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Denzel Washington

Zuschauen, entspannen, nachdenken ...

Schauspieler Denzel Washington

(tsch) Denzel Washington lässt sich keine Schwäche anmerken. Dazu ist er zu versiert, ein Profi in dem Geschäft, das mit ihm schon Milliarden US-Dollar erwirtschaftet hat. Dennoch ist dem erfolgreichen Schauspieler, der wie nur wenige andere seiner Kollegen sowohl als Charakter- und als Actiondarsteller überzeugt, seine Müdigkeit anzusehen. Washington wirkt etwas neben sich, als er im Hamburger Hotel Vier Jahreszeiten auf dem reich gepolsterten Sessel Platz nimmt, um über sich und seinen neuen Thriller "Déjà Vu" (Start: 27.12.) zu sprechen. Das war bei seinem letzten Besuch in Deutschland noch ganz anders, als er zum Rachedrama "Man on Fire" tatsächlich Rede und Antwort stand. Doch heute ist ihm alles egal, alles scheint unwichtig: Wie wichtig ihm seine zahlreichen Auszeichnungen seien? "Dafür bin ich nicht hier", kommt es knapp zurück. Wofür er dann hier sei: "Das ist eine wirklich gute Frage", sagt's, lacht zum ersten Mal herzlich und lässt erahnen, dass auch ein abgeklärter Superstar bei aller Routine irgendwann genug bekommen kann vom Prominentenleben, dem Jetset und der ständigen Trennung von seiner Familie. Ein Interview, kurz vor seinem Geburtstag - am 28.12. wird Washington 52 Jahre alt.

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teleschau: Hatten Sie heute schon ein Déjà Vu?

Denzel Washington: Dafür ist es ja eigentlich noch viel zu früh am Morgen. Aber was Ihre Frage angeht, das kommt schon einem Déjà Vu gleich. Die ganze Situation hier mit Ihnen kommt mir schon irgendwie bekannt vor: Interviews am laufenden Band.

teleschau: Das klingt mehr nach Pflicht als nach Vergnügen. Wie stehen Sie zu Ihrem Beruf?

Washington: Mein Beruf ist nicht das, was ich bin, sondern bloß das, was ich mache - und keinesfalls das Wichtigste in meinem Leben. Ich schaue mir meine Filme auch nur einmal an, um informiert zu sein, damit ich darüber reden kann, wenn ich muss. Manchmal bleibe ich aber auch bei einem meiner Filme hängen, wenn sie im Fernsehen laufen. Dann zappe ich aber meistens schnell weiter, bis etwas kommt, was mich interessiert. Ich kann mich ganz gut vor mir selber verstecken.

teleschau: Gerade haben Sie ein Buch veröffentlicht. Streben Sie eine neue Karriere als Autor an?

Washington: Ich wurde gebeten, dieses Buch zu schreiben, um Fördergelder damit zu akquirieren. Es handelt sich dabei um eine Veröffentlichung, von deren Erlös 70 Prozent zur Unterstützung der "Boys and Girls Clubs" in den USA verwandt wird. Das sind gemeinnützige Organisationen, die Aktivitäten für Kinder und Jugendliche anbieten. Natürlich kam jetzt ein ganzer Rattenschwanz an Anfragen hinterher, ob ich mich auch mit diesem oder jenem Thema in einem Buch befassen wolle. Aber da halte ich mich lieber noch zurück. Und fragen Sie mich nicht nach meinen Memoiren. Dafür ist es noch viel zu früh. Es gibt noch viel zu erledigen.

teleschau: Es gibt Gerüchte, dass Sie im kommenden Jahr wieder hinter der Kamera aktiv werden. Worum geht es dabei?

Washington: Wir arbeiten derzeit an einem Drehbuch über die Lebensgeschichte von Sammy Davis Jr. Ich werde das Buch produzieren und vielleicht auch Regie führen. Ich kann ihn nicht spielen, dazu müsste ich sehr viel abnehmen, kleiner werden und tanzen lernen. Sammy Davis Jr. war ein sehr interessanter und offensichtlich hochtalentierter Mann. Manche Episoden aus seinem Leben sind unglaublich.

teleschau: Möchten Ihre Kinder in Ihre Fußstapfen treten und Schauspieler werden?

