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Das Spiel der Macht

Das Spiel der Macht

(tsch) Drei Oscars, darunter auch den als Bester Film, gewann 1949 "Der Mann, der herrschen wollte", Robert Rossens Adaption von Robert Penn Warrens mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Tatsachenroman "All the King's Men". Als bester Hauptdarsteller reüssierte damals Broderick Crawford, und auch für Sean Penn, der in der Neuverfilmung den (Anti-)Helden "Boss" Willie Stark spielt, stehen die Chancen für einen zweiten Goldjungen (nach "Mystic River") nicht schlecht. Sollte die bekannt konservative Academy "Das Spiel der Macht" nicht "zufällig" links liegen lassen, sind doch Parallelen zur heutigen US-Politik - siehe Vetternwirtschaft, die Verteufelung Andersdenkender oder schamloses Lügen - nicht zu übersehen. Andererseits zeichnet Steven Zaillian, preisgekrönter Autor von "Schindlers Liste", für Buch und Regie verantwortlich, was wiederum für eine Berücksichtigung spricht - genauso wie das schillernde All-Star-Ensemble, dem unter anderem Jude Law, Kate Winslet, Sir Anthony Hopkins, Mark Ruffalo und Patricia Clarkson angehören.

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Um Aufstieg und Fall eines gnadenlosen Populisten geht es, um einen scharfzüngigen Demagogen, der aus ärmlichsten Verhältnissen stammend ganz nach oben kommt und dort kräftig aufräumen will. Eine schlecht gebaute Schule, die zusammenbricht und drei Leben kostet, ist Sprungbrett, der Posten eines Provinzbürgermeisters nur Zwischenstop auf dem Weg zum mächtigsten Mann im Bundesstaat. Pure Fiktion? Nein.

Pate für diesen hemdsärmeligen "Boss" stand der legendäre Huey "Catfish" Long (1893 - 1935), berühmt-berüchtigter Gouverneur von Louisiana. In einer flüssigen Montage, mittels weniger flammender Ansprachen, zeichnet Zaillian nun Willie Starks Weg zur Macht. Führt Jude Law als desillusionierten, dem Alkohol nicht abgeneigten Journalisten Jack Burden ein, der den begnadeten Redner ermuntert, in die Politik einzusteigen und fortan als dessen Chronist fungiert. Doch der einstige Idealist berauscht sich am Erfolg, vergisst schnell seine Wähler und lässt sich mit falschen Leuten ein, etwa dem lokalen Gangsterchef Tiny Duffy, den James Gandolfini in altbewährter Tony-Soprano-Manier gibt. Es dauert nicht lange, da formieren sich die politischen Widersacher und holen zum Gegenschlag aus ...

Hier wechselt die Perspektive des Dramas. Burden, den Law passiv anlegt, rückt in den Fokus des Interesses. Er soll brisantes Material gegen Starks Opponenten sammeln und wird dabei mit der eigenen Vergangenheit konfrontiert - mit der von ihm verachteten Südstaaten-High-Society, seinem Pflegevater, einem einflussreichen Richter (lust- und farblos: Hopkins), sowie seiner Jugendliebe Anne (wenig überzeugend eingesetzt: Winslet). Das Werk verliert an Stringenz, John Grishams Gerichtsthriller lassen von Ferne grüßen, während das politische Moment hinters gesellschaftspolitische zurücktritt. Was dennoch nicht wirklich ins Gewicht fällt, gelingt es Zaillian doch recht gut, eine klassische Film-noir-Atmosphäre aufzubauen: Die Mangrovenwälder rauschen geheimnisvoll, und die Darsteller agieren im Halbdunkel der Schlagschatten.

Sicherlich mit ein Verdienst des stilsicheren Kameramanns Pawel Edelman ("Ray"), der seine Bilder mittels gedeckter, fahler Farben komponiert, die ihre Entsprechung in Patrizia von Brandensteins ("Amadeus") vorzüglichem Produktionsdesign finden. Sie hat ein 50er-Jahre-Setting kreiert, obwohl die Story ursprünglich zwei Dekaden früher angesiedelt ist. Dies geschah auf Wunsch Zaillians, der keinen "historischen", sondern einen zeitnäheren, (be)greifbareren Ansatz wollte. Worüber sich James Horner ("Titanic") mit seinem Bombast-Score allerdings einfach hinweggesetzt hat. Zusammengenommen ergibt dies eine reichlich uneinheitliche Arbeit, deren Potenzial nie richtig ausgeschöpft wird. Ganz wie in der Politik: Viel wird versprochen, wenig gehalten.

Gebhard Hölzl

Credits:
V:Sony Pictures, USA 2006, R: Steven Zaillian, D: Sean Penn, Jude Law, Kate Winslet u.a.

Laufzeit: 128 Min.

Kinostart:
04.01.07


Vom Landei zum scharfzüngigen Redner: Willie Stark (Sean Penn) zieht alle auf seine Seite.
Vom Landei zum scharfzüngigen Redner: Willie Stark (Sean Penn) zieht alle auf seine Seite. (2006 Sony Pictures Releasing GmbH)

Reporter Jack Burden (Jude Law) lernt die dunklen Seiten der Macht kennen.
Reporter Jack Burden (Jude Law) lernt die dunklen Seiten der Macht kennen. (2006 Sony Pictures Releasing GmbH)

Anne Stanton (Kate Winslet) fühlt sich immer mehr zu Willie Stark (Sean Penn) hingezogen.
Anne Stanton (Kate Winslet) fühlt sich immer mehr zu Willie Stark (Sean Penn) hingezogen. (2006 Sony Pictures Releasing GmbH)

Datum: 05.01.2007

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