Will Smith

"Auch Kinderschritte zählen ..."

Schauspieler Will Smith

(tsch) Ein Superstar, wie er lebt und lacht: Will Smith kann es sich erlauben. Schließlich gelang ihm als Spaßmacher der Sprung vom Fernsehen nach Hollywood. Heute macht der umtriebige Entertainer sich nicht allein die Filmwelt Untertan, sondern ist auch als Rapper ein Multimillionen Dollar-Unternehmer. Niemand scheint perfekter zu einer Rolle zu passen, die den amerikanischen Traum erzählt - und das nach einem realen Vorbild. In "Das Streben nach Glück" (Bundesstart: 18.01.) spielt Smith einen Vater, der aufgrund beruflichen Misserfolgs samt Sohn von seinem Vermieter vor die Tür gesetzt wird, aber nicht aufgibt, sondern sein Heil bei einer Börsenmaklerfirma sucht. Dort will er nach einem unbezahlten Praktikum zum Großverdiener werden und sein Glück finden. Ganz authentisch geht es in der Geschichte zwar nicht zu, doch die Botschaft kommt an: Wer den nötigen Willen hat, kann alles schaffen. Im Interview spricht der 38-Jährige über die erste Zusammenarbeit mit seinem Sohn vor der Kamera und über die Zeit, als er selbst mal pleite war.

Anzeige

 

teleschau: Wie war es für Sie, mit Ihrem Sohn Seite an Seite zu spielen?

Will Smith: Es war alles in allem eine völlig neue Erfahrung. Ich war ganz der allwissende Papa, der seinem Sohnemann zeigen wollte, wie gut ich meinen Job kann und ihm zeige, wie man es richtig macht.

teleschau: Und das hat funktioniert?

Smith: Nun, ich wurde schneller vom Lehrer zum Schüler als es mir Recht war. Die Selbstverständlichkeit und Natürlichkeit, mit der Jaden an seine Rolle heranging, riss mich förmlich vom Hocker. Als Schauspieler kann man seinen Filmcharakter eigentlich nie einfach hinter sich lassen. Ich zumindest muss mit beiden Beinen in einer Szene stehen, wenn ich eine Rolle spiele. In einer Szene wie in der U-Bahnhofstoilette, in der ich mich mit Jaden für eine Nacht verkriechen muss, höre ich das "Action" oder "Schnitt" vom Regisseur gar nicht mehr. Aber mein Sohn tauchte noch viel tiefer in die Geschichte ein und vergoss nach einer Szene, in der er weinte, manchmal noch 20 Minuten danach Tränen, obwohl die Kameras schon längst eingepackt waren.

teleschau: Hatten Sie da nicht Zweifel, ob der Job der richtige für ihn ist?

Smith: Natürlich machte ich mir sofort Gedanken. In diesen Momenten hätte ich es fast bereut, ihn mit ins Filmgeschäft genommen zu haben. Wie wird ihn das emotional beeinflussen? Schadet ihm das womöglich? Aber als ich versuchte ihn aufzumuntern und ihm erzählte, dass der Film auf Weltreise gehen werde und all die Menschen seine Leistung sehen und ihn bewundern würden, sagte er ganz trocken: "Ich will in Zukunft lieber Comedys machen."

teleschau: War es dann nicht besonders schwierig für Sie, Ihrem Sohn den Spaß an der Arbeit zu vermitteln?

Smith: Die erste Woche war es für mich besonders schwierig, mit der ganzen Situation zurechtzukommen. Ich achtete als Vater viel zu sehr darauf, wie er sich verhalten sollte. Da wurde ich aber von meiner Frau recht deutlich darauf hingewiesen, dass Jaden mein Co-Star sei. Wenn ich also ein Problem mit ihm als Schauspieler hätte, müsse ich mich schon an den Regisseur wenden. Und wenn ich ein Problem mit ihm als Mensch hätte, sei dafür die Mutter zuständig. Ich müsse ihn also gar nicht direkt bemühen.

teleschau: Hat Sie die Leistung Ihres Sohnes überrascht?

Smith: Er hat während der Dreharbeiten eine unglaubliche Entwicklung durchgemacht. Ich kann immer noch nicht glauben, wie etwas so Grandioses dabei herauskommen kann, nur weil ich mit meiner Frau einmal nach Mexiko gefahren bin und dort ein paar Tequila trank. Und nach neun Monaten tauchte er auf. Ist es nicht wundervoll, dass DNS so etwas tun kann?

teleschau: Eigentlich halten prominente Schauspieler ihren Nachwuchs aus den Medien. Wieso gehen Sie so offensiv mit ihm in die Öffentlichkeit?

