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Mein Führer - Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler

Mein Führer - Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler

(tsch) Es sollte keine Zeit mit der Frage verschwendet werden, ob man diesen Film machen darf. Natürlich darf man das. Über 60 Jahre nach dem Ende des Dritten Reichs ist gegen eine Komödie zu diesem Thema grundsätzlich nichts einzuwenden, sofern sie sich Banalem verweigert und nicht nur auf einfachen Slapstick setzt. Dem Film mit dem spröden Titel "Mein Führer - Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler" ist in dieser Hinsicht ohnehin nichts vorzuwerfen. Also: Natürlich darf man diese Komödie machen. Nur: Muss man es auch?

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Nach der 90-minütigen, mal komischen, mal tragischen, mal mitunter auch brutalen Verballhornung Hitlers und seines Machtapparats bleibt in jedem Fall die Erkenntnis zurück, so skurril sie klingt, kurzweilig unterhalten worden zu sein und einige Male laut gelacht zu haben. Doch eine Politsatire muss natürlich mehr wollen. Ein Anspruch, den Regisseur Dani Levy sicher hatte, der aber nicht durchgängig durchzuhalten war.

Ein ums andere Mal weckt "Mein Führer" die Erinnerung an Charlie Chaplins Meisterwerk "Der große Diktator". Autor und Regisseur Levy will sich diesem Vergleich auch gar nicht verschließen, sondern erinnert gar in einigen Passagen ganz direkt an den Film, der 1940 entstand. Nur gibt er Adolf Hitler viel offensichtlicher der Lächerlichkeit preis. Er überzieht weit mehr als es Chaplin tat. Und doch finden sich einige Szenen, die auch im Hollywood-Film ihren Platz haben könnten. Hitler im Schaumbad, mit einem Kriegsschiff statt der Gummiente spielend, zum Beispiel.

In der Wanne liegt Helge Schneider. Die Nachricht, dass er es sein würde, der Adolf Hitler spielt, überraschte zu Drehbeginn viele. Keinen der bekannten Charakterdarsteller wählte Levy aus. Er setzte vielmehr auf einen Komödianten und tat gut daran. Schneider geht zwar ab und an über das Ziel hinaus, macht also zu viel Comedy, aber er schafft eine Figur, die keineswegs eine akribische Kopie sein will, sondern sich auf Originalität statt auf Authentizität gründet. Eine schauspielerisch starke Leistung, zumal Schneider ohne all die ihm sonst eigenen Elemente der Komik auskommen muss. Er selbst ging mittlerweile auf Distanz und brachte den Film damit zusätzlich schon vorab in die Schlagzeilen. Er hätte sich, erklärte er in einem Interview, "mehr Adolf Hitler" gewünscht. Durch einen neuen Schnitt liege der Schwerpunkt nun zu sehr auf der jüdischen Geschichte. Ob diese Form der Promotion dem Erfolg des Films zu- oder abträglich ist? Schwer zu prognostizieren!

Unstrittig ist jedenfalls gleich zu Beginn: Hitler ist außer Form. Depressiv. Mutlos. Und das 1944, als das Deutsche Reich eh schon am Abgrund steht und fast jeder weiß, dass der totale Krieg im totalen Untergang enden wird. Und ausgerechnet jetzt steht eine große Rede an, mit der der "Größte Feldherr aller Zeiten" das Ruder noch einmal herumreißen soll. Da hat Goebbels (Sylvester Groth) eine Idee: Der Schauspiellehrer Adolf Grünbaum soll den Führer wieder in die Spur bringen. Grünbaum ist Jude und mit seiner Familie im KZ. Ulrich Mühe spielt diese Rolle, und es ist die einzige durchweg ernsthafte im Film, der einzige Zugang für den Zuschauer gleichermaßen. Denn die innere Zerrissenheit, der Grünbaum fortan ausgesetzt ist, wird bisweilen geradezu schmerzhaft deutlich.

"Herr Grünbaum. Diese Sache mit den Juden - die dürfen Sie nicht persönlich nehmen." Wenn der Film Sätze wie diese anbietet, wird er zur großen Politsatire. Wenn Grünbaum den Führer zu Liegestützen bittet, wird er banal. Es geht auf und ab, hin und her zwischen Satire und purer Comedy.

Es geht im Deutschland des neuen Jahrtausends sicher nicht darum, was Satire darf. Es geht darum, was sie will. Eine Frage, die hier schwer zu beantworten ist. Eine echte Botschaft gibt es nicht. "Mein Führer" ist eine Komödie, die vor allem den Beweis antritt, dass in Deutschland ein solcher Film eben nun möglich ist. Vielleicht war "Mein Führer" ja tatsächlich notwendig, wenngleich die deutsche Comedy und Satire rund um Harald Schmidt oder Oliver Kalkofe sowieso längst in Sachen Hitler-Persiflage jede Sorge zu den Akten gelegt hat. Nur: Will man Hitler beim Beischlaf-Versuch mit Eva Braun (Katja Riemann) wirklich sehen? Das wird jeder Kinogänger selbst entscheiden müssen.

Kai-Oliver Derks

Credits:
V:X Verleih, D 2006, R: Dani Levy, D: Helge Schneider, Ulrich Mühe, Sylvester Groth u.a.

Laufzeit: 90 Min.

Kinostart:
11.01.07


Kaum zu erkennen: Helge Schneider spielt in Dani Levys Film Adolf Hitler.
Kaum zu erkennen: Helge Schneider spielt in Dani Levys Film Adolf Hitler. (X Verleih)

Hitler (Helge Schneider, links) ist außer Form und soll bei dem Juden Grünbaum (Ulrich Mühe) Schauspielunterricht nehmen.
Hitler (Helge Schneider, links) ist außer Form und soll bei dem Juden Grünbaum (Ulrich Mühe) Schauspielunterricht nehmen. (X Verleih)

Der Führer (Helge Schneider) hat sich zum Schaumbad ein Spielzeug mit in die Wanne genommen.
Der Führer (Helge Schneider) hat sich zum Schaumbad ein Spielzeug mit in die Wanne genommen. (X Verleih)

Datum: 05.01.2007

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