Washington: Wir werden sehen. Mein ältester Sohn spielt professionell Football. Ich selbst wollte früher Footballspieler werden, und so ist mein Traum doch noch in Erfüllung gegangen. Ich bin sehr stolz auf alle meine Kinder. Wenn jemand den Plan haben sollte, Schauspieler zu werden, würde ich ihn dazu ermutigen. Aber bisher ist diese Frage nie aufgetaucht.

teleschau: "Déjà Vu" spielt in New Orleans: Wie nahe ging es Ihnen, in einer Stadt zu drehen, die von Naturgewalt nahezu ausgelöscht wurde?

Washington: Spike Lee sagte ja, dass viele Amerikaner diese Katastrophe vergessen wollen. Aber ich halte es für eine gute Entscheidung, dass Regisseur Tony Scott auch nach der Hurrikane-Katastrophe an der Entscheidung festhielt, für die Dreharbeiten nach New Orleans zu gehen. Die Filmkommission des Staates Louisiana wollte uns unbedingt vor Ort haben. Die ganze Stadt dürstete förmlich nach einer Rückkehr der Industrie, welcher auch immer. Es war aber schlussendlich die alleinige Entscheidung von Tony Scott. Alleine schon, dass wir mit dem ganzen Filmstab da waren, brachte Geld in die Kassen, zum Beispiel der Hotels.

teleschau: Regisseur Spike Lee produzierte parallel zu den Dreharbeiten für "Déjà Vu" seine Dokumentation "When the Levees Broke". Haben Sie sich in dieser Zeit häufiger getroffen?

Washington: Spike Lee ist ein guter Freund, aber wir hatten nur einmal die Gelegenheit, uns zu treffen. Es ist wichtig, dass wir uns für diese Menschen, die so viel verloren haben, einsetzen, nicht nur als Amerikaner, sondern als Menschen. Ich rede nicht viel darüber, wie ich mich für wohltätige Zwecke engagiere, weil das für sich selbst sprechen soll. Um es so zu sagen: Wir haben nur eine begrenzte Menge an Zeit, um Gutes zu tun. Also sollten wir uns beeilen, so viel Gutes wie möglich zu leisten. Ich bin froh, dass wir auch mit diesem Film zumindest etwas an Unterstützung aufbringen konnten. Vielleicht kommen dadurch mehr Filmemacher nach New Orleans, um ihre Projekte zu realisieren. Auch das wäre eine große Hilfe.

teleschau: Gab es ein reales Ereignis wie einen Terroranschlag, an dem sich die Geschichte des Films orientierte?

Washington: In der Entwicklung der gesamten Geschichte haben wir uns an einen realen Agenten der US-Behörde für Alkohol, Tabak und Waffen gehalten, der auch in die Untersuchung des Bombenanschlags von Oklahoma City involviert war. Auch was den Terroristen im Film angeht, also Jim Caviezels Charakter, wurde sich als Modell sozusagen an den damaligen Vorfällen orientiert. Es war ja ein Amerikaner, der in seinem eigenen Land zum Terroristen wurde.

teleschau: Hat der Film in Ihren Augen eine politische Aussagekraft?

Washington: Ich möchte mich da nicht festlegen. Wenn Sie eine Kommentierung oder sogar Kritik realer politischer Tatsachen festgestellt haben, dann ist das ihre Lesart, die sehr gut möglich ist. Ich werde häufig gefragt, wie meine Filme interpretiert werden sollen. Darauf gibt es aber leider keine eindeutige Antwort. Es kommt immer darauf an, was der einzelne Zuschauer an Vorwissen und Einstellungen mit ins Kino bringt. Was "Déjà Vu" angeht, steht aber auf jeden Fall die Unterhaltung im Vordergrund. Es ist eine rasante Achterbahnfahrt.

teleschau: Hatten Sie Einfluss auf die Ausrichtung des Films?

Washington: Als ich das Drehbuch zum ersten Mal in der Hand hatte, las es sich eher wie ein Science-Fiction-Film. Aber es stellte sich schon früh heraus, dass ich Tony darin vertrauen konnte, dass er lieber einen mehr faktischen Film machen wollte. So konzipierte ich meine Rolle auch klar in die Richtung, dass ich versuchte, die authentische Arbeit eines Ermittlers darzustellen und zu zeigen wie er reagiert, als er die einmalige Gelegenheit bekommt, das Leben einer Person, wie es sich vor viereinhalb Tagen zugetragen hat, wie einen Film und gleichsam doch real mitzuerleben. Unterm Strich geht es darum, ein Verbrechen aufzuklären und möglicherweise verhindern zu können. Das spielt also mit dem Wunsch wohl eines jeden Ermittlers, ein Verbrechen gar nicht erst geschehen zu lassen.

teleschau: Sie sind bekanntermaßen Ihr Leben lang sehr religiös. Wie passt eine solche Geschichte über Zeitreisen und Schicksalsspekulationen zu Ihrer Glaubensauffassung?

