(tsch) Es ist der vergessene Krieg - zwischen dem Zweiten Weltkrieg und dem Vietnam-Krieg. Aber die koreanische Halbinsel brannte zwischen 1950 und 1953, die hier tobende Auseinandersetzung forderte mehr als vier Millionen Menschenopfer, 75 Prozent davon waren Zivilisten. Bis heute haben die beiden am 38. Grad nördlicher Breite geteilten Staaten keinen offiziellen Friedensvertrag abgeschlossen. "Brotherhood - Wenn Brüder aufeinander schießen" (2004) ist der erste Film aus Korea, der sich im Blockbuster-Format dem bislang tabuisierten Bürgerkrieg widmet und dabei nicht nur das Grauen im Großen zeigt, sondern auch die brutalen Auswirkungen im ganz Kleinen. Das Erste strahlt den erschütternden Antikriegsfilm zu später Stunde als TV-Premiere aus.
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Der 25. Juni 1950 sollte das Leben von Jin-seok (Won Bin) und seines älteren Bruders Jin-tae (Jang Dong-kun) für immer verändern. An diesem Tag brach der Krieg aus. Es spielt eigentlich keine Rolle, dass er vom kommunistisch kontrollierten Norden ausgelöst wurde. Innerhalb von nur drei Jahren kontrollierte mal die eine, mal die andere Seite fast das gesamte Land. Der Stellvertreterkrieg - China unterstützte den Norden, die USA und die UNO stehen dem Süden bei - wurde von beiden Seiten mit äußerster Brutalität und fanatischer Verbissenheit geführt.
Jin-seok und Jin-tae werden zwangsrekrutiert und erleben sofort die ganze Grausamkeit dieser Zeit. Um seinen jüngeren Bruder zu retten, meldet sich Jin-tae immer wieder freiwillig für die brisantesten Missionen. Wenn er genug Tapferkeit beweist, wird Jin-seok schneller aus dem Militärdienst entlassen. Jin-tae entwickelt bei den selbstmörderischen Missionen einen brutalen Ehrgeiz, verroht zusehends, foltert unbewaffnete Gefangene und wird innerlich ein Opfer seiner eigenen Gewalt, was zu einem Bruch mit Jin-seok führt.
Als die Armee nach anfänglichem Landverlust wieder die Heimatstadt der beiden erobert, muss Jin-tae mit ansehen, wie seine Verlobte von fanatischen Kommunistenhassern ermordet wird. Das bringt ihn völlig um den Verstand, sodass er in den Norden überläuft und es nur eine Frage der Zeit ist, wann sich die beiden Brüder auf dem Schlachtfeld gegenüber stehen.
Regisseur Kang Je-gyu hat mit "Brotherhood" einen zwiespältigen Film gemacht, der zehn Millionen Koreaner ins Kino lockte. Sein melodramatischer Anti-Kriegsfilm ist mit visueller Opulenz und ausgefeilten Special Effects klassisch und dramaturgisch tadellos inszeniert. Er reduziert die komplizierte politische Gemengelage aber auf einen einfachen Konflikt zwischen zwei Brüdern, den Kang Je-gyu dann allerdings konsequent und mit diabolischer Lust beobachtet, wobei er vor allem den Verfall bei Jin-taes präzise nachzeichnet.
Jener Verfall der Menschlichkeit, die Sinnlosigkeit des Krieges, der absurde Fanatismus auf beiden Seiten: Die Botschaft ist klar, wird aber wenig subtil vermittelt. Die schmutzig-blutigen Bilder sind technisch perfekt und innovativ. Die Magen umdrehenden Stahlgewitter und stakkatoartigen Schnitte lassen allerdings kein Entrinnen zu, sind in ihrer Deutlichkeit gnadenlos. Man wird überrumpelt und überrannt, mit Matsch, Blut und Hirnmasse bespritzt und dann von Granatsplittern und Gewehrkugeln durchlöchert. Am Ende bleiben die Gewissheit, einen technisch perfekten Film physisch erlebt zu haben, die dadurch bedingte Benommenheit und die Frage, ob die Deutlichkeit der Grausamkeiten nicht einer differenzierten Moral hätten weichen können. Sicher ist, dass "Brotherhood" im Gedächtnis bleibt.
Andreas Fischer
Bruderliebe wird zu Bruderhass: Irgendwann verliert Jin-tae (Jang Dong-kun, links) die Nerven und wird zu einem Monster. (ARD / Degeto)
Eine böse Ahnung beschleicht Jin-seok (Won Bin, links), seine Schwägerin Young-shin (Lee Eun-ju) und den älteren Bruder Jin-tae (Jang Dong-kun): Der Krieg ist ausgebrochen, und das Schicksal wird sie auseinander bringen. (ARD / Degeto)
Jin-seok (Won Bin, rechts) kann sich im Krieg immer auf seinen älteren Bruder Jin-tae (Jang Dong-kun) verlassen, der ihn unter Einsatz seines Lebens beschützt. (ARD / Degeto)
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