(tsch) Lust auf eine Runde herzhaftes Lachen? Wie wäre es damit: Woody Allen als deprimierte Spermazelle, als Hofnarr im Kampf mit dem Keuschheitsgürtel oder als Latin Lover, dessen Frau nur in der Öffentlichkeit zum Orgasmus kommt? Dann ist "Was Sie schon immer über Sex wissen wollten" aus dem Jahr 1972 genau das Richtige. Es war die erste Produktion des amerikanischen Erfolgsregisseurs, die in Deutschland in die Kinos kam, und sie ist auch heute noch höchst sehenswert: ein herrliches Stück Film, das Woody Allen zeigt, wie er ist und wie er schon immer war: urkomisch und schön schrullig.
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Nach Dr. Reubens Sexualaufklärungsbuch, das Anfang der 70er-Jahre ein Bestseller in den USA war, entstanden sieben filmische Antworten auf dringende Fragen wie: Was ist Sodomie? Sind alle Transvestiten homosexuell? Was bin ich für ein Perverser? Und was geschieht während der Ejakulation? - "Ich hatte die Wahl, dies oder das Alte Testament zu verfilmen. Ich verfilmte Ersteres, weil es mehr Sinn machte. Es gibt wahrscheinlich eine Menge Leute, die meinen werden, dass dies ein schmutziger Film ist. Und genau mit diesen Leute rechne ich", erklärte Woody Allen vor gut 35 Jahren.
Entstanden ist ein amüsanter Episodenfilm, der diese sieben alles entscheidenden Fragen beantworten will, um sich ausgelassen sarkastisch und fantasievoll über den Sexboom der Hippiezeit lustig zu machen. Doch allzu schmutzig ist der Film nicht geworden. Woody Allen meidet Plumpheiten und Obszönitäten.
Das einzige Geschlechtsteil, das gewaltig (!) in Szene gesetzt wird, ist eine Mega-Silikon-Brust mit Körbchengröße 4.000. Während Allen erwartungsvolle Voyeuristen mit seiner chaotischen Aufklärungskunde eher enttäuschte, begeisterte seine Filmsatire die Kritiker. "Die populärwissenschaftlichen Banalitäten der Aufklärungswelle werden lustvoll karikiert; zugleich ergeben sich amüsante Genrepersiflagen", urteilte das "Lexikon des Internationalen Films".
Der inzwischen 71-jährige Woody Allen ist ein wenig runzeliger geworden und ergraut, aber keineswegs verkalkt: Noch immer dreht der Regisseur mit der runden Hornbrille fleißig einen Film pro Jahr und wandert auch mal zwischen den Genres. Er ist längst nicht mehr nur witzig, sondern hat das Zeug zum Tragödienmacher ("Match Point", 2005), ist sich aber auch im hohen, weisen Alter nicht zu schade, weniger Tiefgründiges und einfach Spaßiges zu drehen. Sein letzter Streich "Scoop - Der Knüller" (2006) mit Scarlett Johansson und Hugh Jackman in den Hauptrollen war eine humorvolle Mischung aus Komödie und Krimi. Das "Woody Allen Summer 2006 Project" - wieder eine Komödie - mit Colin Farrell, Ewan McGregor und Tom Wilkinson befindet sich gerade im Dreh.
Julia Schöppner
Bei Fabrizio (Woody Allen) und seiner Frau Gina (Louise Lasser) herrscht Flaute im Bett. (ARD / Degeto)
Der untalentierte Hofnarr (Woody Allen) sollte das Scherzen besser bleiben lassen. (ARD / Degeto)
Während seine Kollegen zum Abschuss bereit sind, bangt eine deprimierte Samenzelle (Woody Allen, zweiter von rechts) noch um ihre ungewisse Zukunft. (ARD / Degeto)
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