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Neil Young - Living With War: In the Beginning
Neil Young Living With War - In the BeginningAnzeige
Manchmal muss einfach alles raus, in die Welt geschrieen werden. All der Zorn, die Hilflosigkeit und die Verständnislosigkeit ob der Ignoranz. Als Neil Young im Mai 2006 sein Album "Living With War" veröffentlichte, wurde er so deutlich, wie seit 30 Jahren nicht mehr. Der Kanadier prangerte an, er nannte Missstände bei Vor- und Zunamen sowie Adresse und hatte es schlichtweg satt, schweigend zuzusehen, wie die Welt zugrunde geht. Die allerdings drehte sich unbeeindruckt weiter und Neil Young konsequent die Verstärker auf. "Living with War - In The Beginning" ist noch roher, heftiger und ungebügelter. Hier gibt es vor allem heulende Gitarren, Verstärker und eine Stimme, die keine Scheu hat, sich auch mal zu überschlagen. "In The Beginning" ist die blanke Wut. Und das ist gut. So deutlich wie auf "Living With War" ist lange niemand geworden, nun aber hat Neil Young die Energie seiner Texte, dieses getriebene, bewusste Sloganizing - vielleicht sind Parolen ja wirklich die einzige Möglichkeit, sich noch Gehör zu verschaffen - auch musikalisch konsequenter umgesetzt. Hier spricht einer, der die Schnauze gestrichen voll hat. In so einer Situation ist Polemik gefragt, da müssen Forderungen gestellt werden, da ist Provokation Pflicht. "Living With War" ist kraftvoll und ungeschliffen wie es normalerweise nur die Jugend ist, die nicht bereit ist, Kompromisse einzugehen. Hier wird also nicht nach Metaphern gesucht, hier wird Klartext geredet: "We had a chance to change our minds / but somehow wisdom was hard to find," heißt es in "Shock And Awe". Das muss nicht glatt klingen, da darf es zur Sache gehen, da müssen Gitarren jaulen, Drums und Bässe stampfen, gelegentliche Bläsersätze quaken. Es klingt als stünde der Kanadier in irgendeiner amerikanischen Garage im, sagen wir mal "Bible Belt", also den konservativ-christlichen Staaten im mittleren Westen oder im Süden, und schrammelt drauf los. Und das ist keineswegs nur eine Abrechnnung mit den Leuten, die "irgendwo da oben" sind und über die Köpfe des Volkes wegregieren. Ein Song wie "Let's Impeach The President" ist auch ein Statement gegen den rückwartsgewandten Neo-Konservatismus, der in der globaliserten Welt so schön gedeihen kann. Irgendwer hat George W. Bush, den Young offen der Lüge, der Misswirtschaft und der Kriegstreiberei bezichtigt, ins Amt gewählt. Beim ersten Mal mag es ein Versehen gewesen sein, beim zweiten Mal war es Absicht. Zum Glück ist Neil Young einer, der beim kleinen Mann ankommt. Ob sich Politiker mit seinem Album, dem in der Special Edition auch eine DVD mit Clips zu den Songs beigelegt ist, beschäftigen, ist reichlich egal. Wichtig ist, dass es unten gehört wird. Weil sich von dort am meisten ändern lässt. Andreas Fischer |
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