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Unser täglich Brot

Unser täglich Brot

(tsch) Was ist in der heutigen hoch industrialisierten Welt schon normal? Was ist natürlich? Stichwort Lebensmittelindustrie: Ist es normal, Bioprodukte für ein paar Cent im Supermarkt zu bekommen? Ist es natürlich, dass Putenfleisch in 30 Zentimeter langen Schnitzeln geliefert werden kann? Dass Joghurts mit Farb- und Geschmacksstoffen vollgepumpt sind? Sicher nicht. Doch die Menschheit nimmt das hin, hinterfragt nur selten, vergisst den langen Weg, den Nahrungsmittel bis zur Ladentheke zurücklegen müssen. Der mehrfach ausgezeichnete österreichische Regisseur Nikolaus Geyrhalter und sein Co-Autor und Cutter Wolfgang Widerhofer liefern mit ihrer Dokumentation "Unser täglich Brot" einen schwer verdaulichen Blick hinter die Kulissen der Massenabfertigung in der Lebensmittelindustrie. Zwischen Herbst 2003 und Herbst 2005 reisten sie durch ganz Europa und statteten Produktionsstätten mit der Kamera einen Besuch ab.

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"Mich interessieren Zonen, wo man normalerweise nicht hinsieht", erklärt der Regisseur seine Motivation, diesen schonungslosen Film zu drehen. "Die Lebensmittelproduktion ist ein geschlossenes System, von dem man ganz unklare Vorstellungen hat."

"Unser täglich Brot" beginnt bereits wenig appetitlich. In Reih und Glied hängen Schweinehälften in einer Halle. Ein Arbeiter spritzt sie ab. Nur das Geräusch der Düse ist zu hören. Kein erklärendes Wort fällt. Schnitt - wenige Szenen später bekommt man das monotone Treiben in einem Gewächshaus zu sehen. Schnitt - wir finden uns einem Tiertransporter wieder. Schnitt - nun kann man einen Arbeiter bei der Mittagspause beobachten. Die Macher verknüpfen scheinbar willkürlich verschiedene Arbeiten, Fabriken und Orte Europas, zeigen sich distanziert und lassen die Kamera stets wie einen stillen Beobachter wirken. Widerhofer resümiert: "Der Film bindet Themen ein, aber er spricht sie nicht explizit aus: serielle Arbeit, das Maschinelle, die industrielle Produktion, auch die Brutalität dabei, die Moral, die beim Töten der Tiere ins Spiel kommt und so weiter."

Mit starrem Kamerablick und einer gewollt eintönigen Geräuschkulisse fangen Nikolaus Geyrhalter und Wolfgang Widerhofer durchaus ästhetische, aber meist ekelerregende, irritierende Bilder ein - etwa Küken, die auf dem Fließband für unbrauchbar erklärt und aussortiert werden. Rinder, die auf ihren Todesstoß auf der Schlachtbank warten. Aber auch, Bauern, die immer effizienter Unmengen von Obst, Gemüse und Getreide anbauen - und mit Schädlingsbekämpfungsmitteln bespritzen. Wo führt das hin? Was können wir überhaupt guten Gewissens essen? Diese Fragen beantwortet der Film nicht. Es ist jedem selbst überlassen, das Gesehene zu verdauen und zu verwerten, denn "Unser täglich Brot" ist kommentarlos und ohne Musikuntermalung. Informationen, woher die Aufnahmen stammen, gibt es nicht. Vielleicht ist das sogar gut so.

Julia Schöppner

Credits:
V:Alamode, A 2003-2005, R: Nikolaus Geyrhalter

Laufzeit: 92 Min.

Kinostart:
18.01.07


Ohne Dünger und Spritzmittel läuft in der Landwirtschaft kaum etwas.
Ohne Dünger und Spritzmittel läuft in der Landwirtschaft kaum etwas. (Alamode)

Nicht gerade appetitlich: ein Fisch beim Entgräten.
Nicht gerade appetitlich: ein Fisch beim Entgräten. (Alamode)

Kommentarlos und in langatmigen Aufnahmen zeigt der Dokumentarfilm eine schonungslose Wahrheit über unser tägliches Essen.
Kommentarlos und in langatmigen Aufnahmen zeigt der Dokumentarfilm eine schonungslose Wahrheit über unser tägliches Essen. (Alamode)

Datum: 13.01.2007

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Diskussion: "Unser täglich Brot"

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