Halbe Treppe
(tsch) Wie trostlos! Wie missraten! Wie bemitleidenswert! Andreas Dresen kennt die - nicht mehr ganz so - neuen Bundesländer haargenau, ist er doch ein Kind Geras, nicht gerade eine Perle des blühenden Ostens. Der inzwischen 42-jährige Regisseur hat sich im Verlauf seiner Karriere wiederholt mit dem Leben der kleinen Leute zwischen der Insel Rügen und dem Erzgebirge beschäftigt. 2002 schuf er in den Plattenbauten von Frankfurt (Oder) ein beeindruckendes filmisches Kleinod: "Halbe Treppe", ein philosophisch angehauchtes Stück über die Mitte des Lebens, wird nun bei 3sat wiederholt. Der Film wurde in Berlin 2002 mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet und erhielt die "Silberne Lola" bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises.
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Die Protagonisten hängen fest zwischen dem "Nicht-Mehr-Jung-Sein" und "Bald-Schon-Sehr-Alt-Sein". Sie kennen zwar keinen Luxus, aber ihr Alltag funktioniert, muss ja. Thorsten Merten und Gabriela Maria Schmeide spielen die Dürings, ein desillusioniertes Paar mittleren Alters, das am Küchentisch und im Bett keine großen Unterhaltungen mehr führt. Axel Prahl als Imbissbuden-Bratling Uwe Kukowski frittiert lieber Pommes, als sich mit Frau und Tochter zu beschäftigen.Ellen, seine angetraute, aber vergessene große Liebe nähert sich schon bald dem nach Abwechslung gierenden Chris Düring an. Natürlich kann so eine Affäre im Niemandsland der Belanglosigkeiten nicht gelingen: Sie fliegen auf, doch neben großer Enttäuschungen bei beiden Paaren werden die Karten neu gemischt. Konfrontation statt ewig gleicher Trott. Es kann ein Happy-End geben, allerdings von einer ähnlichen Schmutzschicht überzogen wie die Plattenbausiedlungen an der Grenze zu Polen. Andreas Dresen hat einen intensiven Charakterfilm geschaffen, den klassischen Mike-Leigh-Arbeiterfilmen nicht unähnlich. Ihm ist es gelungen, hintergründige philosophische Gedanken über den Sinn des Lebens mit knallharten Existenzfragen zu verbinden und ihnen mit der überbordenden, lebensbejahenden Musik der 17 Hippies die Schwere zu nehmen. "Halbe Treppe" hatte mehr als 440.000 Zuschauer in den deutschen Kinos, ein beachtlicher Erfolg für einen Film mit experimenteller Grundhaltung. Dresen ist ein Filmemacher, der auf unterhaltsame Weise menschliche Schicksale verdeutlichen kann und nebenbei noch harsche Gesellschaftskritik betreibt. So auch in "Willenbrock" (ebenfalls mit Axel Prahl, der für seine Rolle in "Halbe Treppe" den Bayerischen Filmpreis erhielt) und dem wunderbar heiteren "Sommer vorm Balkon" mit Inka Friedrich und Nadja Uhl.
Tom Ruder
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Eine Männerfreundschaft wird auf die Probe gestellt: Uwe (Axel Prahl, links) und Chris (Thorsten Merten). (ZDF / ARD / Degeto)
Chris (Thorsten Merten) und seine Frau Katrin (Gabriela Maria Schmeide) stecken in einer Krise. (ZDF / ARD / Degeto) |
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