Smith: Jaden ist wirklich bestens gewappnet. Er will einfach nur mit seiner Videospielkonsole allein gelassen werden und verschwendet nicht einen Gedanken an Medienrummel, Auszeichnungen und Blitzlichter. Meine Frau und ich finden, dass wir das Beste für unseren Sohn tun können, wenn wir ihn in eine Welt führen, die wir kennen. Und das ist nun mal die Filmindustrie. Er hat schon von klein auf verstanden, was wir beide beruflich machen und warum es uns Spaß macht. Er vertraut uns vollkommen.

teleschau: Würden Sie es gutheißen, wenn Ihr Sohn nun auch Schauspieler werden möchte?

Smith: Wir haben bereits einen ganzen Monat darüber diskutiert. Wir kamen letztendlich zu der Entscheidung, dass er ruhig Schauspieler werden soll. Schließlich ist die Welt schlecht und grausam genug, dass wir ihn lieber in einem Job sehen, in dem wir uns selbst gut auskennen. Wir wissen, wie das Filmgeschäft funktioniert. So können wir ihm zur Seite stehen und ihn beschützen vor allem Unheil. Stellen Sie sich vor, er würde Atomphysiker oder Basketballspieler: Wie könnte ich ihm da helfen?

teleschau: Wo ist Ihr Sohn gerade? Er wollte doch eigentlich mit Ihnen hier sein ...

Smith: Wir sind heute früh um drei Uhr nachts mit dem Flugzeug aus London eingetroffen. Er schläft gerade und muss sich noch vom Jetlag erholen. Er ist es noch nicht so gewöhnt, um die Welt zu fliegen. Aber der Film ist ja von Sony, da hat er eine PlayStation 3 bekommen. Davon kommt er gar nicht wieder los, hat nur noch die Spielerei im Kopf.

teleschau: Wie machen Sie Ihren Kindern klar, dass sie auch in ihrem Leben Leistung erbringen müssen und sich nicht auf ihr Erbe verlassen sollten?

Smith: Eine Freundin meiner sechsjährigen Tochter sagte ihr vor knapp sechs Monaten, dass sie reich sei. Vorher hatte sie das gar nicht einordnen können. Als sie dann zu mir kam und mich fragte, ob sie tatsächlich reich sei, antwortete ich ihr: "Nein, Mami und Papi sind reich. Du bist arm wie eine Kirchenmaus." Das hört sich zwar an, als würde ich Witze darüber machen, aber wir versuchen unseren Kindern wirklich beizubringen, dass sich etwas erst gut anfühlt, wenn man es sich verdient hat. Man schadet einem Menschen, wenn man ihm dem Grund nimmt, sich durchs Leben zu beißen.

teleschau: Deswegen sollen sie arbeiten?

Smith: Aber natürlich. Jaden war letztens müde, obwohl wir einen wichtigen öffentlichen Auftritt hatten. Da sagte ich ihm, dass er nun seinen Beitrag zur Familie leiste. Schließlich arbeiten wir alle im Unterhaltungsgeschäft, und ein Gang über den Roten Teppich ist Arbeit, kein Vergnügen. Als er von seiner Verantwortung hörte, fingen seine Augen an zu leuchten und er war so aufgeregt, dass er sofort hellwach war.

teleschau: Was ist Ihrer Meinung nach die wichtigste Botschaft des Films?

Smith: Ich habe Aliens und Roboter bekämpft und einige Male die Welt gerettet. Aber ich habe nie einen solch großen Helden gespielt wie Chris Gardner. Die Botschaft des Films ist: Wenn ich an etwas glaube, dann wird es auch wahr werden. Diese Auffassung habe ich schon von meiner Großmutter beigebracht bekommen. Man muss seine Ziele durchsetzen und fest an sie glauben. Man kann das arrogant nennen oder naiv. Ich aber nenne es real.

teleschau: War es für Sie mit ihrer steilen Karriere schwierig, sich in die Rolle hineinzuversetzen?

Smith: Was mir sehr dabei geholfen hat, waren die Ähnlichkeiten, die ich in der Beziehung zu meinem Vater erkannt habe. Das Verhalten, der Gang, die Mimik, wie ich Chris Gardner im Film spiele: Das ist mein Vater. Die zentrale Idee hat auch nichts mit finanzieller Not zu tun, sondern geht ganz universell um Lebenskampf, Schmerz und das unbändige Verlangen, eine bestimmte Person zu sein. Man muss nicht arm oder Amerikaner sein, um diese Botschaft zu verstehen.

teleschau: Was halten Sie für den amerikanischen Traum?

