Von Drum & Bass hört man ja gar nicht mehr so viel. Eigentlich seltsam - immerhin ist das die Musikrichtung, die die klügere Variante des Dancefloors seinerzeit gewissermaßen in den Mainstream einführte. Platten wie Kruder & Dorfmeisters "DJ Kicks" schafften den Sprung aus den Plattenkoffern der Bescheidwisser in die Wohnzimmer der Young Urban Professionals, und wenn LTJ Bukem irgendwo auflegte, kamen selbst in einer nicht besonders trendverdächtigen Stadt wie München eben mal gute 2.000 Leute zum Feiern.
B.Fuse nun brachte in Wasserburg zuletzt 15.000 Besucher zum Tanzen. Das sagt zumindest der Beipackzettel von "Twisted Reality". Das sind mehr, als in dieser Stadt wohnen, sagt Wikipedia. Details, die wir hier nicht weiter kommentieren wollen, zumal die sonstigen Rahmenbedingungen ganz ordentlich sind: Oben erwähnter LTJ Bukem hat Zeug von B.Fuse im Plattenkoffer, wenn er auf Reisen geht, Genre-Legende Nookie ist ebenfalls Fan.
Hört man "Twisted Reality", so verwundert das kaum, denn auch B.Fuse ist ein Traditionalist im besten Sinne. Für heutige Hörgewohnheiten unglaublich schnell, kommen da die Breakbeats, was aber gut ist - denn um so atmosphärischer wirken die ruhigeren Parts. Dass Hannah, die Gast-Vokalistin auf dem Opener "Just Want To Be With You" eher nach House klingt, sorgt für die nötige Zeitlosigkeit, für den Bezug zur Moderne. Dass dieser in den weiteren 35 Minuten etwas verloren geht, dass sich B.Fuse manchmal etwas in Allgemeinplätzen verliert, liegt vermutlich in der Natur des Genres. Da zehn Jahre nach dem Peak noch Neues zu finden, ist halt schwierig.
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