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The Fountain

The Fountain

(tsch) Darren Aronofsky, das ist die gute Nachricht, interessiert sich noch immer für die Figuren, die sich auf Bewusstseinsebenen etwas abseits der Realität, die wir als "normal" bezeichnen, bewegen. Das lag in "Pi" an der Mathematik und in "Requiem For A Dream" an den chemischen Prozessen, die von Drogen ausgelöst werden. In seinem dritten Film, "The Fountain", der erste seit sechs Jahren, ist es die Suche nach dem ewigen Leben, die Hugh Jackman in drei transzendente Ebenen führt. Seine Reise ist ein in vielen Punkten gelungener Film, verheddert sich aber in den eigenen Ansprüchen. Aus dem philosophischen Exkurs über Raum, Zeit und Vergänglichkeit wird ein Umherirren in einem metaphysischen Labyrinth. Das allerdings ist wunderschön anzusehen, die einfallsreiche Visualität und Aronofskys im positiven Sinne verstörende Radikalität in der Erzählweise entschädigen für das Fehlen einer klaren Wegbeschreibung.

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Aronofskys Projekt stand lange auf der Kippe. Dabei hatten die Geldgeber bereits mehr als 70 Millionen Dollar Budget bewilligt und Brad Pitt und Cate Blanchett sollten die Hauptrollen in "The Fountain" spielen. Doch der Low-Budget-Filmer - "Pi" hatte 60.000 Dollar gekostet, "Requiem For A Dream" vier Millionen - stellte sich beim Umgang mit dem Geld nicht ganz so geschickt an wie bei der Entwicklung seiner Szenen. Als dann auch noch Brad Pitt ausstieg, musste das Projekt auf Eis gelegt werden. Aber Darren Aronofsky ließ nicht locker, und schließlich realisierte er seine ambitionierte philosophische Vision mit seiner Lebensgefährtin Rachel Weisz und Hugh Jackman in den Hauptrollen und für "nur" noch 40 Millionen Dollar.

Also strahlt nun am Himmel der Orion und wacht über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. In drei Zeitebenen mit immer wiederkehrenden Motiven (die sich allerdings nicht auf den ersten Blick erschließen) geht es um die Suche nach dem ewigen Leben. Im Heute hat das ganz praktische Gründe, Izzy Creo (Weisz) ist krebskrank und wird sterben, sollte ihr Mann Tommy (Jackman) nicht eine Kur finden. Der Arzt steht in der Tat kurz vor der Entdeckung eines Heilmittels, doch der letzte Schritt will ihm nicht gelingen. Er rennt - blind vor Schmerz und Liebe - immer wieder gegen die Wand, in allen drei Zeitebenen.

Im Heute hat Izzy ein Buch geschrieben, das im Kopf Tommys real wird. Es handelt von dem furchtlosen Entdecker Tomas, der, um die spanische Königin Isabella zu schützen, in den neu entdeckten Maya-Gebieten nach dem mystischen Baum des ewigen Lebens sucht. Der furchtlose Retter, der durch die Liebe seiner Königin angetrieben wird, steht dann auch vor dem Hüter des Jungbrunnens. Allerdings hat Izzy die letzten Seiten des Buches weiß gelassen, was Tommy 500 Jahre in die Zukunft führt, wo er als Tom das ewige Leben auf einer transzendenten Ebene erreicht und sich die Liebenden endlich wieder vereinen können. Allerdings muss er dafür akzeptieren, dass der Tod ein Teil der Schöpfung ist und er selbst nur ein Staubkorn im Universum, ein Wimpernschlag in der Ewigkeit.

Erzähltechnisch wird hin und her gesprungen - in der Zeit und auch zwischen den Realitätsebenen, bis sich der Kreis aus Leben und Tod schließt. Das Leben besteht aus vielen Teilen und verläuft wohl wirklich nicht linear, was Aronofsky mit abgefahrenen Effekten, in denen man sich verlieren kann, unkonventionell und unvergesslich illustriert. Er weiß, wie man intelligent und doch spielerisch-experimentell mit Zeit, Ort und Perspektive umgeht. Was fehlt, ist der Haken, mit dem der Zuschauer in die Geschichte hineingezogen wird - Aronofsky flüchtet in wunderschöne CGI-Welten und ein ausgeklügeltes Erzählpuzzle vor des Pudels Kern. Es ist, als würde es sich der Regisseur zu einfach machen, von der Zerrissenheit Toms und der Verlorenheit auf seiner ewigen Suche zu erzählen.

Trotzdem ist "The Fountain" ein schöner Film, der im Gedächtnis bleibt, weil er sich von der üblichen Leinwandware unterscheidet. Wen die Distanz zum Erzählten, die Aronofsky - ob bewusst oder unbewusst - schafft, nicht stört, der kann sich 90 Minuten lang in eine Traumwelt stürzen, in der mit Mystik, Magie und Esoterik von großer Liebe, dem Umgang mit Verlust und der Suche nach dem ewigen Leben erzählt wird.

Andreas Fischer

Credits:
V:Kinowelt, USA 2006, R: Darren Aronofsky, D: Hugh Jackman, Rachel Weisz, Ellen Burstyn u.a.

Laufzeit: 97 Min.

Kinostart:
18.01.07


Darren Aronofsky schickt das Publikum auf eine umwerfend bebilderte Reise durch Raum und Zeit.
Darren Aronofsky schickt das Publikum auf eine umwerfend bebilderte Reise durch Raum und Zeit. (Kinowelt)

Tommy (Hugh Jackman) pflegt im Jetzt seine krebskranke Frau Izzi (Rachel Weisz).
Tommy (Hugh Jackman) pflegt im Jetzt seine krebskranke Frau Izzi (Rachel Weisz). (Kinowelt)

Tom (Hugh Jackman) im Jahr 2500 - der Quell des ewigen Lebens ist nah.
Tom (Hugh Jackman) im Jahr 2500 - der Quell des ewigen Lebens ist nah. (Kinowelt)

Datum: 18.01.2007

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