(tsch) Fernando León de Aranoa ist ein bewundernswerter Mann. Der Regisseur schafft es immer wieder, dem tristen spanischen Alltag mit all seinen modernen Problemen, mit den real existierenden Sorgen und Nöten, mit der Perspektivlosigkeit und den aussichtslosen Kämpfen gegen das soziale Elend ein Fünkchen Hoffnung zu entlocken. Ein Fünkchen, dass schon den entlassenen Werftarbeitern in "Montags in der Sonne" (2002) der Arbeitslosigkeit zum Trotz ein Lächeln auf die eigentlich wütenden Gesichter zauberte. Nun sind es "Princesas", Prinzessinnen, denen der Spanier einen melancholischen Optimismus gönnt, der jedes Herz erwärmt.
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Es wird, das sei klargestellt, nichts beschönigt in diesem wunderbaren Kinofilm. Fernando León de Aranoa ist ein Regisseur mit starkem sozialen Gewissen, ein Mann, der beobachten kann und hinsieht, wo andere wegschauen. Seine "Princesas" sind Huren, die in Madrid arbeiten, die sich abseits der spanischen Wohlstandsgesellschaft durchschlagen müssen. Der Film ist kein Märchen, sondern ein politisches Statement, dass trotz des sozial-engagierten Sujets einfühlsam erzählt ist und die tiefe Traurigkeit mit wenigen, aber intensiven Szenen der Freude aufhellt. Es ist, als wäre eine bittere Pille von Schokolade umhüllt, damit sie leichter geschluckt werden kann. Die kurzzeitige Süße macht den Zugang bitteren Wirklichkeit nur einfacher, aber nimmt ihr nicht die Trostlosigkeit.
Aber im Mittelpunkt, und das ist das Schöne bei Fernando León de Aranoa, stehen die Menschen. Hier sind es zwei stark gezeichnete Frauenfiguren, denen der Regisseur keine Stereotype aufgezwängt hat, sondern sie als ganz normale Frauen auf den Madrider Strich gehen lässt. Caye, umwerfend von Candela Pena gespielt, ist Anfang 30, eine Spanierin, die sich als Prostituierte durchs Leben schlägt, weil sie keinen Job bekommt. Ihre Träume hat sie aber noch längst nicht aufgegeben, auch wenn es immer schwieriger wird, an ihnen festzuhalten. Sie lernt eines Tages Zulema (Micael Nevárez) kennen, eine illegale Einwanderin aus der Karibik. Die Frau ist jünger als Caye und weiblicher. Vor allem aber, wie alle Einwanderinnen, ist sie billiger als die spanischen Mädchen.
Fernando León de Aranoa begleitet die beiden ungleichen Frauen, die sich anfangs nichts zu sagen haben. Sie sind zunächst Konkurrentinnen. Aber sie teilen das gleiche Schicksal, was sie schließlich zu Freundinnen werden lässt, die gemeinsam von einer besseren Zukunft träumen, von einer Veränderung in ihrem Leben, ganz einfach von Glück. In den Augen der Gesellschaft sind sie Huren - wie eine bittere Szene auf einer Restauranttoilette beweist. Eigentlich chancenlos, das wissen sie. Aber die anderen haben keine Ahnung, denn die auf eigenwillige Art charmante Caye und die traurige Zulema sind wahrhaftige Prinzessinnen. Und das wissen sie.
"Princesas" ist ein Spielfilm, der sich zielstrebig mit dem aktuellen Zustand der Gesellschaft beschäftigt, und die Auswirkungen der Veränderungen analysiert. Der Rassismus in den täglich neu frisierten Köpfen von Cayes Freundinnen wird thematisiert, die Verzweiflung der Einwanderer, die wie Zulema oftmals ihre Familie, ihre Kinder, zu Hause lassen, genauso. Es ist eine kalte Gesellschaft, in der wir leben, das zeigt Fernando León de Aranoa, ohne dabei aufdringlich zu werden. Sein Blick auf den Alltag ist präzise, aber nicht voyeuristisch, seine Charaktere sprechen eine deutliche Sprache, polemisieren aber nicht. Es geht hier nicht um die Nächte, es geht um die Tage, um das alltägliche Leben. Und da lassen der Regisseur und seine Prinzessinnen, unterstützt von der stimmungsvollen Filmmusik Manu Chaos, bei aller sozialen Anklage am Ende doch ein wenig Hoffnung zu und die Menschlichkeit siegen. Die Würde kann dem Menschen hier keiner nehmen.
Andreas Fischer
Credits: V:Piffl, E 2005, R: Fernando León de Aranoa, D: Candela Pena, Micaela Nevárez, Mariana Cordero u.a.
Laufzeit: 113 Min.
Kinostart: 04.01.07
Warten auf den Tag, an dem alles gut wird: Caye (Candela Pena, links) und Zulema (Micaela Nevárez). (Piffl Medien)
Caye (Candela Pena) träumt von einem schönen Leben, ist aber als Hure in einer tristen Wirklichkeit gefangen. (Piffl Medien)
Die schöne Zulema (Micaela Nevárez) muss auf dem Strich arbeiten, um eines Tages ihren kleinen Sohn zu sich holen zu können. (Piffl Medien)
Datum: 02.01.2007
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