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Der Elefantenmensch

Der Elefantenmensch

(tsch) Überdimensionale Zehen und Finger, vergrößerte Extremitäten, eine deformierte Körperhälfte - nur bis zu 200 Fälle des Proteus-Syndroms, eines seltenen Gendefekts, wurden weltweit bislang beschrieben. Einer davon ist John Merrick. Aufgrund schwerer Deformationen wurde Merrick Ende des 19. Jahrhunderts als "Elefantenmensch" bekannt. Verschiedene Schausteller missbrauchten den Kranken für ihre Geschäfte und ließen ihn als "Monster" auf Jahrmärkten posieren. Joseph "John" Merrick starb im Alter von nur 28 Jahren. David Lynch hingegen machte ihn unsterblich. 1980 beschrieb der Regisseur in dem sensiblen Drama "Der Elefantenmensch" Merricks Biografie. ARTE wiederholt nun das Leben und Leiden des jungen Mannes.

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London 1884: Der junge Chirurg Frederick Treves (Anthony Hopkins) entdeckt auf einem Jahrmarkt die neueste Attraktion - den "Elefantenmenschen". Treves kann den Budenbesitzer Bytes (Freddie Jones) überreden, ihm den Elefantenmenschen für ärztliche Untersuchungen zu überlassen. Hinter dem behinderten, deformierten Wesen verbirgt sich ein intelligenter, äußerst sensibler junger Mann (John Hurt erhielt 1981 für seine Darbietung den British Academy of Film and Television Arts Award als bester Schauspieler). Von der Außenwelt wird Merrick aufgrund seines abschreckenden Aussehens als schwachsinnig und gemeingefährlich eingestuft, verspottet und verachtet. Das Haupt des jungen Mannes, das einen Umfang von einem Meter misst, ist meist schamvoll gesenkt, aus dem asymmetrisch verschobenen Gesicht blicken tieftraurige Augen.

War Treves zu Beginn lediglich von wissenschaftlichem Ehrgeiz getrieben, so bewegt ihn schließlich das Schicksal des "Elefantenmannes". Der Arzt wird Johns Freund, der einzige. Der honorige Mediziner führt seinen Patienten in die Londoner High Society ein. Doch hinter freundlicher Fassade will auch der städtische Hochadel nur seinen Sensationsdurst an Merricks Anblick stillen. Der Traum von gesellschaftlichem Aufstieg, von Akzeptanz und Toleranz bleibt oberflächlich und ist nur von kurzer Dauer. Bald schon holen Merrick seine Vergangenheit und der frühere "Besitzer" ein.

Der Sensationsgier und Schaulust der Leute für Dinge, die scheinbar anders sind, setzt David Lynch bewusst ein unprätentiöses und dennoch tief bewegendes Drama entgegen, das auf Effektehascherei verzichtet. Auf den Aufzeichnungen eines Londoner Arztes beruhend, zeichnet er das tragische Leben des Joseph Merrick nach, der rein äußerlich nur wenig menschliche Züge erkennen ließ. Erst 1986 wurde das seltene Proteus-Syndrom als Ursache für seine Deformationen identifiziert. Zur Zeit der Entstehung des Films war der genetische Defekt gänzlich unbekannt.

Lynch konnte eine Riege bekannter Hollywood-Stars für sein zweites Werk gewinnen, das dem Filmemacher schließlich zum Durchbruch verhalf. David Lynchs Film ist ein eindringlicher Appell an Toleranz und Menschlichkeit, der seinen Höhepunkt erreicht, wenn John Merrick qualvoll in die gaffende Menge schreit: "Ich bin kein Tier! Ich bin ein menschliches Wesen! Ich ... bin ... ein Mensch!"

Das Drama in Schwarzweiß bildet den Auftakt zu einer Werkschau des Regisseurs. Am Mittwoch, 14.02., zeigt ARTE um 22.25 Uhr den verstörenden Erotik-Thriller "Blue Velvet" (1986). Am Donnerstag, 15.02., 20.40 Uhr, schließt die David-Lynch-Reihe mit seinem ungewöhnlichen Roadmovie "Eine wahre Geschichte - The Straight Story" (1999).

Nina Hortig


John Merrick (John Hurt) ist von einer seltenen Krankheit schwer entstellt. Geschwülste und Verformungen verleihen dem jungen Mann ein elefantenartiges Aussehen.
John Merrick (John Hurt) ist von einer seltenen Krankheit schwer entstellt. Geschwülste und Verformungen verleihen dem jungen Mann ein elefantenartiges Aussehen. (ARTE)

Der Budenbesitzer Bytes (Freddie Jones) will John (John Hurt) als Attraktion in seinem Zirkus ausstellen.
Der Budenbesitzer Bytes (Freddie Jones) will John (John Hurt) als Attraktion in seinem Zirkus ausstellen. (ARTE)

Der junge Chirurg Frederick Treves (Anthony Hopkins) ist getrieben von Mitleid und zugleich fachlicher Faszination für den "Elefantenmensch".
Der junge Chirurg Frederick Treves (Anthony Hopkins) ist getrieben von Mitleid und zugleich fachlicher Faszination für den "Elefantenmensch". (ARTE)

Datum: 06.02.2007

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Artikel ID 179625

 
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