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The Queen

The Queen

(tsch) Die Nachricht vom Tode Prinzessin Dianas im September 1997 schockt die Öffentlichkeit. Eine Trauerwelle in unbekanntem Ausmaß setzte sich in Gang. Während alle ihre Gefühle öffentlich zelebrieren, zieht sich eine mit ihrer Familie zurück: "Die Queen". Stephen Frears wagt anhand dieser Ereignisse einen spekulativen, aber dennoch gut recherchierten Blick hinter die Kulissen des Königshauses mit seiner strengen höfischen Etikette und erweist sich dabei als äußerst fair.

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Wie wird sie wohl aussehen und auf der Leinwand wirken, die "Queen", gespielt von Helen Mirren? Wenn die Lichter im Kinosaal ausgehen, wartet man mit Spannung auf ihren ersten Auftritt. Perücke, Brille, die typische, etwas steife Kopfhaltung und bedächtig gewählte Worte in einem souveränen Tonfall - alles very sophisticated. Helen Mirren ist Elizabeth II, die Illusion gelingt perfekt.

"Sie sind mein zehnter Premier Minister" - bei seinem Antrittsbesuch macht die Queen dem eben gewählten Tony Blair (Michael Sheen) sofort klar, wer wo steht. Die Monarchin verkörpert Kontinuität im Königreich, der Neuling dagegen stellt vielleicht nur eine Eintagsfliege dar, die auf einem viel zu großen Stuhl will. "Wo sie jetzt sitzen, hat schon Winston Churchill Platz genommen." Das Verhältnis zwischen Blair und Elizabeth II. bildet das Schlüsselelement der Story. Vier Monate nach seiner Ernennung zum Premier stellt der Fall Diana für Tony Blair eine Bewährungsprobe dar. Er muss Zeichen setzen und seine Rolle im Machtgefüge zwischen Regierung und Königshaus definieren.

Öffentlich Emotionen zu zeigen, das ist im starren Hofprotokoll des Königshauses tabu. "Zurückhaltend und nüchtern im privaten Kreise trauern", lautet das Credo der Queen, nach dem sie als Vertreterin einer jahrhundertealten Institution handelt. Die königliche Familie zieht sich auf den Landsitz Balmoral zurück, einerseits um die Prinzen zu schützen, aber auch um den Todesfall als Privatsache zu behandeln. Angesichts einer solchen Tragödie nicht mit dem Protokoll brechen zu können oder zu wollen, dieses Verhalten akzeptiert das Volk nicht. Und zum ersten Mal, so scheint es, schätzt Elizabeth II. die Briten falsch ein. Anti-Monarchistische Tendenzen werden laut. Doch statt nur seinen eigenen Vorteil aus der schlechten Stimmung zu ziehen und seine Beliebtheit weiter zu steigern, schlägt der in der Öffentlichkeit aktive Tony Blair mit seinen aalglatten PR-Beratern eine Bresche für die Regentin.

Es gibt immer jemand, der plaudert. Damit müssen die Royals klarkommen, denn sie werden in den Schlagzeilen ebenso damit konfrontiert wie im nächsten Enthüllungsroman von einem Mitglied der Dienerschaft. In diesem Fall aber fördern die Informationen aus verschiedenen Publikationen und Gesprächen mit Menschen aus dem Umfeld der Queen und der Blairs die Authentizität des Drehbuchs von Peter Morgan. Und dieses wurde beim Filmfestival von Venedig 2006 ausgezeichnet. Ebenso wie die Hauptdarstellerin Helen Mirren, die auch als Top-Favoritin bei der nächsten Oscar-Verleihung gilt. Ganz so falsch kann Morgan mit seiner Version trotz spekulativer privater Momente nicht liegen. Die Queen zeigte sich Insidern zufolge "most definetely amused" und bittet das Team Anfang 2007 zum Lunch.

Sich und den Traditionen treu bleiben, in einer Zeit, die auf Schein statt Sein und Veränderung statt Kontinuität setzt - ob es Elizabeth II. wohl überrascht hat, dass ausgerechnet der links ausgerichtete Filmemacher Stephen Frears ("Mrs. Henderson präsentiert", "Gefährliche Liebschaften", "Mein wunderbarer Waschsalon") ihr für diese Haltung Respekt entgegenbringt? Auch wenn aus ihr keine Queen der Herzen wird, gewinnt sie doch die Achtung der Zuschauer. Als Knallchargen werden andere aus ihrer Entourage gezeigt, darunter der zynisch gezeichnete Prinz Phillip (James Cromwell) und der opportunistisch wirkende Prinz Charles (Alex Jennings). "Die Queen" erweist sich als heiter gelassenes, kluges und unterhaltsames Meisterwerk mit doppeldeutigen, brillanten Dialogen. Wenn möglich diesen Film auf Englisch mit deutschen Untertiteln ansehen - you'll be amused!

Diemuth Schmidt

Credits:
V:Concorde, GB 2006, R: Stephen Frears, D: Helen Mirren, James Cromwell, Alex Jennings u.a.

Laufzeit: 97 Min.

Kinostart:
11.01.07


Der tragische Tod Dianas stellt die Queen (Helen Mirren) und das gesamte Königshaus auf eine harte Bewährungsprobe.
Der tragische Tod Dianas stellt die Queen (Helen Mirren) und das gesamte Königshaus auf eine harte Bewährungsprobe. (2006 Concorde Filmverleih GmbH)

Für Queen Elisabeth II. (Helen Mirren) ist Trauer reine Privatsache.
Für Queen Elisabeth II. (Helen Mirren) ist Trauer reine Privatsache. (2006 Concorde Filmverleih GmbH)

Premierminister Tony Blair (Michael Sheen, rechts) unterstützt Prinz Charles (Alex Jennings) bei der öffentlichen Trauerarbeit.
Premierminister Tony Blair (Michael Sheen, rechts) unterstützt Prinz Charles (Alex Jennings) bei der öffentlichen Trauerarbeit. (2006 Concorde Filmverleih GmbH)

Datum: 06.01.2007

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Diskussion: "The Queen"

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