Lichter

Lichter

(tsch) Die Wirklichkeit hat nicht viel zu bieten. Nicht in Frankfurt / Oder und nicht in Slubice, auf der anderen Seite des Flusses. Aber die Menschen, die dort leben, müssen mit dieser Wirklichkeit zurechtkommen. Kein Wunder, dass sie große Träume haben. Träume, die sie am Leben erhalten, Träume, die ihnen immer wieder Kraft geben, Träume, mit denen die scharfen Kanten der Realität entgratet werden können. Manchmal sind die Träume groß und handeln von Liebe, gesicherter Existenz oder einer besseren Zukunft. Manchmal sind sie aber auch ganz klein und beinhalten nur ein zauberhaftes Kommunionskleid für die Tochter. Hans-Christian Schmid ("Crazy", "Requiem") fokussiert für "Lichter" (2002) 48 Stunden lang die Grenze zwischen arm (Ostdeutschland) und ärmer (Polen) und erzählt recht düstere Geschichten von den Menschen, die dort klarkommen müssen.

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Traum und Wirklichkeit prallen am Grenzfluss zwischen Ost und West unsanft aufeinander: Ukrainer auf dem Weg in den golden Westen werden von ihren Schleppern gelinkt und kurz vor der deutsch-polnischen Grenze ins Ungewisse geschickt. Kolja landet beim Bundesgrenzschutz, wo sich Dolmetscherin Sonja um ihn kümmert. Ingo hat in Frankfurt mit seinem Matratzengeschäft Pech und feuert Milena. Deren Tochter wünscht sich ein Kommunionskleid, wofür das Geld nicht reicht. Also versucht der Vater das Geld um jeden Preis aufzutreiben, und wird selbst zum Schlepper. Dann ist da noch Andreas, der in Katharina verliebt ist. Die ist aus dem Jugendheim ausgebrochen und mit Andreas' Bruder Marko zusammen. Alle drei schmuggeln sie Zigaretten, die Maik verhehlt. Der Deutsche Philip hingegen trifft auf einer Geschäftsreise seine polnische Ex-Freundin Beata wieder und muss erkennen, dass es keine Liebe ohne Verantwortung gibt.

Hans-Christian Schmid beschönigt nichts: "Lichter" ist ein schmerzhaft realistischer Blick in die Befindlichkeit der Menschen in einem trostlosen Landstrich. Ihre Schicksale sind alltägliche Geschichten von der Suche nach dem Glück. Ein kurzer, zweitägiger Ausschnitt aus dem Leben, das hüben wie drüben ein täglicher Kampf ist. Die kleinen Episoden und deren lose Verbindung schaffen eine kraftvolle Atmosphäre, die Handkamera bleibt dicht an den Protagonisten dran, gibt den großartigen Schauspielern dadurch Raum, sich zu entfalten und verstärkt die Authentizität. "Lichter" ist ob seiner Glaubwürdigkeit aufwühlend und bewegend. Einer der besten deutschen Filme der letzten Jahre.

Andreas Fischer


Der junge Architekt Philip (August Diehl) trifft nach zwei Jahren in Slubice seine ehemalige Freundin Beata (Julia Krynke) wieder - für ihn ein Wink des Schicksals.
Der junge Architekt Philip (August Diehl) trifft nach zwei Jahren in Slubice seine ehemalige Freundin Beata (Julia Krynke) wieder - für ihn ein Wink des Schicksals. (ZDF / Gerald von Voris / Prokino Filmverleih GmbH)

Der polnische Taxifahrer Antoni (Zbigniew Zamachowski) hat endlich das Geld für ein Kommunionskleid für seine Tochter zusammen.
Der polnische Taxifahrer Antoni (Zbigniew Zamachowski) hat endlich das Geld für ein Kommunionskleid für seine Tochter zusammen. (ZDF / Gerald von Voris / Prokino Filmverleih GmbH)

Katharina (Alice Dwyer) und Marko (Martin Kiefer) schmuggeln Zigaretten aus Polen nach Deutschland.
Katharina (Alice Dwyer) und Marko (Martin Kiefer) schmuggeln Zigaretten aus Polen nach Deutschland. (ZDF / Gerald von Voris / Prokino Filmverleih GmbH)

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