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Der alte Affe Angst

Der alte Affe Angst

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Das sexuelle Verhalten des Mannes ist nicht kompatibel mit dem, was Frauen möchten, lautet Oskar Roehlers These. Und die sollte man sich immer mal wieder ins Gedächtnis rufen, wenn man sich die jetzt erhältliche DVD seines Films "Der alte Affe Angst" (2003) ansieht. Denn wenn Roehler einen Film macht, dann ist er dabei bedingungslos und sehr persönlich. Diese Stärken zeichnen auch den selbstquälerischen Versuch von Robert und Marie aus, ihre Liebe zu bewahren. Mit einem Minimum an Dialogen und dem ständigen Wechsel von tiefem Fall und überschäumender Euphorie ist "Der alte Affe Angst" ein verstörender, visuell beeindruckender Film über die Schwierigkeiten und das Elend, das in jeder Beziehung steckt.

Roehler, der sich mit seinem letzten Film "Agnes und seine Brüder" (2004) auch auf dem Gebiet der Tragikomödie als souveräner Meister zeigte, legt Gefühle offen und bedient sich gewaltiger Bilder, schwer erträglicher Brutalität und ebenso großen Leids. André Hennicke und Marie Bäumer, die für ihre Rolle mit dem Bayerischen Filmpreis als beste Darstellerin geehrt wurde, schreien sich bereits in der ersten Szene derart an, dass sich ihre Stimmen überschlagen.

Er heißt Robert und ist Redakteur beim Fernsehen, Marie arbeitet im Kinderkrankenhaus. Das Licht flackert hell und zieht sich wieder hinter die Jalousien zurück, während Marie ihm heulend Vorwürfe macht. Wenn er "Dass ich mit dir zusammen bin, obwohl ich dich nicht begehre, rechnest du dir an!" erwidert, wird schon klar, auf welch brüchigem Terrain wir uns befinden. Es geht um Sex, der nicht stattfindet, um Einsamkeit trotz Beziehung.

Obsessionen zeigt Roehler direkt, um explizite Szenen macht er keinen Bogen. Zumal die Außenwelt die emotionalen Konflikte verstärkt: Roberts Vater stirbt, die Nutte, zu der Robert geht, hat Aids, und sein sinnloser Job in der Entertainment-Branche setzt schöne Kontrapunkte zur Persönlichkeitsentwicklung, die er durchläuft.

Der Zuschauer spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Dass er als Beobachter den Einstieg nicht findet, wenn die Protagonisten sich über ein Ereignis vor fünf Jahren unterhalten, macht scheinbar nichts. Er wird ohnehin noch beschäftigt sein, die bizarren Ereignisse zwischen Marie und Robert zu verarbeiten.

Halt bieten nur die ausgefeilten Bildkompositionen, die auf der DVD gut wiedergegeben werden. Satte Farben und gute Kontrastwerte tragen Roehlers Detailgenauigkeit Rechnung. Der Ton kommt allerdings mit gehörigem Hall aus den Boxen, der 5.1-Sound wirkt dadurch etwas schlampig gemischt. Auch bei den Extras vermisst man Sorgfalt. Interviewschnipsel mit dem Regisseur und den beiden Hauptdarstellern sind das einzgie Bonusmaterial und werden ständig durch Zwischentitel unterbrochen.

Nadja Olsen

bewertungsbox

bildformat 1,85:1 (anamorph)
sprachen Deutsch (5.1 / 2.0)
untertitel Keine
extras Interviews: Oskar Roehler, Marie Bäumer, André Hennicke
laufzeit 88 Min.
tonsystem Dolby Digital
regionalcode Regionalcode 2
preis ca. 15 Euro
bewertung bild gut
bewertung ton befriedigend
bewertung extras ausreichend

Credits:
(D 2003, R: Oskar Roehler, D: André Hennicke, Marie Bäumer, Vadim Glowna u.a.)


Männer und Frauen sind einfach nicht kompatibel: Oskar Roehlers "Der alte Affe Angst" erscheint jetzt auf DVD.
Männer und Frauen sind einfach nicht kompatibel: Oskar Roehlers "Der alte Affe Angst" erscheint jetzt auf DVD. (Warner)

Das Leid versteckt sich in den schönsten Bildern: Marie (Marie Bäumer) und Robert (André Hennicke) versuchen, sein Verlangen neu zu erwecken.
Das Leid versteckt sich in den schönsten Bildern: Marie (Marie Bäumer) und Robert (André Hennicke) versuchen, sein Verlangen neu zu erwecken. (Warner)

Roberts (André Hennicke, links) Vater Klaus (Vadim Glowna) ist an Krebs erkrankt. Als der alte Mann stirbt, begibt sich Robert auf einen selbstzerstörerischen Ego-Trip.
Roberts (André Hennicke, links) Vater Klaus (Vadim Glowna) ist an Krebs erkrankt. Als der alte Mann stirbt, begibt sich Robert auf einen selbstzerstörerischen Ego-Trip. (Warner)

Datum: 22.08.2005

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Diskussion: "Der alte Affe Angst"

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