Washington: Vorsicht, man sollte dem Geschehen auf der Leinwand nicht allzu viel Gewicht beimessen. Es ist einfach nur ein Film, mehr nicht. Greif' dir eine Tüte Popcorn, lehne dich zurück und entspann' dich. Solch eine Art von Film ist das. Aber um meine persönliche Einstellung dazu zu umschreiben: Die Geschichte hat mich interessiert, auch weil wir ja bekanntermaßen nur zehn Prozent unseres Gehirns benutzen, manche sogar noch weniger, und mich eben interessiert, was es mit den restlichen 90 Prozent auf sich hat. Ich vermute, dass da auch all diese Phänomene - die Déjà Vus, der Instinkt, die Vorhersehungen - verborgen liegen.

teleschau: Wenn Sie die Möglichkeit hätten, in der Zeit zurückzureisen: Was würden Sie ändern wollen?

Washington: Ich würde rein gar nichts ändern wollen. Wie im Film gezeigt wird, hätte das riskante Konsequenzen: Wenn man eine Sache ändert, verändert sich auch alles andere unvorhersehbar und nicht notwendigerweise zum Besseren. Also würde ich mich hüten, so etwas anzustreben. Außerdem mag ich alles so, wie es ist. Aber im Film funktioniert diese Vision, weil ich interessant finde, wie mein Charakter auf diese für ihn vollkommen neue Erfindung reagiert und wie er versucht, mit ihr Gutes zu tun. Es ist einfach faszinierend, sich darüber Gedanken zu machen, was möglich wäre.

teleschau: Haben Sie das Gefühl, dass Sie von manchen Ihrer Filme auch etwas lernen können?

Washington: Das hoffe ich, und ich versuche jedes Mal mein Bestes. Ich gehe immer sehr offen an meine Projekte heran. Aber wenn ich mit ihnen fertig bin, schaue ich nicht zurück. Das ist mein grundsätzliches Credo: Nie zurückschauen, sondern im Hier und Jetzt leben.

teleschau: Ihre erfolgreichsten Filme zeigen Sie als Einzelkämpfer, der gegen das wie auch immer geartete Unrecht der Welt zu Felde tritt. Fühlen Sie sich zu solchen Rollen in besonderer Weise hingezogen?

Washington: Ich bin mir nicht sicher, ob das stimmt. Zumindest habe ich mir darüber noch keine Gedanken gemacht und wähle meine Rollen nicht nach diesen Kriterien aus. Ich kann schon verstehen, dass dies eine nützliche Formel für die Filmindustrie ist, um einen Film zu vermarkten und zum Erfolg zu führen. Aber mir ist das nicht wichtig.

teleschau: Sie sind in Ihrer Karriere stets viel gereist, waren und sind wegen Dreharbeiten rund um den Globus häufig fort von zu Hause. Wie hat sich Ihre Familie damit arrangiert?

Washington: Das ist ein Charakteristikum meiner Arbeit, und wir haben damit schon lange Jahre zu kämpfen. Aber wir haben uns darauf verständigt, dass ich versuche, zumindest jedes Wochenende zu Hause zu sein. Ich komme also regelmäßig heim, bin auch schon jetzt wieder auf dem Sprung. Ich freue mich auf meine Lieben.

Leif Kramp


Denzel Washington kam nach Hamburg, um seinen neuen Film "Déjà Vu - Wettlauf gegen die Zeit" (Start: 27.12.) vorzustellen.
Denzel Washington kam nach Hamburg, um seinen neuen Film "Déjà Vu - Wettlauf gegen die Zeit" (Start: 27.12.) vorzustellen. (Buena Vista)

Gemeinsam mit Paula Patton besuchte Denzel Washington Deutschland, um seinen neuen Film vorzustellen.
Gemeinsam mit Paula Patton besuchte Denzel Washington Deutschland, um seinen neuen Film vorzustellen. (Buena Vista)

Special-Agent Doug Carlin (Denzel Washington) wird in ein geheimes Projekt der Regierung eingeweiht.
Special-Agent Doug Carlin (Denzel Washington) wird in ein geheimes Projekt der Regierung eingeweiht. (Touchstone Pictures / Jerry Bruckheimer Inc. / Robert Zuckerman)

Datum: 06.01.2007

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Diskussion: "Denzel Washington"

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