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Snow Patrol

"Wir wollen die Sterne zum Klingen bringen"

Rockband Snow Patrol

(tsch) Schon seit vielen Jahren rocken Snow Patrol, die oftmals mit Coldplay verglichen werden, Europa. Spätestens seit ihrem aktuellen Album "Eyes Open", dessen Singleauskopplung "Chasing Cars" sensationellerweise von Null auf Fünf in die US-Billboard-Charts einstieg und die in Deutschland Titelsong der ProSieben-Serie "Greys Anatomy" ist, gehören die fünf Iren zu den ganz Großen, und die Welt gehört ihnen. Tourneen in Australien, USA und Asien sind mittlerweile Standard. Kopf der Band ist Gary Lightbody, der alle Texte alleine und mit den anderen Mitgliedern die Musik schreibt.

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teleschau: Andere Musiker überlegen jahrelang, wie sie sich auf der Bühne nennen könnten. Jetzt ehrlich - ist Gary Lightbody wirklich Dein echter Name?

Gary Lightbody: Ja, es ist sogar ein deutscher Name, den eine Katherina aus Lichtboden so um 1760 über England mit nach Irland brachte. Lightbody war dann so etwas wie ihr Spitzname und ist nun mein echter! Cool, oder?

teleschau: Heute spielt Ihr vor ausverkauftem Haus in München. Das war früher auch mal anders ...

Lightbody: Stimmt, aber wenn wenig Publikum da ist, bedeutet das noch lange nicht, dass es ein schlechtes Konzert wird. Ein Freund von uns hatte mal ein Festival in Herrsching am Starnberger See organisiert. Es regnete die ganze Zeit, und es waren so wenig Leute da, dass wir unseren Auftritt in das Garderobenzelt verlegten. Hey, das war ein ziemlicher Punk-Rock-Gig, eine schöne Erinnerung.

teleschau: Ein Leben ohne Erfolg. Wie kamt Ihr damals über die Runden?

Lightbody: Ich arbeitete damals viel in Bars und schuldete ein paar Freunden eine Menge Geld - das ich inzwischen ganz brav zurückgezahlt habe. Wir jobbten alle nebenbei, die Band war unser Hauptberuf, der allerdings zwölf Jahre lang kaum etwas einbrachte. Und wir hatten Glück, denn eigentlich wollten wir uns kurz bevor der erste echte Erfolg kam, auflösen. Für uns war es aber sehr gut, denn die ganzen Jahre machten uns bescheiden und reif und zu dem, was wir heute sind. So kommen wir nun mit dem großen Erfolg recht gut klar. Es gibt so viele tolle Bands, die ihn verdient hätten. Bei uns hat es eben geklappt, allerdings sind wir eine der wenigen Bands, die von einem Independent-Label gekündigt wurden und drei Jahre später bei einer Major-Company einen Vertrag unterzeichneten. An dieser Stelle schöne Grüße an die Firma, die uns fallen gelassen hat (lacht)! Bei uns lief eben alles ein bisschen anders herum.

teleschau: Ihr wart mit U2 auf Tournee. Das muss doch für einen Iren so etwas wie ein Ritterschlag sein.

Lightbody: Ja, U2 sind die Königsfamilie in Irland. Wir waren total aus dem Häuschen, als wir erfuhren, dass wir mit ihnen auf Tour gehen werden. Das sind echt nette, bodenständige Kerle, die sich richtig für uns interessierten. Jeder einzelne aus der Crew ist so supernett. Wir waren ja auch schon oft als Support-Act mit anderen Bands unterwegs. Vor vielen Jahren zum Beispiel mit Supergrass, die auch cool waren. Aber dann gab es eben ein paar uns gegenüber weniger freundliche Bands, weil wir ja "nur" die Vorband waren. Einmal war es uns sogar verboten, den Sänger auch nur anzusprechen. Aber ich bin fair und werde den Namen nicht verraten. So ein Verhalten ist allerdings wirklich schlecht für's Karma. Nun, uns hat es gestärkt, uns verwundert schon gar nichts mehr. Eine harte, aber sinnvolle Schule waren all die verrückten Dinge, die uns passiert sind.

teleschau: Für das von Belle and Sebastian initiierte Album "Colours Are Brighter" habt Ihr den Song "I Am An Astronaut" beigesteuert. Worum geht's auf dem Album?