Smith: Es gibt ein großes Gefälle zwischen dem, was die Welt vom amerikanischen Traum hält und dem, was Amerika selbst darüber denkt. Das war der Grund, wieso ich einen italienischen Regisseur ausgewählt habe. Gabriele Muccino sagte bei unserem ersten Gespräch, dass er uns empfehle, selbst wenn die Wahl nicht auf ihn falle, auf keinen Fall einen amerikanischen Regisseur zu nehmen. Der amerikanische Traum könne nur von einem Außenstehenden authentisch verfilmt werden, weil die Amerikaner ihn als viel zu selbstverständlich hinnehmen würden. Die Idee, alles sein zu können, was man gerne möchte, und dass es ein Gesellschaftssystem gibt, dass es einem ermöglicht, sein Glück zu machen, ohne dass einem Knüppel zwischen die Beine geworfen werden, werde von Amerikanern nicht verstanden. Ich bin schwarz und gehöre damit zu einer 13-prozentigen Minderheit in den USA, und die Bürgerrechtsbewegung war eine Initiative, die Gesetze zu ändern imstande war. Das zeigt, wie viel Macht der Einzelne hat. Diese Idee des Strebens nach Glück, die der Sklavenbesitzer Thomas Jefferson in die Verfassung schrieb, wurde also in bizarrer Ironie von dem Afroamerikaner Chris Gardner verwirklicht.

teleschau: Gab es einen Grund, wieso die Rassismus-Problematik im Film komplett ausgeblendet wurde?

Smith: Das war Chris Gardner extrem wichtig. Er meint, dass man Grenzen und Hindernissen Macht gibt, wenn man ihnen Beachtung schenkt. Außerdem versicherte er uns, dass er sich an niemanden erinnern kann, der gegen ihn agierte in der gesamten Zeit, in der er für seinen Traum kämpfte. Alles kam auf ihn und ihn allein an. Es gab keine Widerstände, keine bösen Buben, sondern nur die Welt und das Leben, das einfach hart ist. Guten Menschen passieren schlimme Sachen. So ist es nun mal. Und man kann sein Schicksal nur selbst in die Hand nehmen.

teleschau: Kann der Film die Welt verbessern?

Smith: Auch Kinderschritte zählen. Hauptsache, es geht voran.

teleschau: Schön formuliert ...

Smith: Ich befinde mich an einem Punkt in meiner Karriere, an dem ich erkannt habe, dass Hoffnung ein integraler Bestandteil des Lebens ist. Wir alle stehen jeden Morgen auf, weil wir Hoffnung haben, dass das Heute besser wird als das Gestern. Ein Film, der dies transportieren kann und jemanden dazu inspiriert, weiter zu hoffen und einen weiteren Tag aus den Federn zu kommen, hat schon sein Ziel erreicht.

teleschau: Was bedeutet für Sie Glückseligkeit?

Smith: Sie ist für mich direkt verknüpft mit Selbstwertgefühl. Die Frage ist, ob man sich selbst als Mensch respektieren kann. Man muss sich selbst mögen - und die Art, wie man sich verhält. Daher sollte man sich hin und wieder von außen beobachten, um dann zu urteilen: Mag ich den Kerl oder nicht? Erst dann kann man wirklich glücklich sein.

teleschau: Welche Rolle spielt Geld dabei?

Smith: Aristoteles hat Glückseligkeit mit vier Elementen definiert: Gesundheit, Wohlstand, Selbstwertgefühl und Hoffnung. Demnach spielt also in gewisser Weise mit hinein, dass man eine finanzielle Stabilität haben muss, um glücklich zu sein. Maslows Hierarchie der menschlichen Bedürfnisse: Nahrung, Obdach und Medizin. Wenn man also davon ausgeht, ist Geld vollkommen unnötig, um glücklich zu sein. Finanzen spielen keine Rolle für einen Menschen, der wirklich von seiner Idee ergriffen ist. Es lassen sich viele hungrige Nächte durchleben, wenn man wirklich etwas schaffen möchte.

teleschau: Wollen Sie mit Ihren Filmen eine Inspirationsquelle sein?

Smith: Das ist tatsächlich eine Richtung, die ich mit meinen Filmen verstärkt einschlagen möchte. Ich möchte die Zuschauer zu etwas inspirieren, wie ich selbst umgeworfen wurde durch Filme wie "Star Wars" oder Michael Jacksons Musikvideo zu "Thriller". Jahrelang bin ich jeden Morgen aufgewacht und habe mir nur eine Frage gestellt: Wie kann ich die toppen? Ich konnte manchmal sogar kein Auge zu bekommen, weil ich nicht verstehen konnte, wie ein gewöhnlicher Mensch es schaffen konnte, die Gefühle eines anderen Menschen wie mich mit einer Arbeit wie dieser so zu beeinflussen.

teleschau: Haben Sie Ihr Ziel erreicht?

