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Der Fluch der Betsy Bell

Der Fluch der Betsy Bell

(tsch) Wenn im Hinterland von Tennessee der Sturm losbricht, der Regen sinnflutartig gegen die klapprigen Wände der leicht gebauten Häuser peitscht, dann lässt es sich gerne an einen Fluch glauben. Hinter den Kapriolen der Natur steckt allerdings kein Geist, sondern allenfalls atmosphärisches Geplänkel, das schlimmstenfalls auf das Problem der globalen Erwärmung hindeutet. Doch weil Gruselfilme nur halb so viel Spaß machen würden, wenn man alles Übersinnliche auf diese Weise zu erklären suchte, soll hier einmal davon ausgegangen werden, dass damals, im Tennessee des 19. Jahrhunderts, tatsächlich ein grausiger Unsichtbarer sein Unheil trieb und die Holzbalken zum Klappern brachte. Denn ansonsten wäre "Der Fluch der Betsy Bell" nicht mehr als ein Drama um Missbrauch und dreckige Kostüme, das vorn und hinten keinen Sinn macht.

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Die Geschichte um das hübsche Mädchen Betsy aus der Familie des wohlständigen Bürgers John Bell soll aber zumindest zum Teil wahr sein. Nach verbrieften Überlieferungen hat ein wie auch immer gearteter Geist den Tod eines Familienmitglieds der Bells auf dem Gewissen. Alles begann mit einem leichten Rascheln und merkwürdigen anderen Geräuschen rund um das klapprige Anwesen. Dann tauchte sogar ein schwarzer Wolf auf, der nicht nur leuchtende gelbe Augen besaß, sondern auch die Zähne fletschte. Schnell eskalierte die Bedrohung in einer Weise, die mit den Regeln der Physik kaum zu erklären waren: Betsy Bell wurde des Nachts die Decke vom Bett gerissen, sie schwebte plötzlich mitten im Raum und wurde von einer unsichtbaren Macht geohrfeigt. Kein Wunder also, dass sich die Eltern mit der Frage herumplagten, wer oder was hinter den Attacken steckte.

Ein perfekter Filmstoff: Eine Legende mit dem Ruf, nicht bloß einen Funken Wahrheit in sich zu tragen, und ein unschuldiges Mädchen, das scheinbar ohne Sinn von schierer energetischer Kraft misshandelt wird. Der kanadische Filmemacher Courtney Solomon, der mit "Dungeons & Dragons" bisher nur eine leidlich psychologisch ausgefeilte Arbeit vorzeigen konnte, zeigt in seinem horriblen Historienfilm die psychologischen Auswirkungen, die aus der Unkenntnis und der nackten Angst der Familienmitglieder resultieren. Paranoia, Klaustrophobie und finale Selbstmordgedanken wie -versuche befallen die Bells wie Krankheiten. Ein junger Studienrat soll zur Klärung beitragen, denn schon bald lässt der Geist die Familie auch nicht einmal mehr aus dem Haus. Doch auch der Lehrer erliegt der buchstäblich entwaffnenden Ausstrahlung des launischen Energieballs.

Vieles wird im Unklaren gelassen: Was steckt hinter den Erscheinungen, die Betsy Bell ertragen muss, und wieso steckt sie andauernd Ohrfeigen ein? Die wiederkehrenden Schwebprügel-Sequenzen sorgen zumindest nicht für eine Erhellung der Gesamtsituation. Dass sich schließlich hinter dem Fluch, der bis in die heutige Zeit reichen soll, eine ernsthafte Missbrauchsproblematik verbirgt, die so wenig zu dem Geschehen passt wie Altstar Donald Sutherland als geschundene Täter/Opfer-Vaterfigur, ist der größte Makel des Films. Auch Sissy Spacek in der Mutterrolle kann daran trotz solidem Spiel nichts ändern. Mit kruden Effekten wird zudem versucht, nicht nur den begrenzten Spannungsbogen zu verlängern, sondern es vor allem noch auf 90 Minuten Laufzeit zu bringen. Das Bild monochrom einzufärben als Perspektivenwechsel zur unfassbaren Kreatur, fördert nicht wonnige Gruselstimmung, sondern lässt befürchten, der Projektor pfeife aus dem letzten Loch.

Leif Kramp

Credits:
V:Splendid, USA 2004, R: Courtney Solomon, D: Sissy Spacek, Donald Sutherland, Rachel Hurd-Wood u.a.

Laufzeit: 96 Min.

Kinostart:
11.01.07

Wertung
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Unerträgliche Albträume und seltsame Erscheinungen machen der jungen Betsy Bell (Rachel Hurd-Wood) das Leben zur Hölle.
Unerträgliche Albträume und seltsame Erscheinungen machen der jungen Betsy Bell (Rachel Hurd-Wood) das Leben zur Hölle. (Splendid)
Als Mutter Lucy (Sissy Spacek) ein 200 Jahre altes Tagebuch findet, kommt sie mehr und mehr dem Fluch auf die Spur.
Als Mutter Lucy (Sissy Spacek) ein 200 Jahre altes Tagebuch findet, kommt sie mehr und mehr dem Fluch auf die Spur. (Splendid)
Richard Powell (James D'Arcy) will der Familie Bell helfen, alles über die grausame Macht herauszufinden.
Richard Powell (James D'Arcy) will der Familie Bell helfen, alles über die grausame Macht herauszufinden. (Splendid)

Datum: 10.01.2007

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