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Robert Gomez - Brand New Towns

Robert Gomez Brand New Towns

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Man könnte meinen, wenn sich Norah Jones auf dem Konzert eines texanischen Künstlers blicken lässt, um dort inbrünstig jede Textzeile mitzusingen, dann müsst es sich - wenn nicht um Country - dann doch zumindest um Americana jedweder Art handeln. Weit gefehlt! Denn dieser junge texanische Künstler heißt Robert Gomez und darf als eine Art amerikanische Avantgarde-Inkarnation der Ideen von Pink Floyd bis Air verstanden werden. Auch er scheint infiziert vom momentan in den USA grassierenden neuen Bizarr-Virus, was er mit seinem Debütalbum "Brand New Towns" und der relativ temperamentvollen Single gleichen Titels bestätigen möchte.

Dass Robert Gomez' Plattenfirma Bella Union des Labelmanagers Simon Raymonde mit Robert Gomez das inzwischen sechste Projekt aus dem Städtchen Denton in Texas signt, scheint logisch, denn wenn eine Stadt kaum Einwohner, dafür aber 40.000 Studenten hat, darf man mit Innovation, Underground und einer kreativen Atmosphäre rechnen. Bella Union jedenfalls jubiliert, dass die anderen ihrer Denton-Bands sozusagen nur zum Üben da waren und Robert Gomez nach Mandarin, Midlake und anderen ihr erfolgreichste Künstler werden wird. In den USA lobt man Gomez zwar als Barden und Troubadour, jedoch haut das angesichts der millionenfachen Overubs und der melancholischen-schwebenden Grundharmonien seiner Songs kaum hin. Diese oszillieren eher von feenhaft und verzaubert bis hin zu verzettelt und planlos, und sie finden sich in den seltenste Fällen an einem Lagerfeuer mit Gitarrenbegleitung wieder. Was nicht heißen soll, dass Gomez nicht auch Folk-Elemente oder ländliche Themen in seinen wirren Kranz verflochtener Melodien webt. Aber das Genre wirkt eher elektrisch bis orchestral denn unplugged - schließlich brachte Gomez seine komplette Band mit zur Aufnahmesessions. Und alle Sequencer von Texas scheinbar mit dazu. Die filigran gewobene Textur seiner psychedelischen Songs, die hin und wieder wirken, als würde man zwei Lieder gleichzeitig abspielen, bestechen trotzdem. Sie basieren auf einem Intellekt à la Beck und verführen durch extrem traurige Grundthemen und Melodien. Aber sie tragen in der Produktion immer ein bisschen zu dick auf und entwickeln sich nicht selten zu Streicher-Orgien mit Beatles-Appeal in ihrer Drogenphase. Auch Gomez blickt auf eine bewegte Künstler-Vergangenheit zurück, was ihn jetzt nicht in Drogennähe schieben soll, nur ein einen spannenderen Kontext als nach Denton. Seine Rastlosigkeit treib ihn aus dem Studentenstädtchen Denton hinaus, zum Halb-Jahres-Job beim berühmten Barnum & Bailey-Zirkus, in die Band des türkischen Musikers Omar Faruk Tekbilek, durch Spanien, nach New York und bis hin in den Tres-Unterricht des kubanischen Saiten-Genies Nelson Gonzales. Und so klingt nicht nur Robert Gomez' Vita wie die eines interessanten aber umtriebigen Geists ohne Ruhe und ohne Orientierung - auch sein Debüt "Brand New Towns" erscheint so. Interessant, aber wirr. Bemerkenswert: Der Song "Perfect" klingt wie die Titelmelodie der TV-Kult-Serie "Die Zwei".

Kati Hofacker

Wertung
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Datum: 15.01.2007

Diskussion: "Robert Gomez - Brand New Towns"

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