Smith: Noch nicht, aber ich bin nah dran.

teleschau: Sie sollen selbst schon einmal pleite gewesen sein. Wie haben Sie sich damals wieder aufgerafft?

Smith: Ich war 19 Jahre alt und total abgebrannt. Aber ich war allein, ein waschechter Single und hatte keine Familie zu versorgen. In meiner damaligen Lage habe ich mir einfach ein Fahrrad geschnappt und bin mit meinem Rucksack durch Europa geradelt, um zu schauen, wie es weitergehen kann. Aber mit Frau und Kind sieht alles schon ganz anders aus. Ich traf einmal eine Inderin in Bombay, die mir einen Gedanken in den Kopf setzte, der mich bis heute begleitet: Die größte Armut ist die Armut an Ideen. Das Konzept besagt, dass man mit einer Idee auch einen Grund hat, jeden Morgen auf die Beine zu kommen. Wo soll es mit einem denn ohne Ideen hingehen? Wie will man jemals eine Treppe erklimmen? Ich hatte also immer Vorstellungen von meinem Leben, obwohl ich nicht immer wusste, wie exakt ich es anstellen würde. Es gab kaum einen Morgen, an dem ich aufwachte, ohne zu wissen, in welche Richtung ich gehen wollte.

Leif Kramp

Seinen Film "Das Streben nach Glück" stellte Will Smith in Berlin bei einer Pressekonferenz vor.
Seinen Film "Das Streben nach Glück" stellte Will Smith in Berlin bei einer Pressekonferenz vor. (2007 Sony Pictures Releasing GmbH)
Obwohl er viele Sorgen hat, gelingt es Chris Gardner (Will Smith), seinen Sohn Christopher (Jaden Smith) etwas aufzuheitern.
Obwohl er viele Sorgen hat, gelingt es Chris Gardner (Will Smith), seinen Sohn Christopher (Jaden Smith) etwas aufzuheitern. (2006 Sony Pictures Releasing GmbH)
Chris Gardner (Will Smith) will nicht, dass sein Sohn (Jaden Smith) Hunger leidet.
Chris Gardner (Will Smith) will nicht, dass sein Sohn (Jaden Smith) Hunger leidet. (2006 Sony Pictures Releasing GmbH)

Datum: 13.01.2007

Diskussion: "Will Smith"

Um eine Diskussion zu "Will Smith" zu beginnen melden Sie sich bitte im Forum an. Wenn Sie noch nicht registriert sind, können sie sich jetzt registrieren um an den Diskussionen teilzunehmen.
VGW 180110

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten:

    I, Robot
    Sie haben einen HD-Skeptiker in Ihrem Freundeskreis, der dieses technische Wettrüsten im Wohnzimmer überhaupt nicht nachvollziehen kann und immer wieder betont, dass ein simples Gespann aus DVD-Player ...

    I Am Legend 2: Das Sequel ist diesmal ein Prequel
    Nach dem großen Kinoerfolg von "I Am Legend" soll es bald einen zweiten Teil geben. Regisseur Francis Lawrence und Schauspieler Will Smith planen eine erneute Zusammenarbeit für die Fortsetzung des Endzeit-Streifens. ...

    "Men In Black III"?
    Will Smith scheint gerade in der Stimmung für Fortsetzungen zu sein. Nachdem der Superstar sich bereits zu "I Am Legend 2" und "Hancock 2" verpflichtete, reizt ihn auch eine Neuauflage seiner "Men In Black"-Science-Fiction-Erfolge.

    Independence Day
    In der Titelfindung setzt Roland Emmerich auf Innovation: Zahlen sind die neuen Buchstaben! Genauer: Jahreszahlen. Jedenfalls betitelte der Hollywood-Schwabe sein jüngstes Werk "10.000 BC" (2007), und ...

    Will Smith will "Sieben Leben" retten
    „Sieben Leben“, aber wessen? Das Filmposter will das nicht verraten. Darauf ist nur Will Smith im Anzug zu sehen, völlig neutral nach vorn blickend. Regisseur Gabriele Muccino, der dem ewigen Actionhelden ...

    Will Smith spielt Captain Nemo?
    Will Smith (40, aktuell mit "Sieben Leben" im Kino zu sehen) ist ein echter Kassenmagnet. Kein Wunder, dass so ziemlich jeder Hollywood-Regisseur ihn verpflichten will. Gute Chancen für sein Anliegen dürfte ...


 
Partner von Fantastic Zero


itemid = 110 - id = 2522 - task = view - option = com_content - limitstart= 0