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Sean Penn
Rebell im RuhestandSchauspieler Sean Penn (tsch) Es ging um Sex, um Alkohol, um Raufereien. Damals. Für den Schauspieler Sean Penn interessierte sich kaum jemand. Heute ist der 46-Jährige in den Schlagzeilen, weil der erklärte Irak-Krieg-Gegner schon mal nach Bagdad reist, um sich ein eigenes Bild von den dort herrschenden Zuständen zu machen. Oder weil er wieder einmal in einem respektierlichen Film zu sehen ist. Seit seiner Rolle als zum Tode Verurteilter in dem ergreifenden Drama "Dead Man Walking" (1995) ist Hollywood beeindruckt. Sean Penn zeigt Bewegendes ("Ich bin Sam"), Tiefgehendes ("21 Gramm"), Spannendes (für seine Rolle in "Mystic River" wurde er als bester Schauspieler mit dem Oscar geehrt). Nun lässt er sich auf "Das Spiel der Macht" ein. In Steven Zaillians Noir-Polit-Thriller schlüpft Sean Penn in die Rolle des aufstrebenden Politikers Willie Stark. Anzeige
Seit geraumer Zeit schon spielen sich Dramen in Penns Leben lediglich vor der Kamera ab. Dahinter ist er Ehemann - 1996 heiratete er die Schauspielerin Robin Wright Penn - und zweifacher Familienvater. Längst vorbei die Zeiten, in denen die am Ende desaströse Ehe zu Pop-Diva Madonna tagein, tagaus für schmutzige Schlagzeilen sorgte. Doch auch wenn sich heute Hollywood darin einig ist, dass dieser Mann zu den flexibelsten, einfühlsamsten und "erstaunlichsten" Schauspielern zählt, scheint man dennoch nie so recht auf ein kleines Negativ-Attribut verzichten zu wollen. "Er ist erstaunlich und kompliziert", sagte etwa Patricia Clarkson während der Dreharbeiten zu "Das Spiel der Macht" über ihren Kollegen. Sean Penn spielt in dem Polit-Thriller (er basiert auf Robert Penn Warrens Pulitzerpreis-gekröntem Roman und ist ein Remake von Robert Rossens Politthriller "Der Mann, der herrschen wollte", 1949), Willie Stark, einen einfachen Südstaatler, der den Traum von Gerechtigkeit träumt. Beinahe fanatische Züge verleiht der Darsteller dem Provinz-Politiker, der in flammenden Reden gegen die keimende Korruption wettert und sich für die Armen und Unterprivilegierten stark machen will. Doch auf dem steilen Weg nach oben, verfängt sich Willie Stark selbst immer tiefer in einem Netz aus Bestechung, Macht und Gier. Eine charismatische, kontroverse Figur, für die Regisseur Steven Zaillian keinen anderen als Sean Penn haben wollte. "Er wird zu der Figur, die er spielt. Er frisst sich förmlich in sie hinein", lobte er die akribische Arbeitsweise des Hollywoodstars. "Sean ist voller Power, nachdenklich und charismatisch. Er hat all die Qualitäten, die auch Willie Stark auszeichnen. Niemand sonst versteht die Rolle besser als er." Nicht zuletzt, weil Stark ein gebrochener Mann ist, der zwischen seinen Idealen und sich selbst steht, dessen Träume an der Realität zerplatzen und der daran zugrunde zu gehen droht. Figuren wie diese sind es, die Sean Penn immer wieder reizen, die wie gemacht zu sein scheinen für den Schauspieler, der einst über sich sagte: "Ich verkörpere für die Menschen jemanden, der am Ende ist, keine Hoffnungen mehr hat." Andere hingegen, wie der Schauspieler David Morse, sagen über den Oscarpreisträger: "Ich halte ihn für einen Kämpfer im besten Sinne: Er kämpft bedingungslos für die Menschen, und das, was er für gut hält." Morse war Hauptdarsteller in Penns erster Regiearbeit "The Indian Runner" (1991). Das ambitionierte Familiendrama, zu dem Penn auch das Buch verfasste, fiel beim Kinopublikum allerdings gnadenlos durch. In Momenten, Niederlagen wie diesen, von denen es einige in Sean Penns Filmografie gab, erwacht denn in der Tat immer wieder der Kämpfer in ihm. "The Indian Runner" sollte nicht seine letzte Arbeit hinter der Kamera bleiben. Es folgten etwa die von Kritikern gelobte Dürrenmatt-Verfilmung "Das Versprechen" (2000) mit Jack Nicholson in der Hauptrolle, sowie ein Elf-Minuten-neun-Sekunden-Beitrag zum Episodenfilm "11'09'01 - September 11" (2002). Hinter der Kamera scheint Sean Penn seine wahre Passion gefunden zu haben: "Ich hätte früher mit dem Regieführen anfangen sollen." Derzeit leitet er die Dreharbeiten zu dem Abenteuerfilm "Into the Wild", zu dem er selbst auch das Drehbuch schrieb. Die Story basiert auf einer wahren Geschichte, die von einem jungen Mann erzählt, der seine hoffnungsvolle Zukunft und seine Besitztümer aufgibt, um ein Leben in der Wildnis von Alaska zu beginnen. Wenige Monate später wird er tot auf einem Campingplatz gefunden. Auch vor der Kamera agiert Hollywoods ehemaliges Enfant terrible fleißig weiter. Derzeit dreht Sean Penn unter der Regie von Barry Levinson die Komödie "What just happened". Darin spielt er an der Seite des großen Robert De Niro, mit dem Penn früher aufgrund seiner beinahe besessenen Rollenvorbereitung verglichen wurde. Eine Zeit lang hatte er unter Kollegen sogar den Spitznamen "Sean De Niro". Nina Hortig |
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