucht, Detective Carlin (Denzel Washington) für sein Forschungsteam zu gewinnen.
Agent Pryzwarra (Val Kilmer, rechts) versucht, Detective Carlin (Denzel Washington) für sein Forschungsteam zu gewinnen. (Touchstone Pictures / Jerry Bruckheimer Inc. / Robert Zuckerman)

Special-Agent Doug Carlin (Denzel Washington) wird in ein geheimes Projekt der Regierung eingeweiht.
Special-Agent Doug Carlin (Denzel Washington) wird in ein geheimes Projekt der Regierung eingeweiht. (Touchstone Pictures / Jerry Bruckheimer Inc. / Robert Zuckerman)

Claire Kuchever (Paula Patton) spielt bei der Suche nach dem Attentäter eine wichtige Rolle.
Claire Kuchever (Paula Patton) spielt bei der Suche nach dem Attentäter eine wichtige Rolle. (Touchstone Pictures / Jerry Bruckheimer Inc. / Robert Zuckerman)

Datum: 27.12.2006

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Artikel ID 179225

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