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Flags of Our Fathers
Flags of Our Fathers(tsch) Am 23. Februar ist es 62 Jahre her: Ein Fotograf der internationalen Nachrichtenagentur Associated Press erklomm auf der Insel Iwo Jima den Berg Suribachi und drückte instinktiv auf den Auslöser. Man sagt, er habe gar nicht durch den Sucher geschaut. Herauskam das wohl bekannteste Bild des Zweiten Weltkriegs, das nicht an der deutschen Front aufgenommen wurde, sondern im fernen Japan, als sich die USA nach dem Fall des Dritten Reichs im Land der aufgehenden Sonne noch harte Gefechte mit Japan lieferten. Die Invasion der Insel durch US-Soldaten und das Hissen der amerikanischen Flagge auf dem Berg gehört zu den großen Momenten der heute mächtigsten Nation der Welt. Anzeige
Das Foto war Quell zahlloser Interpretationen: Die Gesichter der Soldaten, die das schwere Wasserrohr, an dem kurzerhand die Flagge befestigt wurde, mit vereinten Kräften in den Himmel stemmten, sind nicht zu erkennen. Umso größer ist bis heute die kollektive Bedeutungskraft des festgehaltenen Moments. Das Motiv wurde manifestes Sinnbild durch das sechs Tonnen schwere Monument auf dem Nationalfriedhof von Arlington. Und doch hinkt dieses heroische Bild einer siegreichen Militärmacht, deren Eingreifen ins Kriegsgeschehen den Zweiten Weltkrieg zugunsten der Alliierten entschieden hatte: Nach dem vergoldeten Schnappschuss (das Foto wurde kurz später in fast jeder bedeutenden Zeitung der USA gedruckt) gingen die Kämpfe Monate lang weiter. Es fielen etwa 7.000 US-Soldaten, drei von ihnen waren bei der Flaggenszene dabei gewesen. Bereits drei Filme beschäftigten sich mit dem Thema beschäftigt, auch Countrylegende Johnny Cash tat das. Clint Eastwood, als Schauspieler legendär ("Dirty Harry", "Für eine Hand voll Dollar"), als Regisseur zweimal mit dem Oscar für den besten Film ausgezeichnet, nahm sich nun dieses ikonischen Moments der US-Historie an - erwartungsgemäß auf seine Art. Schon bevor der Film in Amerika in die Kinos kam, stand fest, dass sich der 76-Jährige nicht in blindem Patriotismus verlieren würde, sondern dass er ein möglichst realistisches, schwer zu verdauendes Gewaltdrama auf das Publikum loslassen würde. Er bemächtigte sich dazu eines Buchs, das der Sohn eines damaligen Sanitäters gemeinsam mit einem Schriftsteller verfasste und das rasenden Absatz fand. Herausgekommen ist ein schwieriges Erzählkonstrukt, das zwischen mehreren Ebenen hin und her springt, um die Zerrissenheit der Beteiligten zu ergründen: "Flags of Our Fathers". Benutzt von ihrer Regierung als Kriegshelden, daheim auf eine beispiellose Werbetour geschickt, um weitere finanzielle Mittel für die Kriegsmaschinerie zu akquirieren, und dabei nicht verstehend, wie von einem solch traumatischen Schrecken, von dem sie ein Teil waren, in ihrer Heimat ein solch anderes Bild generiert werden kann, werden sie allein gelassen in ihrer Verzweiflung. Höhepunkt: Die Nachstellung des Flagge-Aufstellens auf einem Berg aus Pappmaché in einem Baseball-Stadium. Hier wird der Film hochaktuell, schließlich erinnert diese Irreführung der Öffentlichkeit an den vergangenen Irakkrieg und all seine Umstände. Wenn Krieg bereits die Hölle ist - und daran lässt Regisseur Eastwood keinen Zweifel - wie schlimm muss dann die gelebte Lüge vom Heldentum sein? Eine Frage, die keineswegs die amerikanische Position kritisiert, aber doch klar macht, dass im Krieg selten zwischen Gut und Böse unterschieden werden kann. Besonders verstörend an den Kampfhandlungen vor sechs Jahrzehnten war das Alter der Soldaten: Viele waren noch Jugendliche oder gerade mal 20 Jahre jung. Die Darsteller, vor allem Ryan Phillippe, Jesse Badford und Adam Beach, wirken so jung und erfahrungslos wie es authentischer nicht sein könnte. Umso schockierender sind die grauenhaft dicken Blutströme, die den dunklen Strand der Insel hinabrinnen. Die Schlachtszenen wurden größtenteils an einem Küstenabschnitt in Island gedreht, wo es ähnlich schwarzen Sand wie auf der japanischen Insel gibt. In diesem Antikriegsfilm sterben Soldaten plötzlich, als wäre es der einzige Sinn des Krieges; schlimm nur, dass diese kalte Perspektive offenbar eine ist, die der Wahrheit am nächsten kommt. Eine Moral bietet "Flags of Our Fathers" nicht. Hier wird nicht getötet, um einen Kameraden zu rächen oder einen höheren Dienst zu leisten. Hier wird gestorben, weil im Krieg nun mal gestorben wird. Punkt. Interessant ist die Sicht auf eben diese Tatsache: Während in "Flags of Our Fathers" die Angst der amerikanischen Soldaten und ihre Hoffnung zu überleben gezeigt wird, dreht Eastwood in dem später in diesem Jahr anlaufenden Film "Letters from Iwa Jima" den Spieß um und setzt die japanische Perspektive in Szene. 22.000 japanische Verteidiger verloren ebenfalls ihr Leben, doch wurden diese Soldaten ausgebildet, um zu sterben. Leif Kramp |
Credits: Laufzeit: 131 Min. Kinostart:18.01.07 |
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