Lightbody: Es ist ein Wohltätigkeitsalbum, dessen Einnahmen an die Organisation "Save The Children" fließen. Bands wie Franz Ferdinand oder The Kooks schrieben extra kindliche Songs dafür, wir hingegen nahmen einen Song auf, den Kim Wildes Bruder Ricki Wilde schrieb, als er zehn Jahre alt war - er schrieb übrigens auch Kims Superseller "Kids In America". Unsere Version von "I Am An Astronaut" ist mit vielen spacigen Geräuschen verziert, kleinen Tönchen dort, netten Sounds hier. Wir wollten eben die Sterne zum Klingen bringen! Und selbstverständlich haben wir es an unserem Freundeskreis und deren Kindern vorher getestet. Die fanden es alle toll. Wir selbst haben ja noch keine Kinder, aber die anderen vier haben im Gegensatz zu mir wenigstens feste Freundinnen.

teleschau: Bei den Arbeiten zum aktuellen Album hast Du wie ein Mönch gelebt. Regieren sonst Sex, Drugs, Rock'n'Roll?

Lightbody: Wenn wir nicht auf Tour oder im Studio sind, nehme ich schon mal ein paar Drinks, aber eben nicht mehr, wenn ich arbeite. Die Sauferei schädigt meine Stimme zu sehr. Früher trank ich vor, während und nach den Auftritten, ich war ein echter Chaot. Ich bin jetzt 30 Jahre alt, ich kann nicht jeden Morgen mit einem Mordskater aufwachen. Wir sind 90 Prozent des Jahres auf Tour, das könnte ich mit Saufen rein körperlich nicht mehr schaffen. So gehe ich lieber ins Fitnessstudio. Die anderen Vier gehen nach dem Gig immer noch einen heben. Ich geh dann mit, nuckle an meinem Mineralwasser und hab' einen Riesenspaß. Allerdings ziehe ich mich auf mein Hotelzimmer zurück, wenn die anderen so lallen, dass einfach nichts mehr zu verstehen ist.

teleschau: Worum geht es genau in Eurem wunderbaren Hit "Chasing Cars"?

Lightbody: Das ist ganz leicht zu sagen: Es ist ein Liebeslied. Bei mir gibt es nicht so viel Liebe mit Happy-End. Das liegt aber beileibe nicht an den Frauen, sondern an mir. Wenn man eben fast das ganze Jahr auf Tournee ist, kann man kaum eine normale Beziehung führen, besonders wenn man so ein emotionaler Krüppel ist, wie ich es bin. Und da gab es eben einmal eine Frau, mit der ich drei Jahre zusammen war. Von ihr handelt eigentlich das gesamte "Eyes Open"-Album. Ich habe es ihr mehrmals vorgespielt, aber es hat leider nichts mehr gebracht. Jetzt hören es eben andere, und ich hoffe, dass sie wenigstens etwas davon haben (lacht).

Nina Becker


Die Britpop-Aufsteiger des Jahres: Snow Patrol, die Iren um Gary Lightbody (Mitte).
Die Britpop-Aufsteiger des Jahres: Snow Patrol, die Iren um Gary Lightbody (Mitte). (Universal)

Vom Indie verschmäht, beim Major durch die Decke gegangen: Snow Patrol.
Vom Indie verschmäht, beim Major durch die Decke gegangen: Snow Patrol. (Universal)

Pop ohne "Mordskater": Snow Patrol
Pop ohne "Mordskater": Snow Patrol (Universal)

Datum: 16.01.2007

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